Kreis Coesfeld
„Das ist Afrika live“

Freitag, 07.03.2008, 20:03 Uhr

Kreis Coesfeld / Thiés. Geplant war eigentlich alles ganz anders, als die erste von zwei Hilfstruppen des Vereins „Ein Herz für Senegal“ nach Afrika aufbrach. Einen Container mit Hilfsgütern hatten sie daheim im Kreis Coesfeld gepackt – und die sollten von den elf Helfern vor Ort verteilt werden – an Krankenhäuser, Schulen und in den Dörfern, in denen die Ärmsten der Armen leben. Doch der Container kam nicht. „Durch einen Fehler der Reederei steckte er tagelang in Spanien fest“, berichtete Vorstandsmitglied Martin Cauvet (Nottuln). Und als die ersten sieben Helfer nach 14 Tagen schon wieder heimfliegen mussten, war er immer noch nicht da. Er kam dann zeitgleich mit der zweiten siebenköpfigen Truppe, die gleich nach der Ankunft mit dem Ausladen alle Hände voll zu tun hatte.

„Das ist Afrika live“, lachte Cauvet – planen könne man hier kaum etwas. „Es kommt, wie es kommt“, pflichtete ihm auch Sascha Pantleon (Dülmen) bei. Und so nutzte die erste Gruppe die Zeit, um neue Projekte auf den Weg zu bringen. Eine ganz zentrale Maßnahme, über die mit der katholischen Kirche als Schulträger in dem 1200-Einwohner-Dorf Palamroog ein Vertrag abgeschlossen wurde, ist der Bau einer neuen Schulklasse. „Das persönliche Engagement der Lehrer hat uns hier sehr beeindruckt“, so Pantleon. Und so habe man im Kreis Coesfeld Sponsoren für den 10 000 Euro teuren Klassenraum gesucht und gefunden. 5000 Euro wurden dem Schulträger bereits übergeben, so dass in Kürze mit dem Bau begonnen werden kann. „Je nach Baufortschritt, der durch Bilder dokumentiert wird, werden wir dann aus Deutschland peu a peu die weiteren 5000 Euro überweisen“, ergänzte Cauvet. In dem Dorf ist neben der Grundschulerweiterung um eine Klasse auch eine Alphabetisierungskampagne für die Erwachsenen geplant. 80 Prozent könnten nicht lesen und schreiben und folglich auch keinen Haushaltsplan aufstellen, keine Vermarktungspläne für das von ihnen angebaute Gemüse erstellen usw.

Als der Container eintraf, war das erste Anliegen der Abtransport von 1,7 km von den Stadtwerken Münster gespendeten Rohren, mit denen von Sebikhotane nach Keur Moussa eine neue Wasserleitung verlegt wurde, um ein Gartenbau-Schulungszentrum mit dem kostbaren Nass versorgen zu können. „Die Schüler lernen dort den sparsamen Umgang mit Wasser bei der Felderwirtschaft“, erklärte Cauvet. Die zweite Gruppe konnte noch miterleben, wie das Wasser aus der neuen Leitung floss. In dem Dorf ist geplant, Viehfutter-Äcker anzulegen. Durch die Nomadenwirtschaft im Senegal werden immer wieder kostbare Gemüse-Plantagen von Rinderherden zertrampelt und aufgefressen, zuletzt auch eine Gehölz-Aufforstung von Unicef. Für die Tiere soll an Wasserstellen ersatzweise Futtergetreide angebaut werden.

Ausgebaut und teilweise neu geknüpft hat der Verein seine Kontakte zu vielen Partnern. So wurden einmal mehr im Kreis Coesfeld gesammelte Brillen und von Fielmann in Dülmen gespendete optische Geräte an den „Brillen-Laden“ der „Optiker ohne Grenzen“ (eine französische Partner-Organisation) übergeben. Die Erzieherin Britta Kersting (Osterwick) besuchte afrikanische Kindergärten. Geplant ist jetzt, Patenschaften aufzubauen – von deutschen zu senegalesischen Kindergärten.

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