Stimmkultur in reinster Form
Trio Mediæval verschmolz in der Brictiuskirche Raum, Zeit und Klang

Schöppingen -

Raum, Zeit, Klang – all das verschmolz am Sonntagabend zu einem einzigen, fast transzendenten Erlebnis beim Auftritt des Trios Mediæval in Schöppingen.

Montag, 04.02.2019, 17:00 Uhr aktualisiert: 04.02.2019, 18:22 Uhr
Warum das Trio Mediæval einen guten Ruf genießt – das Publikum in Schöppingen weiß es seit Sonntag.
Warum das Trio Mediæval einen guten Ruf genießt – das Publikum in Schöppingen weiß es seit Sonntag. Foto: Martin Borck

Raum, Zeit, Klang – all das verschmolz am Sonntagabend zu einem einzigen, fast transzendenten Erlebnis beim Auftritt des Trios Mediæval in Schöppingen. Die drei Sängerinnen waren nicht nur Interpreten, die die Schönheit der Musik über die Jahrhunderte hinweg vermittelten; vielmehr schienen sie selbst von der Musik erfüllt zu sein. Von dem inneren Drang beseelt, durch den Gesang in eine höhere Dimension zu gelangen – über das Hörbare hinaus, und das Publikum dabei mitzunehmen.

Die Brictiuskirche als sakraler Raum bot eine ideale Umgebung für die Stimmen von Anna Maria Friman , Linn Andrea Fuglseth und Jorunn Lovise Husan. Glasklar waren sie, ohne viel Vibrato. Stimmkultur in ihrer reinsten Form.

Die drei Frauen verstehen sich wahrscheinlich blind – sie suchten aber während des Konzerts immer wieder Blickkontakt. Eine Kommunikation, die dem perfekten Timing und der absoluten Harmonie diente.

Mittelalterliche Choräle aus England führten zurück zu den Anfängen der Mehrstimmigkeit. In die Zeit, als erstmals Melodien und lang anhaltende Töne gleichzeitig erklangen und somit zaghaft ein neuer Klangraum erschaffen wurde. Das Trio erzeugte die Dauertöne mit Hilfe von Glockenstäben und einer sogenannten Shrutibox, einem indischen Instrument, dessen Töne ähnlich wie bei dem Akkordeon oder Harmonium erzeugt werden. Das Resultat: ein obertonreicher Instrumentalklang, von dem sich die ätherischen Frauenstimmen kontrastreich abhoben.

Dem Trio war nicht primär daran gelegen, die mittelalterliche Musik authentisch wiederzugeben; ihre Arrangements erzeugten neue akustische Erfahrungen und damit neue Wirkungen.

Mittelalterliche geistliche Choräle bestechen und beeindrucken weniger durch musikalische Verzierungen als durch ihre Intensität (was nicht mit Lautstärke zu verwechseln ist). Auch weltliche Volkslieder haben eine einfache, aber eingängige Melodie. Sie wurden ursprünglich ein-, wenn nicht sogar einzelstimmig gesungen. Das Trio Mediæval formte aus dem skandinavischen Liedmaterial sanft glänzende Preziosen. Dank der mehrstimmige Arrangements, die den ursprünglichen Charme durchschimmern lassen und besondere Strahlkraft entwickeln.

Die Funktion des Raums in der Musik wird häufig gar nicht wahrgenommen – die drei Frauen rückten sie in das Bewusstsein des Auditoriums. Sie wanderten durch die Kirche, teilten sich auf, ließen ihre Stimmen aus verschiedenen Richtungen schallen. Zur Zugabe traten sie mitten unters Publikum, das die drei Sängerinnen frenetisch und herzlich feierte.   Martin Borck

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