Kreis Coesfeld
"My home is where my art is"

Freitag, 19.03.2010, 00:03 Uhr

Coesfeld . "Ich fand Heimat schon immer irgendwie suspekt," sagt Dirk Bernemann . Er ist 34 Jahre alt und ein mehrfach ausgezeichneter Coesfelder Autor. Sein erstes Buch "Ich hab die Unschuld kotzen sehen" verkaufte sich über 50 000 Mal. In Velen geboren zog es ihn, nach mehreren Wohnortswechseln innerhalb des Münsterlandes, 2004 in die Kreisstadt. Inzwischen hat er vier Bücher mit Kurzgeschichten und einen Roman ("Satt:Sauber:Sicher") veröffentlicht. Im Herbst erscheint sein zweiter Roman "Vogelstimmen". Daneben schreibt er Gedichte und spielte als Musiker bereits in diversen Bands. Unser Redaktionsmitglied Daniel Peters unterhielt sich mit ihm über den "Herr Lehmann Komplex" und das Münsterland . Was liest du? Bernemann: Ich lese sehr viel Popkulturelles aber auch Klassiker. Wer zum Beispiel sehr stark daran beteiligt ist, dass ich überhaupt schreibe ist Benjamin von Stuckrad-Barre. Da war sein erstes Buch so´n Ding wo ich gedacht habe, dass möchte ich auch machen. Momentan lese ich ein super Buch von Elfriede Jelinek: "Die Klavierspielerin". In deiner Vita ist immer die Rede von Herrn Bernemann, legst du Wert auf diese Höflichkeitsform? Bernemann: Nee also überhaupt nicht. Das ist so´n bisschen dieser Herr Lehmann Komplex - wenn Leute mit Herr angesprochen, dann aber geduzt werden. Das habe ich einfach mal so in meine Vita einbezogen. Ich finde es immer lockerer, sich auf gleichem Niveau zu unterhalten. Kotzt die Unschuld nur in deinem Kopf oder woher nimmst du die Geschichten für deine Bücher? Bernemann: Da habe ich viele Einflüsse. Meine eigene Fantasie spielt `ne große Rolle. Medien spielen `ne große Rolle. Ich schlag die Zeitung auf, sehe drei Zeilen: irgendwas passiert mit irgendeinem Menschen. Wenn mich das berührt, kann ich das irgendwie zu einer großen Geschichte weiterspinnen. Den dritten Teil von "Ich hab die Unschuld kotzen sehen gibt es nur als E-Book. Darüber wirkst du nicht wirklich begeistert. Bernemann: Genau! Dass war eine Idee vom Verlag und auch von mir selber, einfach mal zu versuchen, ob so ein Ding überhaupt `ne Chance hat. Von den Verkaufszahlen war es nicht der Bringer. Es wird also noch als gedrucktes Buch erscheinen? Bernemann: Ja, wahrscheinlich im Frühjahr 2011. Allerdings nicht in der Fassung wie es jetzt erschienen ist. Im Buch sprichst du davon, zum Schreiben zwei Stunden gebraucht zu haben. Hand aufs Herz, wie lange war es wirklich? Bernemann: Ne halbe Stunde. Nee quatsch. Diese Geschichten schreiben sich unheimlich schnell, deswegen habe ich das auch ironischer Weise mal gesagt. Letztendlich kann ich nicht sagen, wie lange ich da Netto dran gearbeitet habe. Der reine Schreibprozess war vielleicht eine Woche Arbeit. Der Ideenfindungsprozess ist noch komplizierter. Deutschland ist... Bernemann: ... Deutschland finde ich schwierig. Ich hab´ ein Problem damit, Heimat als Grundbegriff für ein Gefühl zu nutzen. Ich habe mal so einen Satz geschrieben: "My home is where my art is." Zuhause ist da, wo ich mich wohl fühle, wo ich arbeiten und wo ich meine Kunst machen kann. Das ist es eher, als meine Heimat Deutschland oder auch Coesfeld zu nennen. Ist das der Grund, aus dem du schreibst, du seist "vor wenigen Jahren zwischen dem Ruhrgebiet und den Niederlanden geboren" und erwähnst keinen konkreten Ort? Bernemann: Wie gesagt, ich fand Heimat schon immer irgendwie suspekt. Ich habe mich nie an einen konkreten Ort gebunden. Ich finde diese Region hier im Münsterland einfach auch schön. Siehst du es als Risiko an, dich immer wieder neu zu erfinden? Bernemann: Ich erfinde mich ja nicht in so fern wieder, dass das Grundgerüst nicht mehr da ist. Ich habe schon einige Sachen ausprobiert. Ich denke, dass es wichtig ist, einen Stil zu haben. Und ich glaube mein Stil ist gleichgeblieben und lässt sich auch wiedererkennen. | Weitere Fragen in der Printausgabe (Lokalseite Kreis Coesfeld)

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