Kreis Coesfeld
"Ran an die Wirklichkeit"

Freitag, 16.04.2010, 00:04 Uhr

Coesfeld . Auch Minister müssen bisweilen Lehrgeld zahlen. Das gestand Christa Thoben gestern ein, als sie die neue CNC/Feinwerkmechanik-Schulungsstätte derKreishandwerkerschaft in Coesfeld einweihte. In fünf Jahren habe sie "viel gelernt", sagte sie vor über 200 geladenen Gästen in den Handwerksbildungsstätten in Coesfeld-Stockum, vor allem sich umfassend zu informieren und nicht nur auf die vielen Lobbyissten mit ihren eigenen Interessenlagen zu hören. Ein Grundsatz sei ihr dabei ganz besonders wichtig geworden: "Bevor Du etwas entscheidest: ran an die Wirklichkeit." Und so wunderte es nicht, dass sie sich auch bei einem Rundgang durch die Werkstätten die neue Technik, die dem Handwerker-Nachwuchs selbst aus dem Emscher-Lippe-Raum und aus Münster nahegebracht werden soll, in allen Details erklären ließ. Der Termin war schon lange vorher vereinbart und hatte eigentlich nichts mit Wahlkampf zu tun. Natürlich nutzte Thoben ihn aber auch als Wahlkampfbühne. "Was wir vorzeigen können, kann sich sehen lassen", bilanzierte sie die fünf Jahre Schwarz-Gelb in Düsseldorf. Besonders ärgere es sie, wenn von der anderen Seite jetzt immer gemeckert werde, dass alles zu langsam gehe: "Dabei ist in 39 Jahren vorher in vielen Bereichen fast gar nichts passiert." Zum Beispiel bei der vorschulischen Bildung. Oder bei der Einstellung von neuen Lehrern, die auch im Anschluss bei einer von Dr. Norbert Tiemann , Chefredakteur dieser Zeitung, launig geleiteten Diskussionsrunde noch einmal angesprochen wurde. An den Berufskollegs fehlten Fachlehrer, klagte ein Besucher. Viel Unterricht, den auch Praktiker geben könnten, falle aus. Thoben stellte klar, dass die Möglichkeiten, Praktiker als Lehrer an die Schulen zu holen, unter ihrer Ägide verbessert worden seien. Freilich könne aber nicht jeder Meister auch gleich unterrichten. Die CDU-Politikerin wies darauf hin, dass es immerhin in den fünf Jahren gelungen sei, den Unterrichtsausfall zu halbieren. Das Thema Ausbildung stand, wie könnte es anders sein?, im Mittelpunkt des 3. Forums "Politik und Mittelstand", an dem neben Thoben auch Matthias Runge vom Fachverband Metall NRW, Obermeister Erich Heeren (Metall-Innung Coesfeld), der Landtagsabgeordnete Werner Jostmeier. und Ferdinand Limberg, stellvertretender Kreishandwerksmeister, teilnahmen. Um den Anschluss nicht zu verlieren, seien in den letzten Jahren insgesamt rund 20 Millionen Euro in die Werkstätten investiert worden, rechnete Dr. Michael Oelck, Hauptgeschäftsführer der Kreishandwerkerschaft vor, die neuesten Anschaffungen seien mit 500.000 Euro gefördert worden. "Jeder Cent ist gut angelegt", hob er hervor und dankte Thoben ausdrücklich für die Unterstützung des Landes. Limberg nannte einen weiteren Grund dafür, so viel Geld in die Hand zu nehmen: das Handwerk müsse auch attraktiv bleiben für junge Leute. "Ab 2015 werden wir wegen des demografischen Wandels Probleme haben, Nachwuchs zu bekommen", prophezeite er.

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