Martin Steiner hört als Umzugspräsident auf
Ideenreichtum als Erfolgsgarant in 23 Jahren

Schöppingen -

Martin Steiner blickt am Sonntag aus einer völlig neuen Perspektive auf den Karnevalsumzug. 23 Jahre hat er als Umzugspräsident die Entwicklung des Schöppinger Straßenkarnevals mitgeprägt und die Strecke festgelegt. Diese Ära endet nun.

Dienstag, 26.02.2019, 06:00 Uhr
Vom damaligen Bürgermeister Josef Niehoff erhielt Martin Steiner am 16. Februar 2015 eine Urkunde für den Verdienstorden Scopingensis der historischen Stadt Schöppingen. Die humoristische Auszeichnung zeigt die Verbundenheit zwischen Gemeinde und NSKKV.
Vom damaligen Bürgermeister Josef Niehoff erhielt Martin Steiner am 16. Februar 2015 eine Urkunde für den Verdienstorden Scopingensis der historischen Stadt Schöppingen. Die humoristische Auszeichnung zeigt die Verbundenheit zwischen Gemeinde und NSKKV. Foto: Rupert Joemann

Martin Steiner blickt am kommenden Sonntag aus einer völlig neuen Perspektive auf den Karnevalsumzug . Das NSKKV-Mitglied sitzt an der Umzugsspitze im THW-Wagen. „Ich soll helfen, den Umzugsweg zu finden“, sagt der 54-Jährige mit einem Schmunzeln. Das könnte ihm gelingen, hat er doch 23 Jahre als Umzugspräsident die Entwicklung des Schöppinger Straßenkarnevals mitgeprägt und die Strecke festgelegt.

Der diesjährige Umzug ist bereits federführend vom designierten Umzugspräsidenten Thomas Saar zusammengestellt worden. „Es war eine Freude und Ehre, das all die Jahre zu machen“, betont Martin Steiner. Doch nach fast einem Vierteljahrhundert ist für ihn der Zeitpunkt gekommen, Jüngeren das Feld zu überlassen. Auch wenn er zugibt, dass der Abschied schon schwer falle. Er habe drei Bürgermeister, drei Wehrführer und drei Bezirksbeamte verschlissen, so Martin Steiner grinsend.

„Der Zug braucht neue Ideen“, blickt der 54-Jährige, der 2006 selbst Karnevalsprinz war, in die Zukunft. Und dabei spielten technische Dinge eine immer größere Rolle. „Die jungen Leute können besser damit umgehen“, macht er sich nichts vor. Durch den Wechsel gebe es neue Entwicklungsmöglichkeiten für den Umzug, ist Martin Steiner überzeugt.

Und genau darum geht es dem 54-Jährigen: um den Schöppinger Karnevalsumzug mit seinen weit über 20 000 Besuchern. „Die Sache steht im Vordergrund, nicht ich.“

Und die Sache, den Umzug, hat er über all die Jahre kontinuierlich vorangebracht. Dabei hat er ganz klein angefangen – als Umzugs-Koordinator. Sein Vater Willi Steiner war zuvor Umzugspräsident, „ich musste mir erst die Sporen verdienen“, erzählt der Inhaber des Edeka-Supermarkts an der Hauptstraße lächelnd. Erst nach seiner gelungenen Premiere erhielt Martin Steiner die rote Fahne als Zeichen des Umzugspräsidenten.

„Früher haben wir uns mehr um das karnevalistische Wohlbefinden der Teilnehmer gekümmert. Das hat sich gewandelt zu einer absoluten Sicherheitsfrage“, sagt Steiner. Erst recht nach der Loveparade-Katastrophe 2010 in Duisburg, als 21 Menschen starben und 541 Personen verletzt wurden.

Mussten anfangs nur wenige Feuerwehrleute, Einsatzkräfte der Malteser und Polizisten an der Strecke bereit stehen, sind es mittlerweile 150. „Ich bin auch dankbar, dass sie das tun“, betont Martin Steiner. Der Umzug sei nur möglich, weil sich so viele Menschen beteiligen und zum Gelingen beitragen.

„Jeder soll eine Aufgabe übernehmen. Wenn die Gemeinschaft im Ort funktionieren soll, muss man sich einbringen“, ist Martin Steiner überzeugt.

Und das täten viele Gruppen beim Karnevalsumzug. Freundeskreise, Cliquen und die Schützenbruderschaft St. Peter und St. Paul nennt er als Beispiele. „Auch wenn mir das einen Stich in mein BSV-Herz versetzt“, sagt der 54-Jährige, der 2. Vorsitzender beim Bürgerschützenverein ist. Der BSV beteiligt sich zu seinem Leidwesen nicht am Umzug.

Stolz ist der scheidende Umzugspräsident, dass der NSKKV nie professionelle Wagen eingekauft hat. „Das habe ich immer strikt abgelehnt. Das ist der Tod für den Umzug“, ist Martin Steiner überzeugt.

Er setzt vielmehr auf den Ideenreichtum der Teilnehmer. Die Gruppen hätten sich immer verglichen und es gebe eine „positive Konkurrenz“. Etwas Nachsicht bittet er für das Auftreten einiger junger Teilnehmer. Viele dieser Gruppen entwickelten sich im Laufe der Zeit weiter und zählten dann zu den Stammkunden. Auch das sei ein Erfolgsrezept für den Schöppinger Karnevalsumzug, so der 54-Jährige.

Bevor sich Martin Steiner am Sonntag in den THW-Wagen setzt, wird er sich sicherlich die Motivwagen bei der Startaufstellung anschauen.

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