Berliner Künstlerpaar illuminiert Weg am Künstlerdorf
Schöppinger Lichtpfad dank regenerativer Energie

Schöppingen -

Aus „Was wäre, wenn . . .“ entstehen Visionen. Oder durch Zufälle. So auch die des Berliner Künstlerpaares Franziska Wicke und Jadranko Barišić. Ihre Idee, einen Lichtpfad zwischen den Gebäuden des Künstlerdorfes als Kunstwerk zu installieren, ist vor sechs Jahren entstanden und nun beinahe fertig umgesetzt.

Freitag, 05.06.2020, 09:34 Uhr aktualisiert: 05.06.2020, 18:04 Uhr
Franziska Wicke und Jadranko Barišić stehen vor einer Solarfahne ihres Lichtpfads am Künstlerdorf.
Franziska Wicke und Jadranko Barišić stehen vor einer Solarfahne ihres Lichtpfads am Künstlerdorf. Foto: Gemeinde Schöppingen

Noch markiert eine gespannte weiße Schnur den zukünftig illuminierten Weg. Er beginnt auf dem Rasen neben der Kulturhalle Kraftwerk, durchquert kerzengerade die Fläche zwischen zwei Gebäuden des Künstlerdorfes und endet neben der künftigen Multifunktionsfläche.

Hindernisse und Untergrund erscheinen vorerst zweitrangig: Der Lichtpfad klettert mühelos über Steinmauern und führt ungerührt über Schotterwege und Grasnarben. Doch in der Dunkelheit wandelt sich der 25 Zentimeter breite Lichtstreif auf dem Boden auch zu einem visuellen Wechselspiel aus Licht und Schatten. „Poetisch“ findet Franziska Wicke es, wenn das weiße Licht auf weiches Gras fällt. Anders auf Asphalt: „Hier bleibt die Linie scharf und klar.“

2014 waren Wicke und Barišić der Einladung des Künstlerdorfes gefolgt, vor Ort ihre Ideen zum Thema „Energie und Kunst“ für das Gesamtprojekt Kraftwerk Künstlerdorf einzubringen.

„Abends haben wir uns in der Dunkelheit durch das Gelände zu unserem Quartier getastet“, erinnert sich Franziska Wicke schmunzelnd. So sei die Idee entstanden, zur Orientierung zwischen dem Hauptgebäude und dem Hof der bildenden Künste einen beleuchteten Weg zu schaffen, dessen Lichtquelle aus regenerativer Energie gespeist wird.

Bei den Recherchen sind die Künstler auf die Namen der früheren Besitzer der Hofanlagen gestoßen: Schulze Dorfkönig im Norden, Schulze Johann im Süden. „Die Linie zwischen beiden Höfen führt genau von Süden nach Norden“, haben die Künstler herausgefunden und sei zudem die typische Route der Migration, von Zugvögeln und Geflüchteten. „Die Lichtlinie verbindet alles miteinander, aber grenzt auch ab.“

Zwei bewegliche Solarfahnen aus Organischer Photovoltaik (OPV) kennzeichnen die Standorte der ehemaligen Höfe und stehen zudem „für abstrakte Territorien und Herrschaftsansprüche, die gewöhnlich mit dem Aufstellen einer Fahne, ähnlich wie beim Betreten des Mondes, einhergehen“, erklären die Künstler.

Die Einzelplatten sind quadratisch angeordnet und stehen symbolisch für Schöppingens Vorreiterrolle in der regenerativen Energiegewinnung. Franziska Wicke: „Die vielen Solarplatten auf den Dächern im Ort sind uns bei unserem ersten Aufenthalt gleich aufgefallen.“ Die aus den Fahnen gewonnene Energie wird den Lichtpfad zum Leuchten bringen.

Doch bevor es soweit ist, braucht es noch einige technische Voraussetzungen: Hinter der Projektion des etwa 90 Meter langen Lichtstrahls verbirgt sich ein ausgeklügeltes System. Acht Projektoren sind an drei festen Punkten hoch über dem Boden an Giebelwänden und einem Steigmast angebracht. Sensible Objektive mit Brennweiten zwischen 45 und 85 Millimetern werden das Licht transportieren und zu einer Linie verbinden.

Nächtelang haben Jadranko Barišić und Franziska Wicke über ein Vermessungsraster und per Hubsteiger die korrekten Koordinaten ermittelt.

Die Installation mit dem Arbeitstitel „Nord-Süd-Achse“ ist eine von zwei geförderten Arbeiten durch die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU). Im Herbst vergangenen Jahres wurde hinter der Kulturhalle bereits das „Klangwäldchen“ des spanischen Künstlers José Antonio Orts eingeweiht.

Im Fokus der sogenannten Kraft-Stationen im „Kraftwerk Energie“ steht die Idee, mittels künstlerischer Arbeiten die verschiedenen Möglichkeiten der erneuerbaren Energiegewinnung erlebbar zu machen und die ästhetische mit der technischen Komponente zu verbinden.

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