Kreis Coesfeld
„Einfache Antworten gibt es nicht“

Donnerstag, 04.12.2008, 18:12 Uhr

Kreis Coesfeld . Nach dem Fachgespräch zum Hähnchenmast-Boom im Kreis Coesfeld (wir berichteten) fragte unser Redaktionsmitglied Detlef Scherle Fachbereitsleiter Dr. Ansgar Hörster von der Kreisverwaltung nach seinen Eindrücken und Erkenntnissen aus der Veranstaltung.

Herr Dr. Hörster, mit fünf Stunden war das Fachgespräch eine wahre Mammut-Veranstaltung. Hat sich der Aufwand gelohnt?

Hörster: Meines Erachtens ohne Einschränkung ja. Es ist uns gelungen, Vertreter von beteiligten Interessengruppen und politische Akteure gemeinsam mit hochrangigen Fachreferenten in einer Diskussionsrunde zusammen zu bringen, um alle wichtigen Aspekte, Erkenntnisse, Hintergründe und Zusammenhänge offen zu beleuchten und gemeinsam nach weiteren Lösungsmöglichkeiten zu suchen. Besonders positiv fand ich die sachliche und faire Diskussion dieses doch häufig sehr mit Emotionen verbundenen Themas.

Gab es auch für Sie neue Erkenntnisse aus den Fachvorträgen?

Hörster: Erst in der Zusammenschau aller Fachvorträge ist die wirkliche Komplexheit der Zusammenhänge und zu beachtenden Fragen und Wirkungen deutlich geworden. Klar wurde damit auch: Einfache Antworten auf die Frage nach einer Lösung gibt es nicht, aber verschiedene Ansätze, zum Beispiel über Bauleitplanung, Filtertechnik, wissenschaftliche Forschung oder staatliche Förderung zu weiteren Verbesserungen zu kommen.

War da auch etwas dabei, was Ihnen in den laufenden Genehmigungsverfahren hilft?

Hörster: Von „hilfreich“ will ich nicht reden. Aber ich gehe davon aus, dass die Städte und Gemeinden sich verstärkt Gedanken um eine bauleitplanerische Steuerung der Ansiedlung von gewerblichen Tierhaltungsanlagen machen werden. Das Ergebnis bleibt abzuwarten.

Der erste Schritt hin zu einem Dialog zwischen Landwirten und Bürgerinitiativen ist gemacht. Wie geht es jetzt weiter?

Hörster: Was die Teilnehmer selbst als Ergebnis mitnehmen und daraus für Schlüsse ziehen, kann ich nicht sagen. In der Veranstaltung wurde aber deutlich, dass vor allem die Städte und Gemeinden im Rahmen ihrer Bauleitplanung wesentliche Steuerungen vornehmen können, vielleicht sogar müssen und hierfür eine intensive politische Ausein-andersetzung aller Beteiligten vor Ort über die Schutz- und Entwicklungsvorstellungen im Hinblick auf Siedlungsentwicklung, Landwirtschaft, Tourismus und Naherholung erforderlich werden. In diese Richtung könnte sich der angestoßene Dialog fortsetzen.

Wie ist der aktuelle Stand bei den noch laufenden Verfahren?

Hörster: Jedes der zur Zeit acht laufenden Verfahren für Hähnchenmastanlagen befindet sich in einem anderen Stand und betrifft konkrete Einzelfragen. Zum Teil sind die Antragsunterlagen noch nicht vollständig, in anderen Fällen ist das gemeindliche Einvernehmen noch einzuholen, zum Teil sind die vorgelegten Gutachten zu überprüfen.

Wann ist mit Entscheidungen zu rechnen?

Hörster: Sobald alle Genehmigungsvoraussetzungen geprüft und bewertet sind, werden die Entscheidungen für oder gegen eine Genehmigung in jedem Einzelfall unverzüglich getroffen.

Das Thema ist ja nicht gerade von der appetitlichen Seite diskutiert worden. Von 5 Prozent toten Tieren war da die Rede, von ekelerregenden Gerüchen und Bakterien-Resistenzen. Haben Sie da noch Lust auf Grillhähnchen?

Hörster: Mein persönlicher Appetit oder Eindruck tut hier nichts zur Sache. Aber ganz ehrlich: Mein letztes Grillhähnchen liegt schon recht lange zurück. Das liegt an meinem persönlichen Geschmack und hat mit der Veranstaltung oder den Referaten nichts zu tun. Das Abendessen ist mir am Mittwoch jedenfalls gut bekommen.

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