Das Haarewaschen ist jetzt zwingend vorgeschrieben
Schöppinger sehnen den Friseurtermin herbei

Schöppingen -

Das Telefon hat bei Carmen Völker zeitweise nicht mehr stillgestanden. 213 Anrufe in nur drei Stunden sind bei der Friseurmeisterin eingegangen. Das hat einen triftigen Grund.

Donnerstag, 30.04.2020, 18:42 Uhr aktualisiert: 30.04.2020, 20:21 Uhr
Die Mundschutzmaske gehört aber der kommenden Woche für Carmen Völker und alle Friseure genauso zur Grundausstattung wie Kamm und Schere.
Die Mundschutzmaske gehört aber der kommenden Woche für Carmen Völker und alle Friseure genauso zur Grundausstattung wie Kamm und Schere. Foto: Rupert Joemann

Sie alle wollten am Dienstag unbedingt einen Termin in Völkers Salon. Nicht nur die Friseurmeisterin freut sich offensichtlich, dass die Friseurgeschäfte nach gut sechs Wochen wieder aufmachen dürfen.

„Ein Kunde hat gleich 44 Mal versucht, telefonisch durchzukommen“, sagt die Schöppingerin. Die Kunden müssen sich dabei auf Neuerungen einstellen, mit denen die Friseurgeschäfte die gesetzlich vorgeschriebenen Hygiene-Bestimmungen erfüllen können. Die Mitglieder der Friseurinnung Westmünsterland der Handwerkskammer haben eine Skizze geschickt bekommen, wie der Abstand zwischen den Friseurstühlen auszusehen hat.

Drei Meter Abstand zwischen den Friseurstühlen

Um jeden Stuhl ist dabei ein 1,50 Meter großer Kreis gezogen. Die einzelnen Kreise dürfen sich nicht überlappen, sodass zwischen den Stühlen drei Meter Abstand sind. Die 30-Jährige war zuvor davon ausgegangen, dass zwischen den Stühlen nur 1,50 Meter Platz sein müssen. So kann sie statt der bisher zehn Plätze lediglich fünf Friseurstühle gleichzeitig belegen.

Neu ist auch, dass jede Friseurin und jeder Friseur seinen festen Platz im Salon hat. Zu Nicht-Corona-Zeiten konnten die Friseure, wenn zum Beispiel bei einer Kundin die Farbe einziehen musste, noch fix einen Herrenschnitt dazwischen schieben. Das ist jetzt vorbei. „Damit soll es bei kurzen Wegen und wenig Kontakten bleiben“, sagt Carmen Völker. So soll das mögliche Corona-Ansteckungsrisiko minimiert werden.

Während andere Salons, die bisher ohne Termine gearbeitet haben, dabei bleiben, stellt Carmen Völker auf eine Terminvergabe für die Kunden um. „Ich habe dabei die Zeiten erst einmal pauschal gemacht“, sagt die Friseurmeisterin. 30 Minuten für einen Herrenschnitt, eine Stunde für Frauen mit Schneiden und Fönen, zwei Stunden, wenn noch das Haarefärben dazukommt und gleich drei Stunden bei Strähnen. Bei dieser streng getakteten Zeitplanung wäre es ärgerlich, wenn Kunden Termine, die sie nicht wahrnehmen können, nicht absagten, so die Schöppingerin. Dann gebe es einen Leerlauf und somit einen Einnahmeausfall.

Ein Kunde hat gleich 44 Mal versucht, telefonisch durchzukommen.

Carmen Völker, Friseurmeisterin

Künftig gleich ist bei allen Kunden, egal ob Frau oder Mann, neben dem Tragen einer Mundschutzmaske das momentan vorgeschriebene Haarewaschen. Das Haarewaschen findet sie eigentlich positiv. Völker: „Wir sind ja auch ein Wellnessbereich.“ Und eine leichte Kopfmassage wirke entspannend.

Corona-Krise beschleunigt Digitalisierung

Im Zuge der Beschränkungen wird nicht nur Carmen Völker die Preise erhöhen. Zum einen kommt das Haarewaschen obligatorisch hinzu, was automatisch – auch bei eigentlich zügigen Herrenschnitten – zu einer längeren Arbeitsphase führt, zum anderen sind ein deutlich höherer logistischer Aufwand und Desinfektionsmittel nötig.

Die Corona-Krise hat bei Carmen Völker zu mehr Digitalisierung geführt. Elektronische Karteikarten über die Kunden und Kurznachrichten zur Anfrage von Terminwünschen sind erst der Anfang. Die entsprechenden Datenschutzerklärungen werden ab nächster Woche aber noch ganz klassisch von Hand ausgefüllt. Genauso wie die Anwesenheitsliste, um mögliche Kontaktketten für die Behörden nachvollziehbar zu machen.

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