Videokünstler Philipp Geist arbeitete schon unter anderem in Bangkok, Rio de Janeiro und Prag
Schöppinger Lichtkunst-Nacht mit großem Namen

Schöppingen -

Wer Christus kann, der kann auch das Alte Rathaus. Videokünstler Philipp Geist hat schon die weltberühmte Christusstatue in Rio de Janeiro für eine seiner Projektionen genutzt. Am 7. September (Samstag) setzt der Berliner nach Einbruch der Dunkelheit das historische Gebäude im Ortskern in Szene.

Freitag, 23.08.2019, 19:30 Uhr aktualisiert: 25.08.2019, 17:58 Uhr
Der Videokünstler Philipp Geist reiste eigens am Mittwoch aus Berlin an, um Fotos vom Alten Rathaus zu machen und sich einen Eindruck von der Atmosphäre zu verschaffen.
Der Videokünstler Philipp Geist reiste eigens am Mittwoch aus Berlin an, um Fotos vom Alten Rathaus zu machen und sich einen Eindruck von der Atmosphäre zu verschaffen. Foto: Rupert Joemann

Einen Eindruck vom Alten Rathaus hat sich der 43-Jährige am Mittwoch verschafft. Er war eigens aus der Hauptstadt mit dem Zug angereist, „um den Ort kennenzulernen. Jeder Ort hat den gleichen Stellenwert für mich“, sagte Philipp Geist . Er gehe jedes Projekt mit der gleichen Ernsthaftigkeit an. „Egal ob es ein Miniort ist oder ein großes Gebäude.“

Das kleinste Gebäude, das er für seine Kunst genutzt hat, war das Pförtnerhäuschen am Tempelhofer Feld in Berlin. Unter die Kategorie „Großes Gebäude“ zählt wohl der Königspalast in der thailändischen Hauptstadt Bangkok.

Projektion am Königspalast in Bangkok

Dabei bezog sich seine damalige Projektion auch auf das Leben des Königs. Einige Millionen Besucher schauten sich die Lichtprojektion an. „Die Menschen haben den König verehrt“, erzählt der Berliner. Ein Fehler wäre ihm übelgenommen worden. Doch es klappte alles reibungslos. Besonders aufpassen musste Geist bei der Farbauswahl. In Thailand stehe jede Farbe für etwas. „Ich musste schauen, welche Farbkombinationen nicht gehen.“ Ansonsten habe er dort frei arbeiten können.

Eine besondere Herausforderung war auch die Arbeit in Rio de Janeiro. Erst drei Tage vorher erhielt Philipp Geist die Genehmigung. In seine Arbeit integrierte der Künstler auch Menschen in Armenvierteln. Die Arbeit am Zuckerhut bezeichnet er selbst „als einen der schönsten Momente“.

Die Menschen mit Licht erreichen

„Mit dem Thema Licht kann man gut die Menschen erreichen und die Orte entwickeln.“ Dass er dafür ein besonderes Händchen hat, hat sich national und international herumgesprochen. Anlässlich des 25. Jahrestags des Mauerfalls hat er in der deutschen Botschaft in Prag eine Projektion erstellt. Jenem geschichtsträchtigen Ort, an dem Außenminister Hans-Dietrich Genscher am 30. September 1989 rund 5000 DDR-Bürgern mitteilte, dass sie in die Bundesrepublik ausreisen dürften.

Dorf als Kunstmeile

Anlässlich der Feier zum 30-jährigen Bestehen der Stiftung Künstlerdorf wird die Lichtkunst-Nacht am 7. September (Samstag) um mehrere Klangkunst-Projekte erweitert.So werkelt zum Beispiel derzeit die Künstlerdorf-Stipendiatin Dohi Moon an einer Arbeit, bei der sie Mikroelektronik und koreanisches Tanztheater verbindet. Moon möchte mit dem Keyboard-Spielen die Puppen aus Alltagsmaterialien tanzen lassen.

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Mir gefallen historische Gebäude. Sie bilden einen Kontrast zu modernen digitalen Projektionen.

Philipp Geist, Videokünstler
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Insgesamt 21 Künstler oder Künstler-Paare haben ihr Kommen zugesagt. Einige werden an festen Standorten in der Ortsmitte ihre Projekte zeigen, andere nutzen dafür wechselnde Standorte. Wegen der Jubiläumsfeier am 7. September findet die Lichtkunst-Nacht nicht einen Tag vor dem Apfelfest statt, sondern wurde um eine Woche vorverlegt.

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Jetzt folgt Schöppingen. „Das Rathaus ist ein schönes Gebäude“, sagte Philipp Geist. Nach einem kurzen Aufenthalt in der Vechtegemeinde fuhr er wieder zurück. Er wolle die Eindrücke erst einmal sacken lassen. Anschließend werde er noch recherchieren. Dr. Josef Spiegel, Geschäftsführer des Künstlerdorfs, hatte dem Videokünstler auch historische Aufnahmen des Alten Rathauses gezeigt.

Keine Software für digitale Projektionen

„Mir gefallen historische Gebäude. Sie bilden einen Kontrast zu modernen digitalen Projektionen.“ Bei der Umsetzung arbeitet Philipp Geist stets ortsspezifisch. So will es der 43-Jährige auch dieses Mal halten.

Sein erstes Projekt hat er 2005 umgesetzt. „Damals gab es noch keine Software dafür“, sagte Geist. Seitdem hat er sich immer weiterentwickelt. Wichtig ist ihm dabei, nicht nur schöne Bilder zu bieten, sondern eine Aussage zu transportieren. „Bilder bleiben eher im Gedächtnis haften. Sie sind nicht flüchtig.“

Erste Ausstellung im Wald

Künstlerisch begonnen hat er ganz traditionell mit dem Malen. Doch schon als Heranwachsender liebte er außergewöhnliche Orte. Für seine erste Ausstellung großformatiger Bilder wählte er in Bayern einen Wald.

Später erstellte Philipp Geist audio-visuelle Konzepte für Konzerte. Es war der Einstieg in die Videokunst.

Dass der Berliner am 7. September nach Schöppingen kommt, geht auf die Initiative von Josef Spiegel zurück. Vor Mittwoch kannten sich beide nicht persönlich. Beide haben jedoch gleiche Bekannte, das war der Anknüpfungspunkt.

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