Ulrike Schlottbohm
„Alle Schüler waren mir wichtig“

Ascheberg -

Auf der Zielgeraden des Berufslebens nehmen Menschen schon einmal den Fuß vom Gaspedal. Ulrike Schlottbohm hat es nach 35 Jahren im Schuldienst nicht ausklingen lassen, sondern als Mitautorin des Profilschul-Konzeptes und Premierenlehrerin der Schule fünfeinhalb spannende Jahre erlebt. Bevor die Aschebergerin am 18. Juli den Zielstrich passiert, fragte WN-Redakteur Theo Heitbaum nach, wie Ulrike Schlottbohm diese Zeit erlebt hat.

Mittwoch, 17.07.2013, 09:07 Uhr

Wer hat Sie damals eigentlich gefragt, ob Sie beim Entwickeln des Profilschul-Konzeptes mitmachen möchten und warum haben Sie ja gesagt?

Ulrike Schlottbohm: Dieter Emthaus rief mich an, ob ich mir eine Mitarbeit vorstellen könnte. Ich war überrascht, weil ich mich nicht als „Expertin“ sah. Aber da ich seit 1974 an der Hauptschule in Herbern war, kannte ich die Schulsituation im Ort. Außerdem hatte ich irgendwann vorher das Buch „Schule kann gelingen“ über die Helene-Lange-Schule in Wiesbaden gelesen und mich danach immer mehr über Möglichkeiten, Schule zu verändern, informiert. So hatte ich großes Interesse, in der Planungsgruppe mitzuarbeiten.

Sie haben 35 Jahre mit Kindern und Jugendlichen gearbeitet - wie gestaltet sich dann die Zusammenarbeit in einem auch wissenschaftlich besetzten Expertenteam?

Schlottbohm: Ich fühlte mich erst als Lernende und wusste nicht, wie ein Schulkonzept entsteht. Aber ich konnte meine Erfahrungen aus der Schulpraxis einbringen. Es wurde bei den Sitzungen viel diskutiert, das Konzept entwickelte sich von Mal zu Mal.

Welche Rolle haben Sie übernommen, mussten Sie die Wissenschaftler erden?

Schlottbohm: Nein, sie haben mich gelehrt immer weiter zu denken, was alles möglich ist. Ich hätte mich nie getraut, so über Schule zu „spinnen“ So bin ich mit auf diesen Weg gekommen. Was ich tun konnte, war, als Ortskundige die örtlichen Gegebenheiten und Vorstellungen mit einzubringen und natürlich die Interessen „meiner“ Hauptschüler zu vertreten. Übrigens sind alle Mitglieder der Planungsgruppe sehr „bodenständig“ und arbeiten zum Teil noch in Schulen.

Sie haben das Umsetzen vor dem ersten Schultag vom Konzept in die Theorie mit dem Premierenkollegium erlebt. Ist da schon etwas auf der Strecke geblieben?

Schlottbohm: Nein, im Gegenteil. Täglich entwickeln Schulleitung, Kollegium und Eltern die Schule weiter. Ich war von Anfang an vom Konzept überzeugt, bin aber immer wieder überrascht, wie gut es funktioniert. Es erfordert einen großen Vertrauensvorschuss der Eltern und sehr engagierte Lehrer, die bereit sind, alles im Team zu erarbeiten und abzusprechen.

Von Konzept über Theorie ging es dann in der Praxis weiter. Haben sich alle Ideen realisieren lassen?

Schlottbohm: Grundsätzlich ja, aber wir haben beispielsweise Profilgruppen statt der geplanten Profilklassen, das hat sich als besser herausgestellt. Ich hätte lieber bis Klasse 8 auf Ziffernzensuren verzichtet, aber das ist meine persönliche Meinung, wir hatten schon in der Planungsgruppe lange darüber diskutiert und wollten es letztlich der Schule überlassen.

Zwei Schuljahre haben Sie in einer neuen Lehrerrolle gearbeitet - wie fällt der Vergleich zu dem aus, was Sie vorher 38 Jahre Tag für Tag getan haben?

Schlottbohm: Ich wollte immer, dass jeder meiner Schüler/innen weiß, dass er/sie mir wichtig ist. Das hat sich nicht geändert. Aber ich habe mehr Verantwortung für das Lernen an die Schüler abgegeben. Es ist mir erst schwer gefallen, mehr beratend zur Seite zu stehen, nicht über alles die Kontrolle zu haben und zuzulassen, dass die Kinder entscheiden, was, wie und mit wem sie lernen.

Nach zwei Jahren müssen Sie nun von der Profilschule, aber auch vom Lehrerberuf loslassen - überwiegen Wehmut oder Freude?

Schlottbohm: Im Moment Wehmut, die Kollegen und die Kinder machen mir den Abschied schwer! Ich bin immer gerne in die Schule gegangen, aber gerade jetzt zum Ende bin ich begeistert, was in Schule möglich ist, bedauere aber, dass diese Art Schule nicht schon viel früher gekommen ist. Aber ich freue mich natürlich auf viel Zeit für meine Familie, Freunde und Hobbys. Noch kann ich mir nicht vorstellen, wie ein Leben ohne Schule ist. Wenn ich das sage, lachen meine ehemaligen, pensionierten Kollegen!

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