Cyber-Mobbing
Diffamierung durch Beichtseiten

Schöppingen -

Nicht überall, wo beichten drüber steht, geht es auch christlich zu. In der Online-Welt kämpft die Sekundarschule Schöppingen gegen ganz besondere Beicht-Seiten – und das nicht immer erfolgreich.

Montag, 04.11.2019, 08:14 Uhr aktualisiert: 04.11.2019, 14:33 Uhr
Auf Instagram und in anderen sozialen Medien hat das Aufkommen sogenannter Beichtseiten auch zur Sekundarschule Horstmar-Schöppingen verstärkt zugenommen.
Auf Instagram und in anderen sozialen Medien hat das Aufkommen sogenannter Beichtseiten auch zur Sekundarschule Horstmar-Schöppingen verstärkt zugenommen. Foto: Sekundarschule

In den sozialen Medien haben sogenannte Beichtseiten Hochkonjunktur. Dabei handelt es sich nicht um das digitale Eingestehen seiner Sünden beim Priester mit anschließender Absolution. Vielmehr sind solche Seiten Plattformen, auf denen Schüler ihre Geheimnisse preisgeben, die der Administrator anonymisiert ins Netz stellt. Das können unverfängliche Dinge bis hin zu rechtsradikale oder pornografische Statements sein.

An der Sekundarschule Horstmar-Schöppingen sind solche Fälle bekannt und sie geht entschieden wie umgehend dagegen vor. Eine große Handhabe dagegen gebe es aber kaum, so Schulleiter Hubertus Drude : „Es gibt keine Chance, die betreffende Seite aus dem Netz zu bekommen.“

Missbrauch von Schul-Logo

Das Leitungsteam, informatikaffine Lehrer und er haben es versucht, doch sie scheitern immer wieder an bestimmten Grenzen. Eine Mutter habe sich in den Herbstferien bei der Schulleitung gemeldet und darauf hingewiesen, dass ihre Tochter auf einer Beichtseite Opfer diffamierender Äußerungen gewesen sei. Besagte Seite nutzte das offizielle Logo der Schule, suggerierte dadurch auch einen offiziellen Charakter.

Auf Reaktion der Schulleitung wurde der entsprechende Post gelöscht, ebenfalls das Logo. Die Seite ist ebenfalls nicht mehr im Netz. Eher eine Ausnahme, dass es so schnell und unkompliziert geklappt hat. „Wir müssen und möchten schnell handeln, ansonsten zieht die Sache immer größere Kreise. Um dagegen anzugehen, müssen wir allerdings auch 365 Tage im Jahr online sein“, erklärt Hubertus Drude. Er betont, dass es kein Problem mit dem Schulfrieden gebe. Der Reiz sei eben groß, diesen Weg auszuprobieren.

In der Regel werden keine Klarnamen genutzt. Anonym sind die Nutzer deswegen aber nur auf dem ersten Blick. IP-Adressen werden gespeichert und sind im Fall einer Strafanzeige durch die Polizei abfragbar. Der Administrator der Seite ist über die Inhalte verantwortlich. Auch einem beispielsweise 13-jährigen, strafunmündigen Betreiber können schulische Konsequenzen und zivilrechtliche Ansprüche auf Schmerzensgeld oder Schadensersatz drohen.

Digitale Aufklärung

Die Sekundarschule betreibe in vielen Bereichen digitale Aufklärung. „Wir möchten aber auch bei den Eltern eine Sensibilität schaffen, so dass sie in dieser Hinsicht besser auf ihre Kinder aufpassen“, sagt Hubertus Drude. In der Klasse sechs werde aktuell das Thema Cyber-Mobbing angegangen. Um diesem Phänomen Herr zu werden, könnte ein Smartphoneverbot auf dem Schulgelände helfen.

Die Schule hat sich dagegen entschieden, im Gegenteil: Das „normales Alltagsinstrument“ kann das eigene Schul-Wlan-Netz nutzen. „Wir glauben, das ist der richtige Weg“, sagt der Schulleiter. Zudem erscheinen die Inhalte auf den Beichtseiten in der Regel nachts, also außerhalb der Schulzeit.

Werden gewisse Spielregeln befolgt, können Beichtseiten auch Spaß machen, wenn es sich beispielsweise um lustige Zitate aus dem Unterricht handelt. Dies werde von der Sekundarschule auch geduldet. Bei Gerüchten, Lügen oder Mobbing hört besagter Spaß jedoch schnell auf.

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