Paten gesucht
Bauer wandelt Land in Blühwiesen

Schöppingen -

Landwirt Andreas Schulze Gemen wagt einen besonderen Vorstoß: Er bietet Interessierten an, ein Stück Ackerfläche in Blühwiese umzuwandeln – für einen Euro pro Quadratmeter und Jahr. Und bei der einfachen Saat soll es nicht bleiben.

Mittwoch, 17.04.2019, 06:00 Uhr
Während Bauer Andreas Schulze Gemen (l.) die Blumenwiese säen will, möchte Imker Antonius Schulze Beikel Bienenstöcke aufstellen, die später Honig liefern sollen.
Während Bauer Andreas Schulze Gemen (l.) die Blumenwiese säen will, möchte Imker Antonius Schulze Beikel Bienenstöcke aufstellen, die später Honig liefern sollen. Foto: privat

Andreas Schulze Gemen will den Menschen die Natur näherbringen. Deshalb bietet der Landwirt nun jedem Interessierten an, ein Stück Ackerfläche in Blühwiese umzuwandeln – für einen Euro pro Quadratmeter und Jahr.

„Ich möchte den Leuten die Zusammenhänge erklären“, sagt der Gemener. Bei der einfachen Saat soll es nicht bleiben. Der Legdener Imker Antonius Schulze Beikel wird Bienenstöcke aufstellen. Auch ist angedacht, Kurse für Imker abzuhalten. Den Honig möchte er unter anderem an die Paten abgeben, die auch ein Zertifikat erhalten.

Schulze Gemen überlegt zudem, den Hegering mit ins Boot zu holen. Mithilfe dessen Waldschule sollen Schülerinnen und Schüler die heimischen Vögel besser kennenlernen. Zudem will er Führungen anbieten, um die Menschen zu informieren. Das Projekt sieht Andreas Schulze Gemen als eine Art Öffentlichkeitsarbeit an.

Wichtig ist ihm dabei der soziale Aspekt. So möchte er Kindergärten und Grundschulen kleinere Flächen kostenlos zur Verfügung stellen. Der Gemener Kindergarten habe sich schon sehr interessiert gezeigt, so der Bauer.

Gesät werden sollen einjährige Mischungen, da die nach Auskunft von Schulze Gemen mehr Blüten trügen. Die Pflanzen sollen im Herbst und Winter stehen bleiben, um Insekten noch als Rückzugsort zu dienen. Erst im kommenden Frühjahr würden die abgestorbenen Reste untergepflügt.

„Wenn die Bevölkerung das gerne möchte, dann muss sie uns dabei unterstützen“, sagt der Gemener. Damit bezieht er sich auf die lauter werdende Forderung von Konsumenten nach einer veränderten Landwirtschaft.

Andreas Schulze Gemen macht deutlich, dass auch er von seinem Grund und Boden leben muss. Deshalb sei aus seiner Sicht der Preis von einem Euro je Quadratmeter erforderlich. „Ich muss betriebswirtschaftlich denken.“

Neben dem Wegfall als landwirtschaftliche Fläche kämen auch Kosten auf ihn zu. So müsse er die Gülle, die er sonst auf dem Acker hätte ausbringen können, woanders entsorgen. Zudem könne er keine zweite Frucht ausbringen, so Schulze Gemen. Hinzu kämen unter anderem Kosten für das Saatgut, die Werbeagentur und die Internetseite. Dazu müsste noch die Arbeitszeit gerechnet werden.

Die Paten können sich entscheiden, ob sie 50, 100, 200 Quadratmeter oder mehr umwandeln möchten. Auch Firmen können Paten mit Flächengrößen nach eigenen Wünschen werden. Andreas Schulze Gemen hofft auch auf Interessenten aus der Nachbarschaft und dem Ruhrgebiet. Die möglichen Flächen hat er so ausgewählt, dass sie ortsnah liegen und gut zu erreichen sind. So soll die Wildblumenwiese Naturfreunde gerade am Wochenende anziehen.

„Ich kann nicht tatenlos zusehen beim Bienensterben, sondern muss jetzt etwas dagegen tun“, so Andreas Schulze Gemen. Mit seiner Aktion möchte er auch anderen die Möglichkeit geben, sich zu engagieren.

Kommentar: Landwirtschaft sucht neue Wege

-Von Rupert Joemann- Die Diskussion über die Art der landwirtschaftlichen Nutzung in unserer Region nimmt immer mehr Fahrt auf. Die Stimmen werden lauter, die Veränderungen fordern. Unter anderem die hohen Nitratwerte im Wasser und der recht hohe Anteil am Mais an der Anbaufläche sorgen für Ärger.Ein weiteres Thema ist die Biodiversität. Dabei gewinnt man den Eindruck, hier liege der Fokus fast ausschließlich auf Blühstreifen und -wiesen, um Bienen zu retten. Die Bienen als alles selig machende Insekten.Laut UN-Definition geht es bei der Biodiversität insgesamt um die genetische Vielfalt. Für Greenpeace umfasst Biodiversität die Vielfalt der Ökosysteme, die Vielfalt der Arten und die genetische Vielfalt innerhalb der Arten.Andreas Schulze Gemen macht jetzt einen ungewöhnlichen Schritt. Er bietet an, Ackerflächen in Blühwiesen umzuwandeln. Die Größe der Gesamtfläche lässt er offen. Er möchte sich am Interesse der Menschen orientieren.Damit macht sich der Landwirt sicher nicht bei allen Kollegen beliebt. Ackerflächen sind ein kostbares Gut. Die steigenden Pachtpreise sind ein Beleg.Der Vorstoß von Andreas Schulze Gemen ist aber auch ein Indiz, dass ein Umdenken bei den Bauern stattfindet. „Ich kann nicht tatenlos zusehen beim Bienensterben, sondern muss jetzt etwas dagegen tun“, so Schulze Gemen.Mit professioneller Hilfe einer Werbeagentur geht der Bauer aktiv in die Vermarktung von Blühwiesen. Schulze Gemen will, neben dem Fördern des Artenschutzes, auch eine neue Einnahmequelle entwickeln. In dieser konsequenten Form ist das ein neuer Ansatz in der Region. Es zeigt: Die Landwirtschaft sucht neue Wege-

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