Kultgegenstand ist 1959 auf dem Ramsberg entdeckt worden
Schöppinger Jadebeil aufgetaucht

Schöppingen -

Es ist vielleicht 30 Zentimeter lang und an der breitetesten Stelle zehn Zenitmeter breit: das Jadebeil. Werner Reinermann vom Heimatverein Schöppingen hatte sich an die Öffentlichkeit gewandet, um das zuletzt 1978 öffentlich gezeigte Stück wiederzufinden: Mit Erfolg.

Samstag, 16.03.2019, 06:00 Uhr
Über das Wiederauftauchen des Schöppinger Jadebeils freuen sich (v.l.) Werner Reinermann, Hedwig Alfert-Albers, August Bierhaus und Werner Lösing.
Über das Wiederauftauchen des Schöppinger Jadebeils freuen sich (v.l.) Werner Reinermann, Hedwig Alfert-Albers, August Bierhaus und Werner Lösing. Foto: Rupert Joemann

Es ist vielleicht 30 Zentimeter lang und an der breitetesten Stelle zehn Zenitmeter breit: das Jadebeil. Am Mittwoch präsentierten Hedwig Alfert-Albers, Werner Lösing, August Bierhaus und Werner Reinermann das von ihnen auf ein Alter von rund 6400 Jahren geschätzte Kultbeil.

Werner Reinermann vom Heimatverein Schöppingen hatte sich an die Öffentlichkeit gewandet, um das zuletzt 1978 öffentlich gezeigte Stück wiederzufinden. Nach einem Zeitungsartikel in den Westfälischen Nachrichten erhielt Reinermann prompt einen Anruf von Werner Lösing.

Er hatte das Jadebeil 1959 mit seinem Vater bei Schaufelarbeiten an einem Vorfluter entdeckt. „Mein Vater ist darauf gestoßen“, sagte Lösing. Daher, so seine Vermutung, stamme auch eine Kerbe in dem Jadebeil. Gefunden haben es Vater Bernhard und Sohn Werner auf dem Ramsberg in der Nähe von Haus Koppel.

Wie und wann das Jadebeil dort hingekommen ist, ist nicht bekannt. Eins steht für August Bierhaus aber fest, der 1978 als Sparkassendirektor anlässlich der Eröffnung einer neuen Filiale in Schöppingen das Beil zusammen mit dem Schöppinger Heimatforscher Bernhard Rauß-Kaiser in einer Ausstellung präsentierte: Schöppingen und Ramsberg waren Plätze, wo Menschen schon früh wohnten.

Rauß-Kaiser hatte sich das Jadebeil von Bernhard Lösing für die Ausstellung ausgeliehen, dabei aber versprochen, den Eigentümer nicht zu nennen.

Nach dem Fund 1959 packte Bernhard Lösing das Beil „unter dem Siegel der Verschwiegenheit“ (Werner Lösing) in eine Schublade. „Mein Vater sagte, dass ist ein Steinbeil“, erinnerte sich Werner Lösing. So blieb es über Jahre dort verborgen.

Später ging es in den Besitz von Lösings mittlerweile verstorbenen Bruder Clemens über. Dessen Ehefrau, Hedwig Alfert-Albers, hatte es jetzt noch in einer Schublade liegen. „Wir haben es nicht beachtet. Von uns wusste keiner, was es war.“

Hedwig Alfert-Albers lieh es nun Werner Reinermann aus. Am Freitag wurde das Beil den Mitgliedern des Heimatvereins während der Generalversammlung gezeigt. Zudem soll es noch einen öffentlichen Präsentationstermin in der Sparkasse geben. „41 Jadebeile sind in Nordrhein-Westfalen registriert. Das Schöppinger Exemplar wird wohl die Nummer 42 erhalten“, so Reinermann.

Die nächste Generation hätte das Beil wahrscheinlich entsorgt, so Werner Lösing. Oder im Internet verkauft.

Jadebeile seien Kultgegenstände gewesen, so Bierhaus. Sie seien Verstorbenen als Grabbeilage zugegeben worden. Er selbst habe in einem Zeitungsartikel drei Fotos mit Jadebeilen gesehen und sofort erkannt, dass das 1978 ausgestellte Stück genauso aussah. Mit 94 Jahren besuchte Bierhaus deshalb Ende vergangenen Jahres in Berlin eine Ausstellung mit zahlreichen Jadebeilen. Da war sein Interesse geweckt. Im Gespräch mit dem ehemaligen Sparkassen-Mitarbeiter Werner Reinermann bat Bierhaus ihn, sich auf die Suche nach dem Jadebeil zu machen. Erfolgreich.

In einer Schublade wird es jetzt nicht mehr verschwinden. Hedwig Alfert-Albers will es im Haus präsentieren.

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