Apokalypse Münsterland
Für das Überleben der Kultur

Schöppingen -

Auf den Spuren einer Mammutherde wandern? Digital in eine antike Puppenstube eintauchen? Apokalypse Münsterland und Virtual Reality machen es möglich. Der rollende Ausstellungscontainer machte in Schöppingen Station.

Dienstag, 17.09.2019, 18:00 Uhr aktualisiert: 18.09.2019, 09:56 Uhr
Über eine sogenannte VR-Brille hatten Besucher die Möglichkeit, Museumsexponate in einer neuen Art und Weise zu entdecken.
Über eine sogenannte VR-Brille hatten Besucher die Möglichkeit, Museumsexponate in einer neuen Art und Weise zu entdecken. Foto: Christiane Nitsche

Gemächlich stapft die Mammutfamilie durchs mannshohe Gras. Eins nach dem anderen ziehen die zotteligen Dickhäuter an mir vorbei: Muttertiere und Kälber, vorne und ganz am Ende jeweils ein stoßzahnbewehrter Bulle. Mutig mache ich einen großen Satz nach vorne, um sie besser sehen zu können. Wobei das mit dem Mut so eine Sache ist, wenn es dazu nur einen Knopfdruck auf dem Cursorstick braucht und die scheinbar so lebendige Herde allein in der virtuellen Realität existiert.

Beim Apfelfest in Schöppingen wurden im Ausstellungscontainer des Münsterland e.V. das Grubenpferd aus dem Westfälischen Pferdemuseum , das analoge Mischpult aus dem Gronauer Rock’n’Popmuseum oder die Ochtruper Puppenstube aus dem Puppen- und Spielzeugmuseum zum Leben erweckt – genau wie 25 weitere Museumsexponate. Darunter das Mammut aus dem Geomuseum der WWU Münster.

Die Vierbeiner aus grauer Vorzeit sind Geschichte und nur noch als Knochenfunde im Museum zu besichtigen. Doch was, wenn es keine Museen mehr gibt? Was, wenn Kulturgüter in einer fernen Zukunft dasselbe Schicksal erleiden wie einst Mammut und Co.? „Apokalypse Münsterland“ heißt das Projekt, das sich dieser Fragen stellt und quasi als vorgezogenen SOS-Ruf aus der Zukunft 28 Kulturgüter aus der Region in die Erfahrungswelt der Zukunft holt – die virtuelle Realität (VR).

Der Andrang war groß beim Apfelfest – Kinder, Erwachsene, auch viele Senioren standen Schlange, um bewaffnet mit VR-Brille und den Sticks, die in der digitalen Welt die Hände ersetzen, auf die besondere Erkundungstour zu gehen. Alle 28 Exponate standen in Form von 3-D-Druck-Darstellungen im rollenden Ausstellungscontainer zur Ansicht. Über einen Chip konnte das Modell der Wahl geladen und anschließend in den bereitstehenden Kabinen „erlebt“ werden.

„Mehr als 95 Prozent der Leute haben zum ersten Mal eine VR-Brille auf“, erklärte Dominik Kissmann im Gespräch mit den Westfälischen Nachrichten. Dabei macht das Alter der Neugierigen keinen Unterschied. „Ich habe heute vom dreieinhalb Jahre alten Kind bis zur 75-jährigen Dame alles hier gehabt“, erzählte der 25-Jährige. Er ist im Rahmen seines Architektur-Masterstudiums an der FH Münster an Ausgestaltung und Programmierung des Projektes beteiligt. „Ich finde es super, ein Projekt umzusetzen, das auch auf die Straße kommt“, sagte er. Er finde es hochspannend, zu erleben, wie Maschinen zum Leben erweckt oder auch Tiere wieder lebendig würden. „Auch Gemälde, die sonst nicht für jeden zugänglich sind, kann man so hautnah erleben“, hat er festgestellt.

„Wir wollen, dass die Leute wieder ins Museum gehen“, erklärte Rieke Köhler vom Münsterland e.V. zur Idee des Projekts, „dass entdeckt wird, welche Vielfalt an Museen wir haben“. Dabei solle die digitale Technik einerseits ein junges Publikum locken, andererseits den Museen neue Wege aufzeigen, ihre Exponate erlebbar zu machen.

So wie die zotteligen Urviecher aus der Eiszeit. „Mammuts sind Fressmaschinen“, sagt eine Stimme durch das Pfeifen des eisigen Steppenwinds hindurch. Und katapultiert damit den virtuellen Besucher zurück in die Realität, wo zwei zehnjährige Mädchen ungeduldig darauf warten, in die virtuelle Puppenstube einzutauchen. Die Apokalypse kann warten.

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