Unterwegs zu besonderen Orten
Auf Spurensuche im „Gelben Elend“

Schöppingen -

Gedenkstätten sind keine Orte, an denen das Unbeschwerte im Mittelpunkt steht. Aber die ersten Themen waren von den Schöppinger Jugendlichen und ihren Begleitern auch gewünscht worden. Und dennoch kamen auch die schönen Orte bei der besonderen Reise, die sie jetzt beendet haben, nicht zu kurz.

Montag, 05.08.2019, 08:33 Uhr aktualisiert: 05.08.2019, 08:40 Uhr
Die Gedenkstätte Theresienstadt gehörte zu den verschiedenen Orten der Erinnerung, die ihm Rahmen der Tour von den Teilnehmern besucht wurden.
Die Gedenkstätte Theresienstadt gehörte zu den verschiedenen Orten der Erinnerung, die ihm Rahmen der Tour von den Teilnehmern besucht wurden. Foto: privat

Nach den beiden Gedenkstättenfahrten in den Jahren 2017 und 2018 in Berlin und Hamburg folgte jetzt die Fahrt nach Dresden im Bundesland Sachsen und nach Prag. Die Chance nutzten die 16 Jugendlichen mit Begleitern aus Schöppingen, um auch außerhalb Deutschlands die faschistische Vergangenheit aufzuarbeiten.

„In Dresden und Bautzen haben wir in den ersten drei Tagen den Opfern gedacht“, beschreibt Rainer Scharmann den Reiseverlauf. „Wir haben uns beispielsweise in der Dresdener Gedenkstätte am Münchener Platz auf den Spuren eines ehemaligen Häftlings in der Zeit von 1944 bis 1945 begeben.“

In der Haftanstalt Bautzen, das auch im Volksmund wegen der Fassadenfarbe „Gelbes Elend“ genannt wird, wurde der Gruppe aufgezeigt, wie politische Gegner unter unmenschlichen Bedingungen gehalten wurden. Die Leiden der Opfer und die politisch historischen Zusammenhänge in der NS-Zeit und auch unter der SED-Zeit wurden deutlich. Im Original erhaltene Arrestzellen, den Isolationstrakt und die Freigangshöfe sahen und erlebten die Teilnehmer.

„In einem dreieinhalbstündigen pädagogischen Seminar haben wir über das Heimtückengesetz der Nazis gesprochen“, verweist Scharmann auf einen weiteren Programmpunkt. „Es wurde erlassen, um Vertrauen bei der Bevölkerung zu erzwingen, um keinen Schaden an das Regime und dem Staat zuzulassen, um Gehorsam zu erzwingen und die Meinungsfreiheit abzuschaffen.“ Die pure Gewalt wurde demnach von den Nazis so exzessiv ausgelebt, um die Hitler- Herrschaft nicht zu gefährden. „Die Nazis hatten auch Angst davor, erkannt zu werden, dass sie als unmenschlich und charakterlos, und barbarisch enttarnt wurden. Deshalb sollte der Bevölkerung keine Atempause gewährt werden“, heißt es weiter in dem Reisebericht.

In einem weiteren Teil beschäftigten sich die Teilnehmer mit den damaligen Witzen gegen das Regime, die Hitler als Verrückten abstempelten, die Hitler und Göring als Verbrecher bezeichneten, die Hitler als Schuldigen für Not und Hunger anklagten. Diese Art von Humor wurde mit dem Tod bestraft.

„In unserem Nachbarland Tschechien und in der Hauptstadt Prag, im jüdischen Viertel, der jüdischen Gemeinschaft, den verschiedenen Synagogen und der Gedenkstätte des ehemaligen Gefängnisses Theresienstadt, setzten wir uns mit weiteren Themen auseinander“, verweist Rainer Scharmann auf einen weiteren Schwerpunkt. „Auch diese Rundgänge mit pädagogischen Führungen zielten bei uns Schöppinger Teilnehmer auf die heutigen Gefährdungen unserer demokratischen Grundwerte.“

Eine pädagogische Fortbildung stand in der Gedenkstätte Bautzen auf dem Programm.

Eine pädagogische Fortbildung stand in der Gedenkstätte Bautzen auf dem Programm.

Die Gedenkstättenorte Dresden, Bautzen, Prag und Theresienstadt gelten, so bilanzierten die Teilnehmer, für sie als Orte der Trauer, des Gedenkens, der Dokumentation, Information, Aufklärung, des Nachdenkens. „Vor allem sind diese Orte für uns, Nährboden für Auseinandersetzungen mit Menschenrechten, den Mechanismen der Ausgrenzung und Abwertung von Menschen sowie Gesprächsstoff zum Thema Demokratie.“

Neben den Bildungsangeboten hatten die Schöppinger Teenager mit ihren Begleitern zudem ein lebendiges und abenteuerliches Kontrastprogramm. Dazu gehörte eine Elbe-Adventure-Boot-Rafting-Tour, eine Wandertour zur Festung Königstein oder auch die Besichtigung des Prager Burgviertels sowie ein internationales Jazz-Festival und ein Theaterstück auf der Felsbühne Raten mit dem Titel „Das Geheimnis der Hebamme.“

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