Pfarrer Christoph Backhaus spricht während der Feier zum Volkstrauertag
Kein Krieg ist zwangsläufig

Schöppingen -

Neue Spielräume gegen Gewalt öffnen, dazu forderte Pfarrer Christoph Backhaus am Sonntag während seiner Rede anlässlich des Volkstrauertags auf dem Kirchplatz auf.

Sonntag, 17.11.2019, 19:30 Uhr aktualisiert: 18.11.2019, 17:30 Uhr
Pfarrer Christoph Backhaus hielt auf dem Kirchplatz die Festrede. Er forderte die Gäste zu mehr Fantasie auf, um aus der Spirale der Gewalt herauszufinden.
Pfarrer Christoph Backhaus hielt auf dem Kirchplatz die Festrede. Er forderte die Gäste zu mehr Fantasie auf, um aus der Spirale der Gewalt herauszufinden. Foto: Alfons Körbel

Am Volkstrauertag werde der Opfer von Krieg und Gewalt gedacht, besonders derer, die in zwei Weltkriegen ihr Leben gelassen hätten, so Backhaus . „Zu ihrer Zeit hatten sie so gut wie keine Spielräume“, sagte der Geistliche. Die Konsequenz der Gewalt führte damals zielstrebig in die Katastrophe. „Aber wir Heutigen, wir haben Spielräume.“ Die Menschen hätten Chancen, Möglichkeiten zur Fantasie, Deeskalation, zur Nachhaltigkeit, wenn es um Gewalt geht.“

Das sei eine Botschaft aus dem Leben Jesu. Christoph Backhaus, Pfarrer der katholischen Kirchengemeinde St. Brictius, erzählte von Jesus‘ Erfahrungen. Die Stadt Sephoris, nur zehn Kilometer von Nazareth entfernt gelegen, wurde von den Römern nach einem Aufstand niedergebrannt. General Varus ließ den Aufstand blutig niederschlagen.

„Damals musste sich Jesus gefragt haben: Wie soll ich einer Übermacht von Gewalt wie der römischen begegnen?“, fragte Christoph Backhaus. Wahrscheinlich hätte der damals etwa 14-jährige Jesus schon seine Thesen entwickelt, die später den Weg in die Evangelien fanden: Wenn dich einer auf die linke Wange schlägt, dann halte ihm auch die andere hin. Oder: Wenn dich einer zwingt, eine Meile mit ihm zu gehen, so gehe zwei mit ihm.

„Das ist keine blauäugige Schicksalsergebenheit, sondern eine höchst intelligente Art, Gewalt zu begegnen. Verblüffe den anderen durch eine völlig andere Art, als er von dir erwartet, ja, als er dir aufzwingen will“, sagte Backhaus. Es gehe darum, die Fantasie zu nutzen.

Backhaus erzählte von dem Recht der Römer, jeden Einwohner dazu zwingen zu dürfen, eine Meile das Gepäck des Soldaten tragen zu müssen. „Du schäumst vor Wut. Und nach einer Meile würdest du sagen: Ich trage deinen Rucksack noch eine Meile.“ Wahrscheinlich würde jeder Römer lachen, so der Pfarrer. Im besten Falle würde der Soldat aber nachdenklich. Und das sei besser als Blutvergießen. „Es würde neue Spielräume öffnen . . .“

Seiner Auffassung nach gelte es, diese Spielräume zu nutzen, „im Großen wie im ganz banalen, persönlichen Alltag“. Kein Krieg, kein Konflikt sei zwangsläufig, unausweichlich wie ein Unwetter. „Der Krieg ist von Menschen gemacht und irgendwann auch gewollt – oder eben nicht“, betonte Backhaus. Diese Spielräume zu nutzen, sei man den Opfern der beiden Weltkriege schuldig.

Nachdem Pfarrer Christoph Backhaus zu den Gästen gesprochen hatten, wandten sich auch einige Schülerinnen der Sekundarschule mit einem Vortrag an die Gäste. Zudem legten Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr Schöppingen einen Kranz am Ehrenmal nieder.

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