Josef Spiegel: „Wir sind kein Museum, sondern fördern Künstler individuell“
Das Künstlerdorf ist ein Puzzlestein

Schöppingen -

Die Liste, die Dr. Josef Spiegel vorlegt, ist lang. Aufgeführt hat der Geschäftsführer des Künstlerdorfs exemplarisch Namen von ehemaligen Stipendiaten, die bei diversen renommierten Wettbewerben erfolgreich waren. „Die waren alle, als sie noch unbekannt waren, als Stipendiaten hier“, sagt Spiegel.

Mittwoch, 02.01.2019, 08:00 Uhr
Über 1000 Bewerbungen für ein Stipendium aus der ganzen Welt gingen im vergangenen Jahr bei Josef Spiegel, Geschäftsführer des Künstlerdorfs, ein.
Über 1000 Bewerbungen für ein Stipendium aus der ganzen Welt gingen im vergangenen Jahr bei Josef Spiegel, Geschäftsführer des Künstlerdorfs, ein. Foto: Rupert Joemann

Die Stiftung Künstlerdorf hat die Künstler in jungen Jahren gefördert. „Wir waren eine Art Puzzlestein in ihrer Karriere“, sagt Josef Spiegel . In der Vechtegemeinde selbst bleiben den meisten Bürgern die Entwicklungen der Stipendiaten verborgen. Das Künstlerdorf tritt nur selten in Schöppingen nach außen in Erscheinung. „Wir sind kein Museum, sondern fördern Künstler individuell“, erklärt der Geschäftsführer. Das Künstlerdorf ist für ihn ein Arbeitsort. „Die Ergebnisse sind später vielleicht in Düsseldorf, Köln oder New York sichtbar.“

Zahlreiche ehemalige Stipendiaten haben den Durchbruch geschafft. So stehen auf der Liste etliche Namen von Siegern oder Sonderpreis-Trägern des Ingeborg-Bachmann-Preises, der als einer der wichtigsten literarischen Auszeichnungen im deutschsprachigen Raum gilt. Dazu kommen Gewinner des ZDF-Aspekte-Literaturpreises oder Teilnehmer am Internationalen Literaturfest Lit Cologne. Andere ehemalige Stipendiaten haben ein weiteres Stipendium an der namhaften Villa Massimo , der deutschen Akademie in Rom, erhalten. Die Voraussetzung für die Aufnahme dort: „außergewöhnliche Qualifikationen und großes Talent“.

Das haben schon vorher die Verantwortlichen des Schöppinger Künstlerdorfs bei den Künstlern entdeckt. Über 1000 Bewerbungen aus der ganzen Welt hatte das Künstlerdorf im zurückliegenden Jahr erhalten. „Wir senden weltweit und werden weltweit empfangen“, sagt Josef Spiegel.

Die Auswahl obliegt einer Jury. Bei der Wahl der Jurymitglieder geht das Künstlerdorf einen ungewöhnlichen Weg. Spiegel: „In der Regel kenne ich die Mitglieder nicht, es sind keine Duzfreunde.“ Er beobachtet lieber die Arbeit der potenziellen Juroren. Spiegel geht es darum, eine Jury mit Fachleuten zu besetzen, „die unterschiedliche Blickwinkel“ haben. So sei für die Bewerber eine Chancengleichheit gegeben.

Außerdem wechseln die Jurymitglieder regelmäßig, sodass die Jury nach drei Jahren komplett neu besetzt ist. „Das hat sich extrem bewährt“, findet der 64-Jährige.

Er hält es für wichtig, die Augen und Ohren offen zu halten. Ansonsten bestehe die Gefahr, nicht mitzubekommen, wie die Entwicklungen verlaufen. Er ist überzeugt, dass klassische Formen, wie zum Beispiel Ausstellungen und Lesungen, an Bedeutung verlieren. Die Generation der 20- bis 30-Jährigen interessiere sich für die Formen immer weniger. „Das ist keine Kritik. Ich nehme es nur wahr.“ Die Entwicklungen seien nicht zu ändern. Man müsse sich nur darauf einstellen.

Und das machen Josef Spiegel und sein Team seit vielen Jahren. „Das Künstlerdorf hat immer auf seismografische Entwicklungen reagiert und sich angepasst“, sagt Josef Spiegel. Die in Schöppingen geleistete Arbeit wird auch in der Landeshauptstadt wahrgenommen. Mittlerweile hat das Künstlerdorf im Landeshaushalt eine eigene Haushaltsstelle. Das sichert die Zukunft, erst recht in Zeiten niedriger Zinserträge durch die Stiftung.

Dass das keine Selbstverständlichkeit ist, zeigt sich am Beispiel des Künstlerhauses Schloss Wiepersdorf, 80 Kilometer südlich von Berlin. Das Künstlerhaus hat im Sommer geschlossen. Die Schöppinger sollen für kommendes Jahr zehn Stipendiaten aus Schloss Wiepersdorf aufnehmen. 2020 soll das Künstlerhaus in neuer Trägerschaft den Betrieb wieder aufnehmen.

Während das Künstlerdorf in Schöppingen meistens eher unbeobachtet agiert, werden die Schöppinger landes- und bundesweit in der Kulturszene dagegen sehr wohl wahrgenommen. Das liegt an der intensiven Netzwerkarbeit. So gehört das Künstlerdorf dem Kultursekretariat NRW Gütersloh an oder dem Medienwerk NRW. In dem Medienwerk ist aus dem Münsterland nur Schöppingen dabei. Bei den Siegern des Wettbewerbs der Creative-NRW war Schöppingen der einzige kleinere Ort, ansonsten gehörten nur Projekte aus Großstädten zu den Ausgezeichneten.

Josef Spiegel will den eingeschlagenen Weg fortsetzen. So soll zum Beispiel in diesem Jahr das Projekt „Freiraum Leerstand“ weitergeführt werden. Vielleicht taucht aber auch ein neuer Name auf der Liste erfolgreicher Ex-Stipendiaten auf.

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