Boys and Girls Day
Schnuppern in vertauschten Rollen

Ascheberg -

Bohren, schleifen, schrauben statt Mathe, Deutsch und Englisch: Bei Kranbauer Klaas trafen sich gestern Mädchen von Haupt-, Real- und Gesamtschule. Ausbildungsmeister Bernhard Kühnhenrich verschaffte ihnen handwerkliche Arbeit im Betrieb. Handwerkliche Arbeit, die üblicherweise von Männern erledigt wird.

Donnerstag, 27.03.2014, 20:03 Uhr

Bohren, schleifen, schrauben statt Mathe , Deutsch und Englisch: Bei Kranbauer Klaas trafen sich gestern Mädchen von Haupt-, Real- und Gesamtschule. Ausbildungsmeister Bernhard Kühnhenrich verschaffte ihnen handwerkliche Arbeit im Betrieb. Handwerkliche Arbeit, die üblicherweise von Männern erledigt wird. Am Girls Day gewährte nicht nur das Unternehmen im Ascheberger Westen Mädchen Einblicke in immer noch typische Männerberufe. Am Tag, der in Ascheberg besonders von der Gleichstellungsbeauftragten im Zusammenspiel mit den Schulen gepflegt wird, waren auch die Jungs gestern auf anderen Pfaden unterwegs. Florian Landwehr übte sich im Salon Borgmann als Friseur. „Das macht Spaß“, könnte er sogar darüber nachdenken, statt des Eintages-Gastspiele länger dort zu arbeiten. „Für einen Tag ist das ganz gut, sehr interessant“, denkt Antonius Bomholt nicht darüber nach, vom Boys Day-Floristen zum Azubi zu werden. Felix Fittkow, Marius Weustenhagen und Björn Siemund geht es im DRK-Familienzentrum Bügelkamp ähnlich: Der Tag ist interessant, aber die finanziellen Aussichten als Erzieher sind nicht rosig genug.

Nach wenigen Stunden in einem Betrieb tun sich auch Mädchen schwer, das Geschehen zu beurteilen. „Ich weiß nicht so richtig“, zögert Lea Woeste in der Autowerkstatt Schröer mit einer Antwort: „Es gefällt mir hier, aber ob ich das später einmal machen will, kann ich nicht sagen.“ Die Plätze haben die Mädchen und Jungen teilweise gewählt, weil Bekannte dort arbeiten. „Der Freund meiner Schwester ist hier“, erklärt Kimberly Reick, warum sie mit Lea Wunderlich bei Berghaus in Herbern gelandet ist. Johanna Schulte Braucks ist so bei Landmaschinen Bockel untergekommen, Jamie Globig arbeitet im elterlichen Betrieb und streicht mit Devinna Felgenträger als Girls Day-Mitstreiterin im Industriegebiet Nord Gabelstapler.

Die Betriebe haben den Jugendlichen bereitwillig die Türen geöffnet. „Ich möchte ihnen einfach einen Einblick gewähren“, erklärt Josef Schröer. Daniela Klaas erklärt: „Das Frauenbild hat sich im Laufe der Zeit doch mächtig geändert. Gerade bei unseren technischen Zeichnern (teilweise Maschinenbauingenieure) haben wir immer mehr Frauen. Und in einem technischen Beruf ist es natürlich von Vorteil, wenn man sich auch mit der Praxis identifizieren kann. Zumal die Konstruktion auch immer wieder mit den Kollegen in der Produktion Rücksprache halten muss.“

Und dort, wo Männer dominieren, kann man sich durchaus vorstellen, auch Mädchen eine Lehrstelle zu geben. „Warum nicht, wenn das Interesse da ist“, beantwortet Gaby Berghaus die entsprechende Frage.

„Alle Schülerinnen und Schüler, die ich bisher besucht habe, waren zufrieden“, informierte Sozialarbeiterin Uta Kerckhoff. Sie sieht den Tag auch als Schnupperpraktikumstag in einem untypischen Beruf. Und für alle, die sich wundern, dass die Jugendlichen schon jetzt unterwegs waren, erklärt Gleichstellungsbeauftragte Sybille Henz: „Eigentlich ist der Tag immer im April. Wegen der Osterferien ist er aber vorgezogen worden.“ Das Geschehen in den Betrieben wird mit den Teilnehmern später noch einmal aufgearbeitet werden.

Für einen Tag ist das sehr interessant.

Antonius Bomholt
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