Ascheberg
Bis zur skurrilen Begegnung im Unterholz

Donnerstag, 29.12.2011, 08:35 Uhr

Herbern / Ascheberg . Es hätte alles so schön sein können: ein kleines Fachwerkhaus mit Birnbaum davor, ein idyllischer Garten, nette Nachbarn. Aber das wäre eben nicht „hartmutesk“ genug. Deswegen lässt Oliver Uschmann seinen Anti-Helden einmal mehr mitten in ein Katastrophenszenario tappen. Heißt: Das romantische Fachwerkhaus entpuppt sich als ausgemachte Ruine mit Eigenleben und die Nachbarn pflegen eine höchst merkwürdige Art der Naturverbundenheit. „Wandelgermanen“ nennen sie sich und geben mit dieser original Uschmannsche Wortschöpfung dem neuesten Buch des Herberner Autors den Titel. Am Mittwoch stellte Oliver Uschmann, der sich bereits mit seinen ersten beiden „Hartmut-und-ich“-Büchern einen Namen machte, sein neuestes Werk mit dem Untertitel „Hartmut und ich im Wald“ in der Buchhandlung Angelkort vor.

„Es gibt Zugezogene, bei denen reicht es, wenn sie in den Schützenverein gehen“, weiß Oliver Uschmann. Bei Hartmut und dem Ich-Erzähler reicht das allerdings lange nicht. Auf die beiden Protagonisten kommen in Uschmanns drittem Buch mit den „Wandelgermanen“ ganz andere Abenteuer zu. Schließlich ist „Wandeln“ etwas anderes als „Wandern“ und will gelernt sein. Doch zum Anfang der Geschichte: Hartmut, der Icherzähler, deren beide Freundinnen, eine Katze und eine Schildkröte, werden dank Abriss ihres alten Mietshauses obdachlos und beschließen aufs Land zu ziehen. Hartmut, immer für eine Überraschung gut, ersteigert kurzerhand für 8000 Euro ein Haus im Hohenloher Land in der tiefsten Baden-württembergischen Provinz, das sich als totale Ruine herausstellt. Ab hier driftet so langsam alles ins Absurde ab: die Nachbarn hängen einem dubiosen Germanenkult oder einer unfähigen Wehrsportgruppe an, die Freundinnen sind längst geflohen, das zuständige Bauamt scheint eine Dependance von Alices Wunderland zu sein und das Haus verweigert vehement die Renovierung. Aber zum Glück erscheint ein wundertätiger Restaurator und Zimmermann mit seinen zwölf Helfern . . .

Oliver Uschmann hat mit dem „Wandelgermanen“ ein Buch geschrieben, das dem Leser Lachtränen in die Augen treibt. Mit Skurrilität und Wortwitz führt er seinen namenlosen Ich-Erzähler und dessen Alter Ego Hartmut durch ein Panoptikum absurder Szenarien. Für reichlich Amüsement sorgte bei der Lesung unter anderem Uschmanns wortreiche Schilderung eines Zusammentreffens der ursprünglich gekleideten „Wandelgermanen“ mit einem „Rudel japanischen Touristen“ im tiefsten Unterholz. Wenn die Protagonisten dann noch in die typisch deutsche Institution „Baumarkt“ geraten, gelingt dem Autor auch ein zwinkernder Blick auf das Heimwerkertum. Wie soll man sich im Labyrinth von „Rapillen“, „Breiter Masse“ und „Abschaum“ zurecht finden?

„Ich habe natürlich nur die hysterischen Stellen rausgesucht“, meint der Autor augenzwinkernd bei seinem Vortrag in der voll besetzten Buchhandlung. Diese ist nicht nur erste Station der Lesung, sondern auch Ausgangspunkt für eine ungewöhnliche Lesereise, auf die sich der 30-jährige begibt - barfuß. In zehn Städten wird der Autor sein neues Buch vorstellen und die Wege dorthin per pedes zurücklegen. Ganz Wandelgermane eben.

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