Empfindsam, aber nicht rührselig
Ascheberger Duo zeigte sich als echter Glücksgriff / Benefizkonzert mit Mirijam Contzen und Tobias Bredohl

Ascheberg -

Meldungen über das Erdbeben und die Atomkatastrophe in Japan bilden kaum noch mehr als Randnotizen. Doch das Leid der Menschen, ihre Sorge vor Folgeerkrankungen, die auf unbestimmte Zeit verstrahlte Umwelt, bleiben aktuell. Lichtblicke für die Kinder aus der Katastrophenregion möchte die „Kinderhilfe Japan“ ermöglichen. Sie lud mit Unterstützung der Musikschule Ascheberg und des Kunst- und Kulturvereins „Kukaduh“ zu einem Benefizkonzert mit Mirijam Contzen (Violine) und Tobias Bredohl (Klavier) ein.

Montag, 12.12.2011, 20:12 Uhr

Der Auftritt im ausverkauften Bürgerforum war für die Künstler gewissermaßen ein Heimspiel. Denn beide stammen aus der Gemeinde Ascheberg und sind trotz internationaler Karrieren noch hier verwurzelt. Die Eintrittsgelder ihres Konzerts stellten Contzen und Bredohl dem gemeinnützigen Verein „Kinderhilfe Japan Kesennuma“ zur Verfügung. Dieser wurde von der Stadt Hamm, der Wirtschaftsförderung Hamm, dem Öko-Zentrum NRW und engagierten Unternehmern gegründet. Der Vereinsvorsitzende Manfred Rauschen war zu Gast im Bürgerforum und klärte vor Konzertbeginn über die Verwendung der Spenden auf: „Das Geld kommt der Infrastruktur für die Kinder in Kesennuma zugute, damit sie sich von ihren Traumata erholen können.“

Brahms Sonate für Violine und Klavier Nr. 2 A-Dur op.100 eröffnete das Konzert. Dabei schufen Contzens Geigenklang und Bredohls Farbenreichtum eine leichte, fast unwirkliche Atmosphäre. Die Intention des Meisterwerks der Kammermusik leuchtete golden durch die Interpretation, die die beiden Ausnahmemusiker zu Gehör brachten. Die Linie zwischen Klavier und Violine und beinahe tänzerische Momente vermittelten die freudige, glückliche Stimmung, die den Komponisten beim Schreiben beseelte.

Dass Komponisten klassischer Musik aktuellen Aufführung ihrer Werke nicht selbst beiwohnen können, liegt in der Natur der Dinge. Schließlich gibt es ja nicht viele lebende Vertreter ihrer Art. Zu den wenigen Ausnahmen zählt Stefan Heucke. Der Komponist hörte beim Konzert im Bürgerforum eine hervorragende Interpretation seiner zweiten Sonate für Violine und Klavier. „Ich habe dieses Werk vor zwei Jahren komponiert. Es ist also ein neues Stück, aber sie brauchen sich nicht zu fürchten, es ist keine moderne Musik, die sie direkt aus dem Saal treibt“, erklärte Heucke den Konzertbesuchern. In der Tat zeigte sich die originelle Sonate voller heiterer Empfindungen mit vielen Verbindungen zur Tradition. Dabei spürte man fast in jedem Takt die lebensfrohe Leichtigkeit Liguriens, wo Heucke das Werk verfasst hat.

Der zweite Teil des Konzerts bildete die Sonate für Klavier und Violine Nr. 7c-Moll op. 30 Nr. 2 von Beethoven. Mirijam Contzen interpretierte die starken Klänge mit Hingabe, auch in den feinsinnigen, stillen Momenten des Konzerts blieb die Leidenschaft der Violinistin spürbar. Als idealer Mitgestalter am Flügel bewährte sich Tobias Bredohl, der neben sicherer Technik sensible Anschlagskultur zeigte und stets in bestem Einvernehmen mit der Violinistin stand. Das Ascheberger Duo zeigte sich als echter Glücksgriff , wagte Expressivität und Empfindsamkeit ohne rührselig zu wirken. Das Publikum bedachte die Musiker mit begeistertem Applaus und forderte den Künstlern noch mehrere Zugaben ab.

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