Kreis Coesfeld
"Reif für die Selbstständigkeit"

Kreis Coesfeld. Pättken statt Champs-Élysées, Longinusturm statt Tour Eiffel: Schon vor Jahren hat die gebürtige Pariserin Maryse Hörnemann das Flair ihrer Heimatstadt gegen den Charme des Münsterlandes getauscht. Bereut hat sie diesen Schritt noch keine Minute: "Ich lebe gern hier und vermisse das Großstadtleben nicht", sagt sie. Zum vollkommenen Glück fehlten ihr, die erst...

Dienstag, 03.08.2010, 00:08 Uhr

Kreis Coesfeld . Pättken statt Champs-Élysées, Longinusturm statt Tour Eiffel: Schon vor Jahren hat die gebürtige Pariserin Maryse Hörnemann das Flair ihrer Heimatstadt gegen den Charme des Münsterlandes getauscht. Bereut hat sie diesen Schritt noch keine Minute: "Ich lebe gern hier und vermisse das Großstadtleben nicht", sagt sie. Zum vollkommenen Glück fehlten ihr, die erst Deutschland, dann einen Deutschen kennen und lieben gelernt hat, nur ein paar Blätter Papier: ein unbefristeter Arbeitsvertrag. Als im Februar 2009 wieder eine zeitlich limitierte Tätigkeit an einem Gymnasium ausläuft und die Zukunftsperspektiven unklar sind, zieht Maryse Hörnemann einen Schlussstrich und markiert damit zugleich die neue Startlinie. Sie will in Coesfeld ihre eigene Schule für Nachhilfe und Sprachunterricht gründen. "Ich war einfach reif für die Selbstständigkeit ", erinnert sie sich.

Die erste Station auf dem Weg in ihr neues Berufsleben ist eine Informationsveranstaltung der wfc Wirtschaftsförderung Kreis Coesfeld GmbH und deren Partnern aus dem gwc.netzwerk für Gründung und Wachstum im Kreis Coesfeld. Hier erhält Maryse Hörnemann Antwort auf viele Fragen: Wie kann Selbstständigkeit gefördert werden, was ist im Hinblick auf die Sozialversicherung zu beachten, und wie teuer wird die Steuer? "Es ist sehr wichtig, an dieser Veranstaltung teilzunehmen, um den notwendigen Durchblick zu gewinnen", empfiehlt die Wahl-Coesfelderin allen, die sich mit Gründungsgedanken tragen. Zudem ist die Teilnahme Voraussetzung für weiterführende Beratungen im mehrstufigen Beratungssystem.

Die nächste Station für Maryse Hörnemann ist die Einzelberatung bei Annette Görlich von der wfc. Die wfc ist das einzige Startercenter NRW der Region und damit zentrale Anlaufstelle für angehende Unternehmer. Die Berater finden die passenden Förderprogramme und verfassen Stellungnahmen zur Tragfähigkeit des Unternehmens - denn gefördert wird nur, wenn die Marktchancen gut sind. "Das ist nicht immer der Fall, und etwa ein Drittel unserer Beratungen enden mit der Empfehlung, die Geschäftsidee nicht zu realisieren", sagt Annette Görlich und fügt an: "Diese sorgfältige Prüfung rechnet sich, denn von den Gründungen, die von einem Startercenter begleitet werden, sind nach fünf Jahren 80 bis 90 Prozent, ohne Startercenter dagegen nur 60 Prozent am Markt."

Für Maryse Hörnemann hat sich der Gang zur wfc gelohnt: Sie erhält den Gründungszuschuss zur Sicherung des Lebensunterhalts in den ersten Monaten, Zuwendungen aus dem Beratungsprogramm Wirtschaft für professionelle Hilfe bei der Entwicklung des Geschäftsplans und einen Zuschuss zum Gründercoaching im ersten Unternehmensjahr. Töchter und Ehemann geben weitere Starthilfe. Sie packen bei der Renovierung und Einrichtung der Büroräume an und haben viel Verständnis für die neue Situation, in der Maryse Hörnemann die Anspannung anzumerken ist. "Der Rückhalt der Familie ist für die Gründung ebenso wichtig wie die eigene Motivation", sagt Annette Görlich.

Ein Jahr nach der Gründung ist diese Motivation bei Maryse Hörnemann noch immer sehr hoch. Heute unterrichtet sie drei statt 30 Schüler wie früher auf dem Gymnasium. Sie kann viel mehr auf die einzelnen Persönlichkeiten eingehen. Späte Feierabende nimmt sie gern in Kauf. "Wenn man etwas mit Begeisterung macht, fällt es nicht schwer", sagt sie. Eine Bestätigung für ihre Arbeit erhält sie von ihren Kunden und von einer Unternehmensberaterin, die sie für das Gründercoaching engagiert hat. Die im Geschäftsplan formulierten wirtschaftlichen Ziele ihrer Selbstständigkeit hat Maryse Hörnemann bis jetzt erreicht. "Es war die richtige Entscheidung", sagt sie.

0 In der nächsten Folge geht es um ein Dülmener Unternehmen, das Flammschutzmittel entwickelt. Wie können die neuen Ideen gefördert werden?

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