Kreis Coesfeld
"Ich ging zum Casting und hatte Glück"

Schapdetten. Becky war ihre erste große Hauptrolle. Ein Mädchen, das ganz anders ist als Michelle Barthel. Denn die 16-Jährige aus Schapdetten spielt im Fernsehfilm "Keine Angst" eine Jugendliche, die in Kinderarmut lebt und trotz aller Hoffnungslosigkeit von einem besseren Leben träumt. Für diese Rolle ist sie jetzt beim internationalen Filmfestival FIPA in Biarritz ...

Freitag, 12.02.2010, 00:02 Uhr

Schapdetten . Becky war ihre erste große Hauptrolle . Ein Mädchen, das ganz anders ist als Michelle Barthel . Denn die 16-Jährige aus Schapdetten spielt im Fernsehfilm "Keine Angst" eine Jugendliche, die in Kinderarmut lebt und trotz aller Hoffnungslosigkeit von einem besseren Leben träumt. Für diese Rolle ist sie jetzt beim internationalen Filmfestival FIPA in Biarritz (Frankreich), bei dem Deutschland Schwerpunktland war, sogar mit dem Preis als beste Darstellerin ausgezeichnet worden. "Der Film soll die Menschen berühren", sagt Barthel im Gespräch mit unserer Zeitung.

Reiner Zufall verhalf der Schülerin zu der tragischen, aber auch starken Rolle der Becky. Die Agentur Schwarz, die ihr schon einige kleinere TV-Auftritte vermittelt hatte, suchte eigentlich die passende Besetzung für die dreijährige Schwester von Betty. Als aber klar war, dass die weibliche Hauptrolle auch noch nicht besetzt war, wurde Michelle einfach vorgeschlagen. "Ich ging zum Casting und hatte Glück", sagt sie.

Wie eine Parallelwelt erscheint das Leben der Figur, die mit einer trinkenden Mutter, drei kleinen Geschwistern und mit wenig Aussicht auf eine positive Zukunft in dem sozialen Brennpunkt Köln-Porz aufwächst. "Hier in Schapdetten ist alles so geschützt, und ich bin in einer heilen Familie aufgewachsen", erklärt sie. Trotzdem habe sie einige Gemeinsamkeiten mit Becky. "Sie ist ohne Vaterfigur aufgewachsen, und mein Vater ist vor vier Jahren gestorben, das konnte ich gut nachvollziehen", sagt sie. "Aber ich hatte ein sehr inniges Verhältnis zu meinem Vater, im Gegensatz zu Becky."

Im Film verliebt sich Becky in Bente (gespielt von Max Hegewald), einen sensiblen und intelligenten Jungen aus einer behüteten Familie. Trotz der Anfeindungen ihrer besten Freundin Melanie ( Carolyn Sophia Genzkow ) und der kriminellen Clique gibt sie ihre erste große Liebe nicht auf.

Ein Stück des Films ist für Michelle Barthel Realität geworden. "Carolyn, die im Film meine beste Freundin spielt, ist auch im echten Leben meine beste Freundin geworden", erzählt sie und bedauert, dass Carolyn in Hamburg wohnt und sie sich dadurch nicht so häufig sehen können. Auch der Darsteller Max Hegewald ist für Michelle mehr als nur ein Schauspielerkollege geblieben. "Wir haben uns wirklich ineinander verliebt, aber leider hat unsere Beziehung aufgrund der Entfernung Münster-Berlin nicht geklappt", sagt die Schülerin der Marienschule in Münster.

Für den Dreh, der Ende 2008 in Köln stattfand, lebte Michelle sechs Wochen lang mit ihren jungen Kollegen und einer Betreuerin in einem Haus in Köln. In dieser Zeit konnte sie nicht in die Schule gehen. "Aber meine Schule und die Lehrer haben mich unterstützt und ich habe das Größte nachgeholt."

In der Schule spielt sie mit Leidenschaft in der Theater-AG. Ihr zweites Hobby ist die Musik. Sie singt in der Band "Vorlaut", die seit drei Jahren Coversongs spielt, mal von den Beatles, mal von Lenny Kravitz.

Ob sie denn auch Schauspielerin werden möchte? "Das wäre der totale Traumberuf, aber auch ein sehr unsicherer Beruf, ich will abwarten, wie sich alles entwickelt", erklärt sie. Alternativen wären Grundschullehrerin oder Journalistin. Doch mit der Schauspielerei sieht es vielversprechend aus: Nach "Keine Angst" hat sie im September 2009 den Kölner Tatort "Schmale Schultern" gedreht, der Ende 2010 laufen soll. Mehr als ein guter Anfang.

0 Der Film "Keine Angst" läuft am 10. März um 20.15 Uhr im Ersten. Am 26. Februar ist Michelle Barthel um 21.45 Uhr Talkgast im "Kölner Treff" im WDR-Fernsehen. |.Medien

|.www.tagtraum.de

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