Ascheberg
Abzocker belasten Konto des ALS-Hilfevereins

Dienstag, 06.09.2011, 19:09 Uhr

Ascheberg - Claudia Weber ist empört: „Als der Drucker für die Kontoauszüge nicht aufgehört hat, habe ich gedacht, dass Spendengelder eingegangen sind.“ Doch die Vorsitzende des Vereins „Diagnose ALS Was nun?“ sah beim Blick auf den Kontoauszug keine neuen Haben-Positionen, sondern Buchungen im Soll. Dem Verein wurden „Online-Spiele“ in Rechnung gestellt. Wie das passierte, ist der Vorsitzenden ein Rätsel. Sie wird bei der Kriminalpolizei Strafanzeige stellen.

Claudia Weber sieht den Verein als Vermächtnis ihres Mannes Matthias, der an der unheilbaren Nervenkrankheit gestorben ist. Sie will anderen Menschen helfen, mit der Krankheit besser umzugehen und sie betreibt Lobbyarbeit für die vergessene Krankheit. Aktuell wollte sie Spendengelder einsetzen, damit das Buch eines Iraners, der seit 14 Jahren an ALS erkrankt ist, ins Deutsche übersetzt werden kann: „Jetzt muss ich erst einmal die Lastschriften zurückordern, zur Polizei und prüfen ob wir uns gegen solche Dinge schützen können“, ist Weber enttäuscht, die eigentliche Arbeit zuerst in die zweite Reihe stellen zu müssen.

Im Verein selbst ist für das Abheben von Spendengeldern laut Satzung eine doppelten Unterschrift nötig. „Nur wenn zwei Mitglieder unterschreiben, gibt es Geld“, sagt Claudia Weber. Dass Unbekannte einfach so Geld per Lastschriftverfahren abbuchen können, ist ihr ein Rätsel.

300 Euro wurden bisher abgebucht und beim Geldinstitut zurückgefordert. Zumindest bei einem Abbucher ist klar, dass er mit dieser Masche schon länger unterwegs ist. Wer den Namen googelt findet ein Fülle von Abzocke-Geschichten.

„Wir leiten Anzeigen aus diesem Bereich immer sofort an das LKA oder BKA weiter“, ist diese Form der Internetkriminalität für Polizei-Pressesprecher Ralf Storcks nicht neu. Betroffen sind Privatpersonen, aber auch Firmen. „Die Täter setzen darauf, dass bei vielen Buchungen eine kleine Abbuchung übersehen wird“, erklärt Storcks. Vereine geraten ins Visier von Kriminellen, weil ihre Kontonummer oft im weltweiten Netz zu finden ist. „Wir leben von Spendengeldern, deswegen müssen wir auch unsere Kontonummer öffentlich machen“, sieht Claudia Weber keine Alternative für den gemeinnützigen eingetragenen Verein „Diagnose ALS was nun?“. Sie würde sich wünschen, dass der Gesetzgeber aktiv wird.

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