Bauern tagen trotz Xaver
Kommunizieren heißt das Zauberwort

Ascheberg -

Merkwürdig sei das ja schon, wie unterschiedlich Fortschritt und Modernisierung in der Öffentlichkeit gesehen würden, meinte Dr. Karl-Heinz Tölle am Donnerstagabend in Frenkings Scheune. Er habe noch nie von irgendeiner Forderung gehört, dass die deutschen Autos wieder in den technischen Stand der 60er Jahre zurückversetzt werden sollten.

Freitag, 06.12.2013, 21:12 Uhr

Merkwürdig sei das ja schon, wie unterschiedlich Fortschritt und Modernisierung in der Öffentlichkeit gesehen würden, meinte Dr. Karl-Heinz Tölle am Donnerstagabend in Frenkings Scheune. Er habe noch nie von irgendeiner Forderung gehört, dass die deutschen Autos wieder in den technischen Stand der 60er Jahre zurückversetzt werden sollten. Die Fahrzeuge seien in der Zwischenzeit schneller, größer und komfortabler geworden. „Und solch ein stetiges Wachstum ist in der Industrie eine Selbstverständlichkeit und wird dort begrüßt“. Doch an die Landwirtschaft würden vollkommen andere Maßstäbe angelegt, hier seien technischer Fortschritt und Wachstum verpönt, so Tölle, und die Bevölkerung wünsche sich Zustände wie zu Opas Zeiten zurück. Der ehemalige Chefredakteur des Landwirtschaftlichen Wochenblattes leitet bei der Interessengemeinschaft der Schweinehalter Deutschlands (ISN) den Geschäftsbereich Agrarpolitik und Marktstruktur.

Dr. Tölle gab auf einem Klönabend der ISN, zu dem trotz „Xaver“ 60 Ferkelerzeuger und Schweinemäster nach Ascheberg gekommen waren, ein Impulsreferat zum Imageproblem, mit dem der Berufsstand zu kämpfen habe, wie ISN-Geschäftsführer Dr. Torsten Staak in seiner Einleitung erklärte. „Unsere Schweinehalter fühlen sich durch die pauschalen Verurteilungen in ihrer Berufsehre gekränkt“. Wie überall, so gebe es natürlich auch hier schwarze Schafe, „aber dann gehören nur die an den Pranger gestellt und nicht wir alle“, betonte Staak. Dr. Karl-Heinz Tölle sprach in diesem Zusammenhang von „Schauermärchen“, welche in „reißerischen Berichten“ unters Volk gebracht würden. Die Antwort darauf war in den vergangenen Monaten in einer Anzeigenkampagne der ISN auch in unserer Zeitung zu sehen gewesen: Dabei wurde ganz gezielt die Person des Landwirts und dessen Familie in den Blickpunkt gestellt. „Die Massentierhaltung ist nicht anonym, sondern es stehen sympathische Menschen dahinter“, lautete Tölles Botschaft. Den Begriff der Massentierhaltung könne er durchaus akzeptieren, „aber wir müssen klar machen, dass es gut ist, was wir tun“.

Kommunizieren, so lautet nach Auffassung des Agrarjournalisten das Zauberwort, mit dem die Landwirte ihre öffentliche Anerkennung aus früheren Jahrzehnten zurückgewinnen können. Wenn man die Verbraucher auf die Höfe hole, dann komme es nicht nur darauf an, Informationen rüberzubringen. „Man muss dann auch zuhören und Kritik aufnehmen können“. Die Gründe, weshalb die Bevölkerung die Arbeit der Bauern heute anders bewertet, lagen für Dr. Tölle auf der Hand: „Vor 50 Jahren hatten die Menschen Angst, hungern zu müssen. Heute haben wir eine satte Wohlstandsgesellschaft“. Dass dieser Wohlstand aber gerade im ländlichen Raum „ein Verdienst unseres Berufsstandes ist“, dessen sei sich heute niemand mehr bewusst, warf Benedikt Selhorst, Landwirt aus Herbern, ein. Schließlich hänge jeder fünfte Arbeitsplatz im Kreis Coesfeld von der intensiven Landwirtschaft ab.

Reden Sie mit uns und nicht nur über uns.

Dr. Karl-Heinz Tölle an die Verbraucher.
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