Youtube-Video
Schöppinger Kirchengemeinde dreht geistlichen Impuls

Schöppingen -

An jedem Filmset würden sie sich über solche Schauspieler freuen. Ohne Versprecher tragen Pfarrer Thomas Diedershagen und Pastoralreferentin Stefanie Eißing ihre Reden vor. Nur einmal ist das bei den Dreharbeiten für das Youtube-Video anders.

Samstag, 04.04.2020, 14:00 Uhr
Pastoralreferentin Stefanie Eißing hat sich auf die Stufen zum Altarraum gesetzt, um näher an den Figuren vor dem Altar zu sein. Mit Kameramann Uwe van de Loo schaut sie sich die Szene auf dem Smartphone an.
Pastoralreferentin Stefanie Eißing hat sich auf die Stufen zum Altarraum gesetzt, um näher an den Figuren vor dem Altar zu sein. Mit Kameramann Uwe van de Loo schaut sie sich die Szene auf dem Smartphone an. Foto: Rupert Joemann

An jedem Filmset würden sie sich über solche Schauspieler freuen. Ohne Versprecher tragen Pfarrer Thomas Diedershagen und Pastoralreferentin Stefanie Eißing ihre Reden vor.

Nur einmal, als die Tür der St.-Brictius-Kirche laut zuschlägt, weil ein Mann die Kirche betritt, kommt Diedershagen aus dem Konzept. „Das bringt einen raus“, sagt der Pfarrer. Die beiden drehen mit dem Eggeroder Küster Uwe van de Loo als Kameramann einen Impuls zum Palmsonntag, der am heutigen Samstag ab 16 Uhr auf der Videoplattform Youtube zu sehen ist.

Dass die Szenen trotz des guten sprachlichen Vortrags mehrmals gedreht werden müssen, hat andere Gründe. Als Stefanie Eißing zum Beispiel gerade etwas vorliest, rast ein Motorradfahrer über die Hauptstraße. Das ist deutlich im Hintergrund zu hören. Das wollen die drei so nicht ins Internet stellen.

Auch ist die Pastoralreferentin nicht glücklich, dass ihre Stimme nicht mehr gut zu hören ist, als van de Loo, der die Szenen mit seinem Smartphone filmt, einen Kameraschwenk von Eißing auf die Figuren vor dem Altar macht. „Das wird schwierig“, meint die Pastoralreferentin. Also noch einmal drehen.

Pfarrer Thomas Diedershagen sitzt in der ersten Besucherbank

„Was ist, wenn du dich hinsetzt?“, fragt Küster Andreas Kortüm die Pastoralreferentin. Sein Gedanke dahinter: Sitzt Eißing näher an den Figuren, fällt der Schwenk nicht so stark aus und sie ist besser zu hören. Ein guter Vorschlag finden die anderen. Also setzt sich Stefanie Eißing auf die Stufen zum Altarraum.

Sie möchte die Geschichte „Der König kommt“ vorlesen. Doch einfach den losen Zettel in der Hand zu halten, passt ihr nicht. „Ich hole das Evangeliar“, sagt die Pastoralreferentin und verschwindet kurz in die Sakristei. Anschließend legt sie den Zettel in das Buch. Dann beginnt sie mit dem Vorlesen.

Pfarrer Thomas Diedershagen sitzt derweil in der ersten Besucherbank. Noch ist er nicht dran. Nachdem Stefanie Eißing und Uwe van der Loo auf dem Smartphone die Filmsequenzen angeschaut und für gut befunden haben, steht Diedershagen auf. Die drei überlegen, wo die nächste Aufnahme gedreht werden soll. Sie möchten einen anderen Hintergrund haben als beim Dreh mit Eißing.

Gesegnete Buchsbaum-Zweige

Gesegnete Buchsbaum-Zweige können am Palmsonntag ab 9 Uhr in den Kirchen abgeholt werden. Wenn Familien selbst geschmückte Palmstöcke gebastelt haben, können diese bis Samstagabend in der St.-Brictius-Kirche auf die Altarstufen gelegt werden. Pfarrer Thomas Diedershagen segnet die Zweige, die am Sonntag von dort wieder abgeholt werden können.

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Andreas Kortüm schlägt das mit Buchsbaumzweigen und einer roten Stola geschmückte Holzkreuz neben dem Altar vor. „Die meisten Schöppinger identifizieren sich an Palmsonntag mit dem Kreuz“, weiß er aus langjähriger Erfahrung. Also stellt sich Thomas Diedershagen neben das Kreuz.

Als der Pfarrer beginnt zu sprechen, unterbricht ihn Uwe van de Loo. Diedershagen hat schon angefangen, als die Kamera noch nicht lief. „Ich nicke und dann fangen Sie an“, sagt der Eggeroder Küster. Thomas Diedershagen nickt lächelnd. Doch bevor es wieder losgeht, unterbricht van de Loo erneut: „Wir müssen die Sakristei-Tür zumachen.“ Gesagt, getan.

Ich nicke und dann fangen Sie an.

Uwe van de Loo

„Die Passion lese ich nicht vor, die ist unendlich lang“, erklärt Thomas Diedershagen. Schließlich soll im Netz nur ein geistlicher Impuls gesendet werden, kein ganzer Gottesdienst. Der Priester legt in freier Rede los. „Wir werden immer besser“, meint Uwe van de Loo schmunzelnd, nachdem die Szene ohne weitere Unterbrechung abgedreht ist.

„Jetzt kommt noch der dritte Akt“, sagt Stefanie Eißing. Die drei diskutieren, mit welchen Worten Diedershagen beginnen soll, ohne dass es einen inhaltlichen Bruch zu den anderen Szenen gibt. „Ich kann auch einen Einleitungssatz vor dem Gebet machen“, schlägt Thomas Diedershagen vor. Die anderen stimmen zu. Es geht los.

Szene muss neu gedreht werden

Nur einmal wird Diedershagen von Eißing und van de Loo unterbrochen. Das typische „die ganze Kirche kommt zusammen“ passt in den Coronavirus-Zeiten und den leeren Kirchen nicht. Diedershagen formuliert bei der nächsten Aufnahme um.

„Die Kamera hat sich verabschiedet“, sagt Uwe van de Loo in der nächsten Pause. Stefanie Eißing korrigiert ihn: „Das ist nur ein Foto.“ Der Kameramann hat die falsche Einstellung gewählt. Die Szene muss noch einmal gedreht werden. „Doppelt gesegnet hält besser“, sagt Eißing mit einem Grinsen im Gesicht. Auch Diedershagen nimmt es mit Humor: „Aller guten Dinge sind drei.“

Video entpuppt sich als Foto

Auch mit nur drei Aufnahmen wären sie am Filmset sicherlich froh.

Die katholische Kirchengemeinde will solche geistlichen Impulse auch für Gründonnerstag (in Eggerode), Karfreitag (Gemen) und die Osternacht (Schöppingen) drehen.

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