Riester-Rente eigentlich gescheitert
SPD-Diskussionsabend über Rentenlücke und Altersarmut

Schöppingen -

Der Kamin im Clubhouse strahlt eine wohlige Wärme aus. Weniger wohlig könnte es hingegen in Zukunft für viele Rentner werden. Die SPD Schöppingen hatte zu einem Diskussionsabend zum Thema „Rentenlücke und Altersarmut“ eingeladen.

Freitag, 26.10.2018, 18:11 Uhr
Veröffentlicht: Freitag, 26.10.2018, 06:00 Uhr
Zuletzt bearbeitet: Freitag, 26.10.2018, 18:11 Uhr
Für die gesetzliche Rentenversicherung warb Wilfried Gleitze, (r.) ehemaliger Direktor der Deutschen Rentenversicherung Westfalen, mit SPD-Ratsherr Rainer Sobottka (l.) und den anderen Teilnehmern.
Für die gesetzliche Rentenversicherung warb Wilfried Gleitze, (r.) ehemaliger Direktor der Deutschen Rentenversicherung Westfalen, mit SPD-Ratsherr Rainer Sobottka (l.) und den anderen Teilnehmern. Foto: Rupert Joemann

Der Kamin im Clubhouse strahlt eine wohlige Wärme aus. Weniger wohlig könnte es hingegen in Zukunft für viele Rentner werden. Die SPD Schöppingen hatte am Mittwoch zu einem Diskussionsabend zum Thema „Rentenlücke und Altersarmut“ eingeladen. Mit dabei waren Wilfried Gleitze , ehemaliger Direktor der Deutschen Rentenversicherung Westfalen, und die SPD-Bundestagsabgeordnete Ursula Schulte .

„Ich kenne viele Frauen, die 400, 500 Euro Rente bekommen“, sagte Ursula Schulte. Im ländlichen Raum ginge das noch, weil die Älteren häufig mit der Nachfolgegeneration in einem Haus wohnten, so die gebürtige Alstätterin. Die Höhe der Rente sah Gleitze etwas differenzierter. Bei vielen älteren Frauen käme noch die Witwenrente hinzu oder anderweitiges Vermögen. „Die Leute reden nicht gerne über Geld und ihre wirklichen Verhältnisse“, so der Rentenexperte.

Gleitze warnte aber davor, „Illusionen auf den Tisch zu legen“. So sei der Vorschlag von Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD), das Rentenniveau von derzeit 48 Prozent bis 2040 zu garantieren, nicht gegenfinanziert. Bei einem gesamten Rentenvolumen von 270 Milliarden Euro kämen bereits jetzt 90 bis 100 Milliarden aus dem Bundeshaushalt. „Wer kann denn einen Beitragssatz von 23, 24 Prozent politisch durchsetzen?“, gab Wilfried Gleitze zu bedenken.

Er sprach sich dafür aus, Beamte und Selbstständige mit in die Rentenversicherung einzubeziehen. Das sah auch Ursula Schulte so. Sie warb für eine Erwerbstätigenversicherung. „Das geht nicht in zehn Jahren, aber in einer Generation“, sagte sie. Schulte erklärte, dass das Rentenniveau in der gesetzlichen Rentenversicherung derzeit 48 Prozent betrage und für „Beamte über 70 Prozent“. Das sei ungerecht.

Als „eigentlich gescheitert“ sah Schulte die Riester-Rente an. Ein Drittel derjenigen, die die Riester-Rente bräuchten, „haben gar nicht die finanzielle Möglichkeiten“, so die SPD-Bundestagsabgeordnete. Rund 20 Prozent der Riester-Verträge ruhten, so Wilfried Gleitze. Rüdiger Kremser, Vorsitzender des SPD-Ortsvereins, ärgerte sich, dass die Riester-Verträge nicht steuerfrei seien.

„Ich setze auf die gesetzliche Rente“, betonte Schulte. Auch der ehemalige Direktor er Deutschen Rentenversicherung Westfalen, Wilfried Gleitze, warb für die Rentenversicherung. „Die Rente steigt in der Achtung wieder“, sagte Gleitze. Der Grund: Mit einer jährlichen Steigerung von zwei bis 2,5 Prozent ist sie in der momentanen Niedrigzinsphase wieder attraktiv.

„Eigentlich müsste die Rente zum Leben reichen“, sagte Ursula Schulte. Doch das sei nicht immer der Fall. Hinzu komme, dass Armut als Schande gelte, gerade in der heilen „Bullerbü-Welt des Münsterlandes“. Vor allem Ältere nähmen häufig staatliche Hilfsleistungen nicht in Anspruch, weil sie sich schämten, so Schulte.

Die Anwesenden diskutierten auch darüber, wie die Einnahmen verbessert werden könnten. So wurde eine mögliche Wertschöpfungsabgabe ins Spiel gebracht. Die würde sich an die Wertschöpfung des Unternehmens orientieren und an Stelle der Sozialversicherungsbeiträge erhoben. „Das ist ein Ansatz“, fand Gleitze. Jedoch sei sie kläglich gescheitert.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6144867?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F103%2F156%2F
Werkshalle in Neubeckum steht in Flammen
Großeinsatz der Feuerwehr: Werkshalle in Neubeckum steht in Flammen
Nachrichten-Ticker