Kreis Coesfeld
"Das Soziale frisst uns auf"

Kreis Coesfeld. Eigentlich wird der Kreis-Haushalt erst heute abschließend beraten. Die desolate Finanzlage war aber auch schon am Montag im Kreisausschuss zentrales Thema. Es ging um die Zukunft des Gewalt-Notruf-Telefons für Kinder und Jugendliche, das bislang aus Spendengeldern vom Verein roterkeil.net finanziert worden war. Die Kinder-, Jugend- und Familienhilfe Billerbeck...

Dienstag, 23.02.2010, 00:02 Uhr

Kreis Coesfeld . Eigentlich wird der Kreis-Haushalt erst heute abschließend beraten. Die desolate Finanzlage war aber auch schon am Montag im Kreisausschuss zentrales Thema. Es ging um die Zukunft des Gewalt-Notruf-Telefons für Kinder und Jugendliche, das bislang aus Spendengeldern vom Verein roterkeil.net finanziert worden war. Die Kinder-, Jugend- und Familienhilfe Billerbeck , die zum 1. März neuer Träger dieses kreisweiten Angebots wird, hatte einen Kreis-Zuschuss in Höhe von 22 000 Euro beantragt, weil es sonst nicht aufrechterhalten werden kann.

"Macht man aus einem ehrenamtlich gestarteten Angebot eine öffentliche Aufgabe?" stellte Landrat Konrad Püning gleich zu Beginn die Gretchen-Frage, die er selbst mit "Nein" beantwortete. Er hob hervor, dass die Initiative zwar "uneingeschränkt zu begrüßen und das ehrenamtliche Engagement anzuerkennen" sei, aber beim Kreis sei einfach kein Geld für zusätzliche freiwillige Leistungen vorhanden. Und auch die Städte Dülmen und Coesfeld sähen keine Möglichkeit da einzusteigen. Dieser Argumentation schlossen sich CDU , FDP und die Vereinigte Wählergemeinschaft (VWG) an, während SPD und Grüne für eine Brückenfinanzierung "wenigstens für dieses Jahr" warben, um das Angebot nicht sterben zu lassen.

Für den neuen Träger erläuterte Ludger Althoff die Unterschiede dieses Notrufs zur bundesweiten "Nummer gegen Kummer" und anderen Angeboten: "Da sitzen immer andere am Telefon. Bei uns können die Gespräche fortgeführt werden." Er sah den Gewalt-Notruf als Bestandteil eines sozialen Frühwarnsystems, wie es ja eigentlich auch der Kreis Coesfeld aufbauen wolle.

In diese Kerbe schlug auch Susanne Havermeier von der SPD, die auf eine Untersuchung verwies, wonach in Münster 5 % der Jugendlichen durch aggressives Verhalten auffielen. Als ein Grund seien "mangelnde Gesprächsangebote" genannt worden, denn schwierige Themen würden häufig eben nicht mit Eltern, Lehrern oder Freunden besprochen, sondern lieber anonym mit Dritten. "Ich bitte Sie dringend, ihr Nein zu überdenken", sagte sie in Richtung CDU. Doch die blieb bei ihrer Linie. "Offensichtlich ist einigen hier im Saal noch nicht bewusst, in welcher finanziellen Lage wir uns befinden", sagte Fraktionschef Klaus-Viktor Kleerbaum . Niemand werde sich vorstellen können, was im nächsten Jahr noch auf uns zukommt, bat er um Verständnis, dass der Kreis jetzt keine zusätzlichen Verpflichtungen eingehen könne. "Das hat nichts mit ihrem Projekt zu tun", sagte er in Richtung roterkeil.net und Kinder-, Jugend- und Familienhilfe Billerbeck. Im nächsten Jahr, und darauf könnten sich schon alle sozialen Träger einstellen, werde es nur noch um die Frage gehen, wo gekürzt wird, so Kleerbaum. "Das Soziale frisst uns auf", verwies FDP-Fraktionschef Gerhard Stauff auf zunehmende Belastungen. SPD-Fraktionschef Andre Stinka kritisierte CDU und FDP, deren Nein zu neuen Aufgaben in anderen Bereichen offensichtlich nicht gelte. So würden für eine FH-Transferstelle, für die es noch nicht einmal ein Konzept gebe, trotz prekärer Finanzlage mal eben 50.000 Euro ausgegeben. Noch im Aufsichtsrat der Wirtschaftsförderung habe auch Stinka für die Transferstelle gestimmt, konterte Kleerbaum.

Wie es mit dem Notruf weitergeht, blieb unklar. "Wir werden ihn im März noch auf eigene Kosten weiterführen", so Althoff gegenüber unserer Zeitung. Kleerbaum versprach, sich bei der Suche nach "Lösungen außerhalb des Kreis-Haushalts" aktiv einzubringen. Schon in der Vergangenheit seien für den Notruf Gelder der Sparkassenstiftung locker gemacht worden.

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