Friedensherde: Ingrid Hagen hat nicht nur positive Erfahrungen gemacht
Mehr mit Jugendlichen reden

Schöppingen -

Ingrid Hagen hat das Gefühl, mit ihren 150 Lämmern in Schöppingen mitten in einem Hummelnest gelandet zu sein. Und dort geht es zuweilen sehr lebhaft zu.

Dienstag, 16.04.2019, 07:00 Uhr
Die 150 Lämmer der Friedensherde stehen noch bis Karsamstag auf der Wiese am Jugendheim.
Die 150 Lämmer der Friedensherde stehen noch bis Karsamstag auf der Wiese am Jugendheim. Foto: Rupert Joemann

Einige Lämmer hätten sich im Stadtpark oder in Nachbars Garten wiedergefunden, so Hagen. Ein Lamm wurde gar im Bus nach Münster mitgenommen. „Das ist aber wiedergebracht worden“, sagt Ingrid Hagen. Für andere Lämmer ging es nicht so friedlich aus.

Ein Kindergarten, zwei Schulen und zwei Schulwege liegen in unmittelbarer Nähe des Jugendheims Haltestelle, wo die Herde seit gut drei Wochen tagsüber steht. Gerade einzelne Schüler hätten Unruhe gebracht, so die Metelenerin.

Hagen suchte den Kontakt zu den Schulen und sprach mit Schülern. „Je mehr Kontakt ich hatte, um so ruhiger ist es geworden“, betont sie. Mittlerweile herrscht Frieden auf der Wiese. Dritt- und Viertklässler halfen ihr manchmal beim Aufbau mit. „Da brauchte ich keine langen Erklärungen, die fühlten sich als Teil der Aktion.“

Übergabe

Die 150 Lämmer werden am Ostermontag (22. April) um 15.30 Uhr am Jugendheim an ihre Paten übergeben. Einige Exemplare gehen nach Uruguay, Neuseeland, Schweiz und die Niederlande. Dann ist auch die Künstlerin Bertamaria Reetz, die die Schafe entwickelt hat, anwesend.

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Auch mit Achtklässlern der Sekundarschule hat sie das Gespräch gesucht. „Frieden ist kein Selbstzweck, packt euer Leben selbst an“, gab sie den Schülern mit auf den Weg. Der Frieden beginne in einem selbst. „Die Lämmer sind so wie Omas Porzellan oder Kinderseelen – zerbrechlich.“

Gerade die nicht immer positiven Erfahrungen möchte sie nicht missen. Die Erfahrungen bestärken die Metelenerin sogar in ihrer Aktion. Schließlich sollen die Lämmer auch den Kindern und Jugendlichen eine Stimme geben. „Wir müssen mehr mit ihnen reden.“ Vor allem mit den Jugendlichen.

Mit Kindern würde noch mehr gesprochen werden, glaubt Ingrid Hagen. Das sehe bei Jugendlichen aufgrund der Pubertät und normaler Abnabelungsprozesse anders aus. „Kinder und Jugendliche sind Randgruppen. Wir müssen mit ihnen sprechen, nicht über sie.“

Erwachsene müssten den Jüngeren die Freiheit zur eigenen Entwicklung zugestehen. Häufig seien die Erwachsenen aber überheblich. Dabei wollten die Jugendlichen nur „angenommen werden, wie sie sind“.

Ausdrücklich lobt sie die Gäste des Jugendheims Haltestelle: „Vom ersten Tag an haben sie mir den Rücken gestärkt. Sie haben mir geholfen, Ruhe reinzubringen.“ Ingrid Hagen sieht das Jugendheim als wichtige Anlaufstelle, in der noch mit den Mädchen und Jungen gesprochen werde.

Sie habe eine positive Resonanz auf die Herde der Friedenslämmer erfahren, so Ingrid Hagen. „Ich bin zufrieden mit dem, was ich erleben durfte. Wenn ich nur in einigen Köpfen etwas bewirken konnte, habe ich mein Ziel erreicht.“

Am Gründonnerstag findet nach dem Einholen der 150 Lämmer um 18 Uhr in der Haltestelle eine öffentliche Veranstaltung statt. Bei einem gemeinsamen Essen im Jugendheim will Ingrid Hagen Dankeschön sagen und noch einmal über das Projekt sprechen.

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