Bis 2025 sind 32,7 Millionen Euro strukturelle Einsparungen vorgesehen
Das Bistum Münster setzt den Rotstift an

Münster -

Der Spar- und Strategieprozess im Bistum Münster hat am Freitag im Mittelpunkt der gemeinsamen Sitzung des Diözesanrates und des Kirchensteuerrates gestanden. Die Gremien sprachen sich dafür aus, den Prozess fortzusetzen, der für das Jahr 2025 strukturelle Einsparungen von 32,7 Millionen Euro im Vergleich zum Haushaltsplan 2020 vorsieht.

Montag, 21.09.2020, 10:21 Uhr
Der Diözesanrat und der Kirchensteuerrat des Bistums Münster haben während ihrer jüngsten Sitzung erste Beschlüsse im Rahmen eines Spar- und Strategieprozesses gefasst.
Der Diözesanrat und der Kirchensteuerrat des Bistums Münster haben während ihrer jüngsten Sitzung erste Beschlüsse im Rahmen eines Spar- und Strategieprozesses gefasst. Foto: Bistum Münster

 

Der Haushaltsplan 2020 geht von Ausgaben von 676,9 MillionenEuro aus. Die drohenden Haushaltsdefizite, die sich aus dem Rückgang der Zahl der Katholiken und damit der Kirchensteuereinnahmen ergeben werden, sollen durch Einsparungen im Personal- und Sachkostenbereich ausgeglichen werden. Dabei soll der Personalabbausozial ohne betriebsbedingte Kündigungen gestaltet werden, teilt das Bistum in einer Presseerklärung mit.

Frank Vormweg, Leiter der Hauptabteilung Zentrale Aufgaben im Bischöflichen Generalvikariat, kündigte an, dass in der Bistumsverwaltung bereits ab Herbst ein reduzierter Stellenplan gelten werde. 34 der derzeit 530 Stellen im Generalvikariat in Münster, bei denen die Mitarbeiter bis 2025 in den Ruhestand gehen, sollen nicht nachbesetzt werden. Weitere Stellenkürzungen würden in Abhängigkeit von den zu entwickelnden Strategien festgelegt.

Zugleich sagte Vormweg: „Das Sparen wird nicht mit dem Jahr 2025 aufhören.“ Der Spar- und Strategieprozess verbinde kurzfristige Sparbeschlüsse mit mittel- und langfristigen Strategieentscheidungen über 2025 hinaus. Die kurzfristigen Einsparungen bis 2025 sollten Zeit schaffen, um über Prioritäten für die Jahre danach zu entscheiden.

Dieser Prozess benötige mehr Zeit und Beteiligung, so Vormweg. Unterschiedliche Akteure würden eingebunden: Diözesanrat und Kirchensteuerrat, Einrichtungen und Pfarreien, die Mittlere Ebene im Bistum sowie Haupt- und Ehrenamtliche in unterschiedlichen Arbeitsfeldern.

Vormweg machte klar: „Es werden Strategien für alle Handlungsfelder im Bistum auf die veränderten Bedürfnisse der Menschen überprüft und an den langfristigen wirtschaftlichen Rahmen angepasst.“

Notwendig seien Entscheidungen, „welche Bereiche nach 2025 gleichbleibend oder stärker, welche Bereiche weniger beziehungsweise nachrangig finanziert werden sollen“.

Die Gesamtstrategie ziele auf einen zukunftssicheren Haushalt ab und blicke auf alle Handlungsfelder der katholischen Kirche im Bistum Münster. Ab 2022 sollten für diese Felder Zukunftsaussagen getroffen werden, kündigte Vormweg an. Erste Expertengruppen, die Umsetzungsmöglichkeiten für Einsparungen und Strategien erarbeiten sollen, seien zum Teil bereits gebildet worden. Hier gehe es um die Aufgabenfelder Medien- und Öffentlichkeitsarbeit, Bildung, Mittlere Ebene, Verbände und Pastoralentwicklung.

Finanzdirektor Ulrich Hörsting stellte Maßnahmen vor, durch die das kurzfristige Sparziel bis 2025 erreicht werden soll. Durch Personaleinsparungen im Bischöflichen Generalvikariat und im Kirchengericht sollen die Kosten um rund 3,8 Millionen Euro verringert werden. Auch würden die Schlüsselzuweisungen an die Pfarreien, die derzeit bei rund 98,6 Millionen Euro liegen, bis 2025 um rund 4,8 Millionen sinken. Grund sei, dass die Höhe der Schlüsselzuweisungen von der Katholikenzahl und der Immobilien-Fläche abhänge, erläuterte Hörsting. Der Rückgang der Mitgliederzahlen schlage bei der Reduzierung der Schlüsselzuweisungen mit circa 3,8 Millionen zu Buche, der bei der Immobilien-Fläche mit einer weiteren Million Euro.

Verringert werde zudem der Aufwand für die Erhaltung von Kirchen, Kapellen, Pfarrheimen, Pfarrhäusern und Dienstwohnungen um 2,6 Millionen Euro. Derzeit investiert das Bistum hier 32 Millionen Euro im Jahr. Der Rückgang bei Priestern, Pastoralreferentinnen, Pastoralreferenten und Diakonen führe zu Einsparungen von rund sechs Millionen Euro.

Durch das Einrichten von multiprofessionellen Teams in den Pfarreien sei allerdings mit Personalmehrkosten von rund zwei Millionen Euro zu rechnen. Insgesamt könne daher von Personaleinsparungen in der Pfarrseelsorge von rund vier Millionen Euro ausgegangen werden, so Hörsting. Da die Katholikenzahlen zurückgingen, werde sich auch die daran gekoppelte Zuweisung an die Kitas um drei Millionen Euro verringern. Aus dem neuen Kinderbildungsgesetz ergäben sich zudem Mehreinnahmen von 664 000 Euro.

Hörsting nannte weitere Aufgabenfelder, in denen die Kosten bis 2025 gesenkt werden sollen. So soll etwa in der Medien- und Öffentlichkeitsarbeit des Bistums jährlich mindestens eine Million Euro eingespart werden, in der Revision 200 000 Euro und in den Kreisdekanaten 160 000 Euro. Die Zuweisungen an die Erwachsenen-Verbände sollen jährlich um 240 000 Euro und die an die Jugendverbände um 150 000 Euro verringert werden. In den Gemeinden von Katholiken anderer Muttersprachen sollen die Kosten jährlich um 300 000 Euro gesenkt werden.

Bei den Bildungsforen und -häusern sollen Sparziele von jährlich 750 000 Euro beziehungsweise 600 000 Euro erreicht werden. Verringert werden sollen auch die Zuweisungen an das Stiftsmuseum in Xanten (um 140 000 Euro) und an die katholischen öffentlichen Büchereien um 80 000 Euro.

Die Ortscaritasverbände sollen künftig gut eine Million Euro weniger im Jahr an Zuwendungen erhalten; der Diözesancaritasverband 164 000 Euro. Die Zuweisung an das Bischöfliche Studierendenwerk soll um gut 84 000 Euroverringert werden. Eine Reduzierung der Baustandards in den Schulen soll 500 000 Euro einsparen. Derzeit investiert das Bistum hier rund 15 Millionen Euro im Jahr. Die IT-Kosten sollen um eine Million Euro sinken.

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