Brictius-Woche: Dr. Marc Röbel referiert über moderne Technik in der christlichen Welt
Svenny, leg dein Handy weg

Eggerode -

Einen sehr aktuellen Vortrag im Rahmen der Brictius-Woche erlebten die Zuhörer am Dienstag im Hotel Winter. Pfarrer Dr. Marc Röbel, Direktor der Katholischen Akademie Stapelfeld, hatte zu der Frage „Was bedeuten technische Errungenschaften heute in der christlichen Welt?“ einen Vortrag konzipiert. Der Titel lautete „Svenny, leg doch mal dein Handy weg . . .“

Mittwoch, 13.11.2019, 17:02 Uhr aktualisiert: 14.11.2019, 17:36 Uhr
Mit einem kleinen Geschenk dankte Pfarrer Thomas Diedershagen (r.) dem Referenten Dr. Marc Röbel.
Mit einem kleinen Geschenk dankte Pfarrer Thomas Diedershagen (r.) dem Referenten Dr. Marc Röbel. Foto: Alfons Körbel

In der jungen Generation bestehe eine tiefe Sehnsucht, miteinander verbunden zu sein. Diese Verbindung komme aber nur zustande, wenn man das „Passwort“ zu sich selbst, zu seinem eigenen Inneren, finde. Dieses „Passwort“ stehe zwischen den Zeilen und äußere sich unter anderem zum Beispiel im Gebet, wenn „ich ruhig und hellhörig werde und mir selber nicht im Weg stehe“.

Als digitale Aufmerksamkeitsräuber, so Röbel , erweise sich, wenn Kinder überwiegend die Wirklichkeit nur zweidimensional an Bildschirmen wahrnehmen. Das Ausführen zweier oder mehrerer Aufgaben zur selben Zeit (Multitasking) mache Aufmerksamkeitskompetenz kaputt, so Röbel. Diese könne in der Meditation gelernt werden.

Druck kann krank machen

Selbstbespiegelung durch die „Selfie-Kultur“ verbaue Kommunikation und den Weg zum anderen, so Pfarrer Röbel. Dazu komme, dass der Druck, der aus der perfekten, digitalen Oberfläche entstehe, ein Irrtum sei und krank machen könne.

„Unser Modell ist Gemeinsamkeit, angelegt auf reale Erfahrungen, die dreidimensional sind, Übungsfelder in wirklicher Begegnung“, sagte Marc Röbel. Eine innere Antenne helfe, auf Empfang zu bleiben. Die digitale Vernetzung hingegen fördere das Einsamkeitssyndrom. „Dagegen hilft die christliche Spiritualität“, sagte Röbel. Gott sei Kommunikation und „will den Weg zum anderen Menschen“.

Aus Sicht der Philosophin Simone Weil bestehe die Gefahr einer entwurzelten Welt, so Röbel. In einer entwurzelten, entzauberten Welt sei kein Raum mehr für das Mystische. Weil spreche von zwei zerstörerischen Giften: das Geld, das zu der Mentalität „Es muss sich alles rechnen“ verführe, und ein Bildungssystem, das berechnend mit der Wirklichkeit spiele. „Die Welt bedarf der Einwurzelung, die Simone Weil im Christentum findet“, sagte Röbel.

Schlüssel in der Bibel

Schlüssel hierzu liefere zum Beispiel die Bergpredigt. Gott lasse sich im Menschen neben einem finden, „der immer auch das Bild Gottes spiegelt, auch in seiner Bedürftigkeit“.

Simone Weil findet den Schlüssel auch in der Botschaft von Assisi. Sie legt den Fokus auch auf die Aufmerksamkeit, wach zu bleiben, präsent im Hier und Jetzt und sich nicht von den eigenen Problemen vollkommen dominieren zu lassen.

Der Philosoph Peter Wust sieht als Zauberschlüssel hierfür das Gebet: „Es macht still, macht kindlich, macht objektiv.“ Für die Probleme, die aus einer lauten, schnellen Kultur erwachsen, hat der Neurologe Speckmann den Begriff des „reversiblen Hirntods“ geprägt. Den könne man aber durch geistliche „Mutanfälle“ des Glaubens überwinden, so Röbel.

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