Weltumradler Großerichter zurück im Alltag
Ich tue mich schwer, es zu begreifen

Herbern -

Am Donnerstag hat Thomas Großerichter wieder auf seinem Rad gesessen. Drei Tage nach dem Weltrekord, den das Guinness-Buch noch bestätigen muss, fällt es dem Herberner schwer, die Zeit fürs Training zu finden. Doch zwei, drei Stunden an fünf Tagen die Woche sind alternativlos.

Mittwoch, 20.02.2013, 14:02 Uhr

105 Tage, eine Stunde und 44 Minuten liegen zwischen diesen beiden Fotos von Weltumradler Thomas Großerichter vor dem Brandenburger Tor Links vor dem Start, rechts nach dem erfolgreichen Rückkehr.
105 Tage, eine Stunde und 44 Minuten liegen zwischen diesen beiden Fotos von Weltumradler Thomas Großerichter vor dem Brandenburger Tor Links vor dem Start, rechts nach dem erfolgreichen Rückkehr. Foto: dpa/Cycling the World

Am Donnerstag hat Thomas Großerichter wieder auf seinem Rad gesessen. Drei Tage nach dem Weltrekord , den das Guinness-Buch noch bestätigen muss, fällt es dem Herberner schwer, die Zeit fürs Training zu finden. Doch zwei, drei Stunden an fünf Tagen die Woche sind alternativlos: „Das Herz- und Kreislaufsystem muss langsam heruntergefahren werden“, sagt der Weltrekordler. Nach 105 Tagen, einer Stunde und 44 Minuten in den Alltag zu wechseln, ist nicht einfach. Aktuell ist Großerichter bei den Medien gefragt: Sky Sport News HD, die Aktuelle Stunde und SAT 1 haben von der Tour um die Welt berichtet. Zeit fürs Verarbeiten der Eindrücke ist noch nicht geblieben. „Ich tue mich schwer, es zu begreifen. Das hat schon bei meinen anderen Touren einige Zeit gedauert. Diese Tour war noch viel krasser. Wenn ich über den Globus schaue, fällt es schon schwer die eigene Leistung zu begreifen“, erzählt der Herberner.

Priorität hat zuerst einmal, den Weltrekord ins Buch der Weltrekorde zu bringen. „Wir müssen das Logbuch und die Dateien aus meinem Navigationssystem zusammen mit Videos und Fotos zum Guinness-Buch schicken. Dafür müssen wir noch einige Dateien umwandeln. Eine Antwort soll dann nur wenige Tage dauern“, beschreibt Großerichter den formalen Akt.

Während Robert Cramer das Video- und Bildmaterial auswertet und an einer DVD über die Tour um die Welt arbeitet, bereitet Großerichter sich auch darauf vor, Vorträge über die Tour zu halten. Gerne gibt er sein Wissen für Mental- oder Motivationstraining weiter. Sicher ist, dass „wir den ersten Vortrag schon bald in Herbern halten werden“. Denn der Kloß im Hals beim Aufeinandertreffen mit seinen „allergeilsten“ Fans ist zwar gerutscht, aber der Eindruck ist geblieben: „Der schönste, emotionalste Moment war die Ankunft in Herbern. Wir hatten über Facebook gesehen, dass es die Menschen interessiert. Mit so einer Menge hatten wir aber nicht gerechnet. Was Familie, Nachbarn und Herberner auf die Beine gestellt haben, war überragend.“ So stand für ihn kurz hinter Herbern fest, dass er bis Berlin durchradeln würde: „Das Erlebnis in Herbern hat Kräfte freigesetzt, hat mich getragen.“ So fuhr er die letzten 680 Kilometer mit einer Pause in der Heimat durch. Als es nachmittags von Berlin mit dem Auto in Richtung Heimat ging, hat der Weltrekordler kein Auge zu bekommen. In Herbern haben Großerichter und seine Begleiter Robert Cramer und Pedro Carvalho noch Sylvester gefeiert. Erst nach zwei Tagen war der Herberner reif für den ersten Schlaf.

Das Gegenstück zu Herbern waren Etappen in den USA. „In Oregon und Washington kam der Wind tagelang von vorne. Das waren knüppelharte Tage“, berichtet Großerichter. Hart geriet auch die Rückkehr in Europa. Bei der Ankunft in London schmerzten die Muskeln so sehr, dass der Herberner fast einen Rollstuhl genommen hätte. In Lissabon wurde es nicht besser. „Das war völlig neu für mich. Ich habe mit Ottmar Sievers und Christian Trippler telefoniert, die mich beraten haben. Sie haben gesagt, dass es wieder gehen wird. Ich bin dann zwei Tage mit Schmerzmitteln gefahren. Danach wurde es besser“, atmet Großerichter noch einmal durch.

Die Eindrücke der Tour melden sich erst langsam im Gedächtnis zurück. Der Herberner berichtet: „Es gibt Regionen zu denen mir keine Bilder einfallen, etwa die Ukraine. In Australien lief es gut, da habe ich mehr vor Augen. Ich kann mich an Gesichter erinnern. So viele habe ich unterwegs nicht gesehen. Teilweise bin ich bewusst im Trance-Zustand gefahren. Da ist auch nichts vorhanden. Ich bin gespannt, wie das weitergeht.“

Drei Fragen an Robert Cramer

Wie war es, Thomas um die Welt zu begleiten?

Robert Cramer: Es war anstrengend und ein Riesen-Abenteuer. Wir wussten alle nicht, was uns erwartet und haben mit jedem Kilometer dazugelernt. Den Rekord zu brechen war das Ziel, auf das wir alle drei jeden Tag und jede Nacht hingearbeitet haben und für den wir alles gegeben haben!

Wie viele Stunden Videomaterial und wie viele Bilder sind etwa entstanden?

Cramer: Ich habe rund 35 Stunden Rohmaterial zu verarbeiten und freue mich wahnsinnig auf den Schnitt! Die Fotos haben wir noch nicht zählen können, wir müssen mal sondieren und im Anschluss wird es ein Highlight-Fotobuch geben.

Wie lange braucht es etwa, bis eine DVD der Tour verkaufsbereit ist?

Cramer: Der Schnitt vom Film kann bis Ende März dauern, ein genaues Verkaufsdatum für die DVD veröffentlichen wir noch.

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