Profi-Autoren eröffneten Literaturtage mit heiter unterhaltsamer Lesung
Kampftrinker und sprechende Katzen

Ascheberg -

Mit „Haltloser Prosa“ gestalteten die Autoren Thomas Pletzinger, Oliver Uschmann, Jutta Richter und Ralf Thenior einen unterhaltsamen Abend.

Mittwoch, 24.10.2012, 13:10 Uhr

Profi-Autoren eröffneten Literaturtage mit heiter unterhaltsamer Lesung : Kampftrinker und sprechende Katzen
Die Profis haben vorgelegt und gezeigt wie es geht: Zum Auftakt der „Haltlosen Prosa“ begeisterten (v.l.) Thomas Pletzinger, Oliver Uschmann, Jutta Richter und Ralf Thenior mit ihren Texten. Musikalisch umrahmt wurde der Abend von Michael Lippert, Foto: nico

„Wenn ich hier ‚Profi-Autor’ genannt werde, macht mich das ganz hibbelig. Das gibt richtig Druck.“ Anzumerken ist Oliver Uschmann davon nichts. Im Plauderton gibt er Erlebnisse von „Hartmut“ zum Besten, streut hier und da noch einen Kommentar ein und unterhält das Publikum im Bürgerforum bestens. Wie das geht, wissen die vier renommierten Autoren der Jury des Wettbewerbs „Haltlose Prosa“ aus dem Effeff. Als souveräne Vorbilder zeigen sich Thomas Pletzinger, Jutta Richter , Ralf Thenior und Oliver Uschmann am Dienstag bei der Auftaktveranstaltung der Aktion „Haltlose Prosa“. Die zwölf Nachwuchsautoren, die bei dem Schreibwettbewerb als Preisträger erkoren wurden, sitzen im Publikum und lauschen ihren künftigen Lehrmeistern. Zwei Tage lang wird der Nachwuchs mit den Profis in Workshops arbeiten. Die Ergebnisse werden am Freitag in einer Lesung im Hotel-Restaurant Clemens-August in Davensberg zu hören sein.

Auch wenn „Profi-Autoren“ gekonnt formulieren und vortragen können: Fehlerlos sind sie deswegen noch lange nicht. „Ich bin angereist und habe alle meine Bücher vergessen“, gesteht Thomas Pletzinger. Gut, dass es helfende Hände gibt. „Der Bürgermeister höchstpersönlich hat mir den Text ausgedruckt und in einer Hauspostmappe auf den Tisch gelegt, sodass ich jetzt dennoch lesen kann“, freut sich der Autor. Der gebürtige Münsterländer liest aus der Kurzgeschichte „Bruck“, mit der er 2006 den MDR-Literaturpreis gewann und schildert den Lebensrückblick eines Mannes, dem wegen Diabetes ein Bein amputiert werden soll.

Gibt es eine triftigen Grund, um jeden Morgen zu spät zur Schule zu kommen? Die Protagonistin Christine aus Jutta Richters „Die Katze oder Wie ich die Ewigkeit verloren habe“ findet, schon. Schließlich sitzt auf ihrem Weg eine sprechende Katze, die sich unterhalten will. Lebhaft, mit knappen Sätzen und poetischen Formulierungen liest die Autorin aus ihrem Kinder- und Jugendbuch und bekommt viel Applaus vom Publikum.

Ganz andere Sprachbilder entwirft Ralf Thenior bei seiner Lesung aus „Strange Kebab“. In zwölf kleinen Geschichten schildert der Dortmunder Wahrnehmungen aus dem Ruhrgebiet, erzählt von den „Kampftrinkern an der Bude“ und sorgt mit der Schilderung einer Zugfahrt mit zwei „leichten Damen“ in Davensberg für Erheiterung.

„Herbern dürfen wir wohl inzwischen als Literaturdorf bezeichnen. Es scheint der Kreativität förderlich zu sein“, vermutet Melanie Wiebusch von Ascheberg Marketing, die den Leseabend moderiert. Ebenso wie Jutta Richter lebt und arbeitet auch Oliver Uschmann im südlichen Gemeindeteil. Hier entstanden die skurrilen Geschichten um „Hartmut“, mit denen Uschmann in den Bestseller-Listen landete und mit denen er auch bei der Lesung amüsiert.

Musikalisch umrahmt werden die Texte von Michael Lippert, der Bach, Mozart und Chopin am Flügel erklingen lässt.

Der Auftakt für die „Haltlose Prosa“ ist gemacht, jetzt geht es an die Arbeit. Die Preisträger des Wettbewerbs werden nun mit den Profis ihre Texte verbessern, verändern oder gar ganz neu schreiben. „Wir sind für alles offen“, betont Jutta Richter. Sie hofft, dass Ascheberg „in welcher Form auch immer“ in die Texte der Nachwuchs-Autoren einfließen wird. Am Dienstag in der Gemeinde angekommen, fühlen sich die jungen Literaten hier offenbar schon ganz wohl, weiß Dr. Susanne Schulte von der Gesellschaft zur Förderung der Westfälischen Kulturarbeit (GWK), Mitveranstalter der „Haltlose Prosa“: „Die jungen Leute haben sich sofort zusammengefunden. Das sind eben Gleichgesinnte mit der selben Leidenschaft“.

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