Europa-Projekttag an der Sekundarschule
Frieden ist nicht selbstverständlich

Schöppingen -

Es ist nicht nur ein flammendes Plädoyer für Europa, sondern auch eine Mahnung an die Zehntklässler der Sekundarschule. Robert Wenking bittet die Schülerinnen und Schüler, sich für Europa einzusetzen und ihre Meinung zu vertreten. „Schweigen ist ganz schwierig. Dann hört man nur die Schreihälse“, sagt Horstmars Bürgermeister.

Dienstag, 26.03.2019, 07:00 Uhr
Ihre Sichtweise auf Europa schilderten (v.l.) Wiljo Krechting, Rüdiger Sasse, Matthias Kappelhoff, Peter Maier, Franz-Josef Franzbach und Robert Wenking.
Ihre Sichtweise auf Europa schilderten (v.l.) Wiljo Krechting, Rüdiger Sasse, Matthias Kappelhoff, Peter Maier, Franz-Josef Franzbach und Robert Wenking. Foto: Rupert Joemann

Frieden und Freiheit würden heute als Selbstverständlichkeiten wahrgenommen, so Wenking am Montag während des von der Gruppe „ Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage “ organisierten Europa-Projekttags. Doch das sei nicht so.

Wenking erinnert an die 90er-Jahre, als im ehemaligen Jugoslawien ein Bürgerkrieg herrschte. „Nachbarn, die vorher jahrzehntelang friedlich miteinander lebten, haben sich abgeschlachtet. Teilweise gab es sogar Völkermord.“ Und das mitten in Europa. Wichtig sei es, den Blick der anderen Seite einzunehmen und mit anderen auf Augenhöhe respektvoll umzugehen, so Wenking.

Wiljo Krechting (Shopware), Rüdiger Sasse (Feinbrennerei Sasse) und Matthias Kappelhoff (Axa Entwicklungs- und Maschinenbau) erläutern die Vorteile der Europäischen Union (EU) für die Wirtschaft. Wobei Kappelhoff betont, dass „Frieden ein viel wichtigerer Punkt ist“.

Diese Auffassung vertritt auch Laers Bürgermeister Peter Maier: „Über 70 Jahre Frieden ist ein unschätzbares Gut. Wir brauchen Europa als vierte Macht zu China, Russland und den USA.“ Er fordert die Jugendlichen auf, an Europa zu glauben. Es aber auch zu kritisieren.

Für Matthias Kappelhoff ist der drohende Brexit ein mahnendes Beispiel für die Jugend, sich selbst zu engagieren. „In Großbritannien sind viele Leute gar nicht zur Wahl gegangen. Sie waren desinteressiert. Man muss sein Schicksal selbst anpacken“, so der geschäftsführende Gesellschafter von Axa.

Durch den geplanten Brexit selbst sei in der Wirtschaft zwar eine „allgemeine Verunsicherung“ aufgetreten, „aber Großbritannien ist ja nicht weg. Es existiert immer noch.“ Kappelhoff geht genauso wie Rüdiger Sasse davon aus, dass nach dem EU-Austritt eine Lösung auf Basis des Verhältnisses der Europäischen Union zur Schweiz und zu Norwegen gefunden wird.

„Nichts wird so heiß gegessen, wie es gekocht wird“, sagt Rüdiger Sasse. Auch Wiljo Krechting ist überzeugt, dass das „UK-Geschäft nicht sterben wird. Der Brexit ist vor allem ein Problem von Großbritannien.“

Alle Redner heben die Vorteile des freien Waren- und Dienstleistungsverkehrs, der Reisefreiheit und Arbeitsplatzfreiheit hervor. Wiljo Krechting, Pressesprecher der Shopware AG, schildert den Fall eines Mitarbeiters aus Argentinien. Rund ein Jahr dauerte es, bis sämtliche Unterlagen für dessen Arbeitspapiere vorlagen. Die freie Arbeitsplatzwahl innerhalb der EU sei „sehr wichtig, wenn es um Akquise von Mitarbeitern geht.“

Und dabei bekommt Englisch als Sprache eine zentrale Bedeutung. Die nimmt auch in den Betrieben eine immer wichtigere Rolle ein, so die Firmenvertreter. Bei Shopware „ist sie teilweise schon Unternehmenssprache“, so Krechting.

Deshalb werben alle Podiumsgäste dafür, Englisch zu lernen und angebotene Auslandsaufenthalte wahrzunehmen. Matthias Kappelhoff ermuntert die Schüler gar, wenn sie 18 Jahre sind, mit dem Interrail-Ticket per Zug durch Europa zu fahren. Für Krechting lebt die Idee von Europa „von Kontakten untereinander“. Der interkulturelle Austausch sei wichtig.

► Während des Projekttags beschäftigten sich alle Sekundarschüler mit unterschiedlichen Europathemen. Insgesamt hatte die Gruppe 24 Themen vorbereitet.

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