„Segeln“ steht auf dem Stundenplan
Das andere Lernen in der Profilschule: Kinder nehmen das Erforschen der Welt in die eigenen Hände

Ascheberg -

„Segeln“ an der Profilschule Ascheberg: Nicht der Lehrer steht auf der Kommandobrücke des Klassenschiffes und sagt den Kindern, was sie wie zu tun haben. Nein, jedes Kind „segelt“ mit dem eigenen Boot los, Justus in Richtung Zahlenraum, Maximilian nimmt Kurs auf die Märchenwelt, Marlene kreuzt über die deutsche Landkarte. Die Kinder nehmen ihr Lernen über drei Mal zwei Schul-Stunden während der Woche in die eigenen Hände. „Selbstgesteuertes Lernen“ heißt das im pädagogischen Konzept der Schule.

Montag, 12.12.2011, 08:12 Uhr

Kann das funktionieren, wenn alle Kinder 90 Minuten ihre eigenen Wege gehen, lernen sie dabei etwas, erreichen sie Ziele, bricht nicht eher ein völliges Chaos aus? Für die „Segelstunden“ stellen sich Erwachsene Fragen über Fragen, denn sie waren klassisch mit dem Lehrer auf der Kommandobrücke unterwegs.

Montag, 9.50 Uhr, Klasse 5e, Lehrerin Susanne Wachholz muss nicht viel erklären. In der ersten Phase wird organisiert. „Wir müssen im Wochenplaner mindestens in vier Fächern Ziele, die wir erreichen wollen, aufschreiben“, erklärt Laurin das Geschehen. Aus den Wochen- werden dann für den Montag Tagesziele notiert. Zum ersten Ziel decken die Mädchen und Jungen sich mit dem nötigen Material ein. Mittlerweile wissen alle Kinder, was sie zu tun haben, deswegen geht es ruhig zu und er wird fast mucksmäuschen still, denn in der nächsten Phase, der Einzelarbeit, ist Ruhe wichtig. Maximilian vertieft sich in ein Märchenbuch, Marlene nimmt sich Deutschland und seine Bundesländer vor. Justus und Tim beschäftigen sich mit einer Matheaufgabe. Fünf Mädchen und Jungen haben sich entschieden einen Leistungsnachweis in Mathe nachzuholen. Der erste Anlauf ging daneben, die Fehler sind besprochen, jetzt gibt es die zweite und für diesen Teil letzte Chance, eine gute Note zu erzielen.

Mit einem leichten Schlag auf die Tischklingel beendet Susanne Wachholz die erste „Stillphase“. Es folgt wieder eine Organisationszeit. Die nächste Phase sieht Einzel- und Gruppenarbeit vor. „Jetzt ist die ganze Schule unser Klassenraum“, erklärt Marlene, denn überall hocken Mädchen und Jungen zusammen, um Aufgaben gemeinsam zu lösen. Jost und Justus verschwinden auf den Flur, sie nutzen diese Zeit, um sich gegenseitig Märchen vorzulesen. Beide üben für einen Vortrag am Mittwoch.

Einer dritten Organisations- folgt noch eine dritte Arbeitsphase. Gunnar schließt hier den letzten Arbeitszettel eines Mathekomplexes ab. Was er errechnet hat, prüft er selbst. Alles richtig. Erfreut setzt er einen Haken hinter die Zeile und klebt einen grünen Punkt ins Kompetenzraster. „Ich musste bei der Aufgabe vier Arbeitsblätter richtig ausfüllen. Das habe ich geschafft, deswegen bekomme ich den grünen Punkt“, erklärt Gunnar. Auf dem Kompetenzraster ist noch viel Platz für grüne Punkte – das Schuljahr ist schließlich noch lang.

Lehrerin Susanne Wachholz und Sozialarbeiterin Kirsten Bayer sind die ganze Zeit unterwegs, spornen an, ermahnen, geben Tipps, engen aber den Raum zur eigenen Antwort nicht ein. Lösungen sollen die Kinder selber finden.

Die Phasen, in den Dinge zu erledigen sind, gehören zur Struktur, die ein erfolgreiches Lernen ermöglicht. Einzelne Regeln zum Geschehen hängen an den Wänden, sind aber großteils schon in den Köpfen, denn die 90 Minuten laufen ruhig, stressfrei und für die meisten Kinder erfolgreich. Das jedenfalls schreiben sie als Kommentar zum Erreichen ihrer Tagesziele in den Wochenplaner. Lehrerin Susanne Wachholz zeichnet diese Einträge ab und ist so im Bilde, was die Mädchen und Jungen an diesem Morgen gelernt haben.

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