Pastor Böcker informiert über Bestattungskultur
Alte Knochen noch 1980 an der Kirche ausgegraben

Schöppingen -

Die Bestattungskultur in Schöppingen, Eggerode und Gemen war Thema beim traditionellen Ortsgang des Heimatvereins Schöppingen. der Startort für die rund eineinhalbstündige Führung war bewusst gewählt: der Alte Friedhof an der Metelener Straße.

Freitag, 02.11.2018, 18:01 Uhr
Veröffentlicht: Mittwoch, 31.10.2018, 17:10 Uhr
Zuletzt bearbeitet: Freitag, 02.11.2018, 18:01 Uhr
Pastor Wolfgang Böcker erzählte den gut 60 Gästen viele interessante Geschichten zur Friedhofsgeschichte in den drei Ortsteilen.
Pastor Wolfgang Böcker erzählte den gut 60 Gästen viele interessante Geschichten zur Friedhofsgeschichte in den drei Ortsteilen. Foto: Matthias Frye

Die Bestattungskultur in Schöppingen, Eggerode und Gemen war – passend vor Allerheiligen – Thema beim traditionellen Ortsgang des Heimatvereins Schöppingen.

Auch der Startort für die rund eineinhalbstündige Führung war bewusst gewählt: der Alte Friedhof an der Metelener Straße. Pastor Wolfgang Böcker informierte die gut 60 Gäste zunächst über das Bestattungswesen der vergangenen Jahrtausende und durch verschiedene Kulturen. Danach schilderte er die historischen Ereignisse vor Ort.

Dabei berief sich Böcker immer wieder auf die Chronik von Vikar Haversath, der Mitte des 19. Jahrhunderts in Schöppingen seinen Dienst ausübte. So sei das einschneidende Ereignis die Verlegung des Begräbnisplatzes vor die Wiegboldgrenze um 1810 geschehen, als das Großherzogtum Berg und letztlich Kaiser Napoleon hier das Sagen hatte. Damit habe man von staatlicher Seite der Kirche eine ihrer ureigensten Zuständigkeiten genommen, so Wolfgang Böcker.

Vor allem unhaltbare hygienische Verhältnisse, ansteigende Bevölkerungszahlen und Sterberaten seien die Gründe für diese Erwägungen gewesen, von der alten Friedhofsstätte rund um die Kirche Abstand zu nehmen. Platzmangel auf der Kirchenburg kamen verschärfend hinzu.

In Eggerode, so Böcker, sei man ein paar Jahre genauso verfahren und hätte den Begräbnisplatz südlich der Kirche an die heutige Stelle verlegt. Seuchen und Hungersnöte hätten jedoch dazu geführt, dass in Schöppingen noch einige Jahre im Schatten der beiden Schulen und der Küsterei weiter beerdigt wurde.

1820 wurde der Friedhof schließlich eingeweiht, im Folgejahr kehrte er wieder in kirchliche Trägerschaft zurück, wo er bis in den 1970er-Jahren verblieb.

Eine erste Erweiterung in Richtung Norden wurde schnell notwendig. Zu einer zweiten, nach Westen angedachten Erweiterung, kam es jedoch in den 1990er-Jahren nicht mehr, da die Fläche kurzfristig für Bauland herhalten musste, sodass in der zweiten Hälfte der 1990er-Jahre der Neue Friedhof am Feldschers Kamp eingerichtet wurde.

Zu einem ersten Begräbnis auf dem Friedhof in Gemen sei es 1927 kurz nach der Kircheneinweihung gekommen, so Pastor Böcker weiter. Die ältesten Gräber auf dem Friedhof seien die der ehemaligen Pfarrer von Schöppingen aus dem ausgehenden 19. Jahrhundert. Auch der hoch angesehene Pfarrer Dietrich Freiherr von Nagel, der während der NS-Zeit als Pfarrer tätig war, fand hier seine letzte Ruhestätte.

Auf die zwei weiteren Friedhöfe im Gemeindegebiet, den ehemaligen Pestfriedhof am Vechtestadion und den früheren Judenfriedhof an der Ausfahrtsstraße nach Horstmar, wies Pastor Böcker ebenfalls hin, bevor sich die Gruppe auf den Weg zum Kirchplatz machte.

Auch hier berichtete Böcker Interessantes rund um das Thema Tod und Sterben. So habe an der Nordseite der Kirche von 1575 bis 1820 ein Beinhaus gestanden, in dem die Knochen der Verstorbenen würdig aufbewahrt wurden, um auf dem eigentlichen Friedhof Platz für neue Begräbnisse zu schaffen.

Von dem ehemaligen Beinhaus zeugt noch heute eine in Stein gemeißelte Inschrift in der Kirche, die die Gläubigen stets an den plötzlich eintretenden Tod erinnern sollte. Bei Erdarbeiten 1980 auf dem Kirchplatz wurden noch Knochen des längst verschwundenen Friedhofs ausgegraben. Diese haben hinter dem Kreuz auf dem Alten Friedhof ihre letzte Ruhe gefunden.

Eine kleine Bilderschau zum Vortragsthema, vorbereitet vom Vorstandsmitglied Andre Busemas, schloss den Ortsgang ab und gab Anstoß für angeregte Unterhaltungen beim traditionellen Wurst- und Wurstebrotessen.

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