24-jähriger Schöppinger stand wegen Besitzes kinder-und jugendpornografischer Daten vor Gericht
Einfach „hochwischen“ reicht nicht

Schöppingen/Ahaus -

Kleine Mädchen in aufreizenden Posen, bei sexuellen Handlungen mit Erwachsenen, Jungs im Alter von zwei bis sechs Jahren, die Hühner und Esel penetrieren – die Bild- und Videodateien, die die Polizei auf Handy und Laptop eines 24-jährigen Schöppingers fand, waren „heftiges Material“.

Dienstag, 09.06.2020, 17:47 Uhr aktualisiert: 12.06.2020, 17:12 Uhr
24-jähriger Schöppinger stand wegen Besitzes kinder-und jugendpornografischer Daten vor Gericht: Einfach „hochwischen“ reicht nicht
Foto: dpa

Deshalb wies der Richter am Amtsgericht Ahaus den Verteidiger des jungen Mannes gleich zu Beginn der Verhandlung zurecht: „Eine niedrige Strafe kommt hier nicht in Betracht“ und stellte eine Haftstrafe in Aussicht.

Bei einer Wohnungsdurchsuchung im Rahmen eines Verfahrens gegen andere Beschuldigte waren die Dateien im September vergangenen Jahres sichergestellt worden. Ins Visier der Ermittler war der Landwirt geraten, weil er Mitglied von zwei Whats-App-Gruppen war, in denen kinder- und jugendpornografisches Material gepostet und kommentiert wurde.

Männergruppe für „versautes Zeug“

Eine davon war der Ableger einer Klassengruppe einer Agrarschule in Münster. „Die war eigentlich nur für witzige landwirtschaftliche Sachen“, beteuerte der Angeklagte in der Verhandlung. Allerdings hatten die Gruppenadmins den Ermittlungen zufolge die „Männergruppe“ gleich so beschrieben, dass man dort „versautes Zeug“ zeigen wolle, das man „Mädchen nicht antun“ will. „Da waren diese Bilder, das streite ich gar nicht ab. Aber ich habe sie einfach hochgewischt – aus den Augen, aus dem Sinn.“ Viel eindeutiger war die andere Gruppe, in der der Angeklagte vom 6. bis 8. März 2019 Mitglied war – schon durch ihren unmissverständlichen Namen „K-prono“. In dieser wurde der Großteil des kinder- und jugendpornografischen Materials gepostet, das später auf dem Laptop des 24-Jährigen gefunden wurde, etwas mehr als 70 verschiedene Bilder und Videos. „Ich habe schnell gemerkt, dass ich da nicht drin sein will, weil da nur so ein Müll gepostet wurde“, gab er zur Entlastung an.

Nicht absichtlich gespeichert

Davor hatte er aber noch einen Kommentar abgegeben, den die Polizei im Chatverlauf fand und mit dem ihn der Richter konfrontierte: „Was ist das für eine Gruppe?“ fragte ein Teilnehmer, worauf ein anderer antwortete „Das ist Kinderpornografie“. Das kommentierte der Angeklagte mit dem Satz „Ich dachte Kinderbodenturnen“. „Das war ein Scheiß-Kommentar, das gebe ich zu“, meinte er vor Gericht einsichtig. Weder die Bilder noch die Videos aus den WhatsApp-Gruppen habe er absichtlich gespeichert. „Ich hab da nicht so die Ahnung – ich bin kein IT-Mensch, sondern Landwirt.“ Das wurde durch die polizeilichen Ermittlungen bestätigt: Die auf den Geräten gefundenen Dateien sind durch automatische Backups dort abgespeichert worden.

Genau das brachte den Richter dazu, anders als zu Beginn der Verhandlung angedroht ein milderes Urteil überhaupt in Erwägung zu ziehen. Auch der Vertreter der Staatsanwaltschaft sah nach den Einlassungen des Angeklagten nur noch einen bedingten Vorsatz zum Besitz kinder- und jugendpornografischer Schriften und forderte eine Geldstrafe in Höhe von 4500 Euro (150 Tagessätze).

Bedingter Vorsatz

„Sie wussten, dass die Dateien da waren und haben sie nicht gelöscht – das ist ein bedingter Vorsatz“, begründete der Richter abschließend sein Urteil, mit dem er die Geldstrafe auf 90 Tagessätze (= 2700 Euro) festsetzte. Üblicherweiseweise gebe es vor dem Amtsgericht Ahaus für den Besitz von Kinder- und Jugendpornografie Freiheitsstrafen.

Mit den harten Strafen solle der Markt ausgetrocknet werden. „Ich glaube Ihnen aber, dass Ihnen nicht bewusst war, dass sich die Dateien noch auf Ihrem Laptop befanden.“

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