Kreis Coesfeld
Der einzige Weg ins Paradies

Freitag, 13.06.2008, 20:06 Uhr

Kreis Coesfeld . Es ist der einzige Weg ins Naturparadies . Man muss sich zunächst durch einen schmalen, von Brennnesseln gesäumten Pfad durchschlängeln. Dann folgt die noch größere Hürde: ein tiefes, matschiges Tonloch. Ungebetene Besucher bleiben draußen. Denn hier geht niemand durch, der sich nicht mit Gummistiefeln auf den Besuch vorbereitet hat. Doch dann ist man im Schatzkästchen angekommen, wie Birgit Stephan das Plümer Feld nennt. Zusammen mit der zuständigen Sachbearbeiterin beim Kreis Coesfeld, Kerstin Bartsch, ist die bei der Naturförderstation beschäftigte Landschaftsökologin nach Seppenrade gekommen, wo das Naturschutzgebiet ganz versteckt liegt. Hier treffen sie auf den Vater des Plümer Feldes: Erich Hirsch .

Der 67-jährige Lüdinghausener kümmert sich um das sensible Biotop in der stillgelegten Grube. „Von Mitte der 60er- bis bis Anfang der 80er-Jahre ist hier Ton abgebaut worden“ erzählt Bartsch nach der Begrüßung, „Nach der Stilllegung blieben auf dem wasserundurchlässigen Untergrund große Wasserflächen zurück. Und auf den offenen, nährstoffarmen Tonböden konnten sich zahlreiche pflanzliche Raritäten ansiedeln.“ Die größte davon ist die Segge, die zur Familie der Sauergrasgewächse gehört.

Die Segge ist kein Flora-Topmodel, sondern eine unscheinbare Vertreterin ihrer Zunft: Ihre braunen oder grünen Blüten sind eher unscheinbar. Immerhin fällt auf, dass sie im Gegensatz zu den bekannten Ziergräsern einen dreikantigen Stängel hat. Aber sie hat eine besondere Eigenschaft, die jeden Naturschützer große Augen machen lässt. Sie ist eine Zeigerart. Wo sie wächst, geht in punkto Artenvielfalt die Post ab. Und deswegen kümmert sich Hirsch liebevoll um sie: „Kennen Sie den Unterschied von Einfalt und Vielfalt?“, fragt der verrentete Bankangestellte und gibt sich selbst die Antwort: „Auf einer normalen Wiese finden Sie vielleicht zehn verschiedene Pflanzenarten. Hier sind es drei mal so viel. Und mit der Flora- kommt auch die Faunavielfalt. „Wenn ein Schmetterling über eine normale Wiese fliegt, ist das für ihn wie eine Wüste, weil er dort nichts mehr findet. Das ist hier ganz anders“, ergänzt Stephan. Vor allem Libellen finden hier paradiesische Bedingungen vor. Überall hört man es surren. Frösche quaken. Vögel zwitschern ein fröhliches Lied.

Aber im Bezug auf das Plümer Feld bedeutet Artenvielfalt nicht, die Natur sich selbst zu überlassen, sondern viel Arbeit. Denn damit die Vielfalt nicht verloren geht, muss das langsam wachsende Seggengras einmal im Jahr im Herbst geschnitten und zusammengeharkt werden. Ansonsten würde sich das für die Segge optimale saure Bodenklima verändern und das sensible Biosystem kippen. „Es ist wie ein Uhrwerk. Es muss alles zusammenpassen“, sagt Hirsch.

Daher hütet Hirsch sein Plümer Feld seit sechs Jahren wie ein Öko-Greenkeeper. Auch wenn andere nicht immer Verständnis für seinen Einsatz haben: „Man braucht eine absolute Liebe zur Natur, um so was zu machen. Die Wertschätzung für so was ist vielen in unserer heutigen Gesellschaft aber verloren gegangen“, sagt das Nabu-Mitglied mit fester Stimme. Er sei mal gefragt worden, wie man sich in einem Naturschutzgebiet verhalten müsse. Seine Antwort: „Wie in einer Kirche.“

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