Windows schickt XP in Rente
Ein Wechsel im Dienst der Sicherheit

Ascheberg -

Wenn Microsoft im fernen Amerika das Ende des Supports für Windows XP verkündet, ist das keine Information, die Ascheberger kalt lässt. Im Gegenteil. XP läuft auf vielen Rechnern im Gemeindegebiet.

Donnerstag, 10.04.2014, 08:04 Uhr

„Wir haben Handlungsbedarf, aber darüber möchte ich öffentlich nicht reden“, hält ein Unternehmer sich bedeckt. Denn mit der ersten neuen Sicherheitslücke, die nicht mehr geschlossen wird, können Hacker ins Firmennetzwerk eindringen. „Ich habe eigentlich keine Zeit für ein Gespräch, weil so viel zu tun ist“, meldet Jürgen Fuchs , dass viele Unternehmen die Dienste des EDV-Anbieters in Anspruch nehmen.

Microsoft hat alle drei, vier Wochen Sicherheitslücken geschlossen. Wenn das jetzt wegfällt, bekommen Hacker immer mehr Möglichkeiten, in fremde PCs einzudringen“, erklärt Fuchs. Seine Auftraggeber wünschen sich nicht nur eine sichere Windows-Version: „Sie wollen mit ihren Programmen so weiter arbeiten, wie sie das bisher getan haben.“ Alte Rechner sind mit einem neuen Windows schnell überfordert. Deswegen werden in vielen Fällen auch neue Rechner mit Windows 7 geordert. Fuchs mag über die viele Arbeit nicht stöhnen, ist sie doch gleichzusetzen mit guten Geschäften.

Im Ascheberger Rathaus stecken Stefan Kriesinger und Thomas Frye mitten in den Arbeiten. „Wir haben 65 Bildschirmplätze in der Verwaltung und sind beim Umrüsten auf einem guten Weg“, berichtet Kriesinger. Der Wechsel von Windows XP zu Windows 7 ist kein Einfaches „Eins raus, eins rein“, sondern ein arbeitsintensiver Prozess. Bis zu einen Tag beschäftigen sich die Administratoren mit einem PC. Denn die Arbeitsabläufe sollen in der Verwaltung nicht gestört werden. Wie in Privat-Haushalten und Firmen ist mit dem Ende von XP auch die Arbeitszeit von Rechnern abgelaufen, deren Power die neuen Anforderungen nicht mehr stemmen kann. „Das hatten wir im Haushalt schon eingestellt“, sind weder Arbeitsanfall noch Kosten für Kriesinger vom Himmel ins Rathaus gefallen. Ähnliches gilt für die Volksbank. „Wir haben fast alle Rechner bereits auf Windows 7 umgestellt“, informiert Jens Roters, EDV-Fachmann des Geldinstitutes. Zehn Prozent der Rechner mussten erneuert werden.

Bei den Schulen ist die Gemeinde Ascheberg auf einem guten Weg, aber noch nicht am Ziel. Beim schrittweisen Vorgehen wurden die Burgschule und die Hauptschule abgearbeitet. Das EDV-Duo in der Verwaltung hat das Ende der Arbeiten vor Augen. In den Betrieben sieht es anders aus, auch weil die EDV-Fachleute die Aufträge kaum abarbeiten können.

Also Alarmstufe rot? „In meinen Augen gibt es derzeit keinen Grund zur Besorgnis. Gestern gab es die letzten Updates für XP am sogenannten ,PatchDay‘. Microsoft wird bis zum 14. Juli 2015 weiterhin Updates für seine Anti-Malware-Signaturen und -Engine bereitstellen“, erklärt IT-Experte Stefan Häckel. Er gibt zu bedenken: „Für Unternehmen, deren Rechner in Produktionsstraßen laufen und keine Verbindung zum Internet haben, gibt es auch keinen wirklichen Grund zu wechseln.“ Häckel erinnert daran, dass Internetnutzer natürlich einen guten und vor allem aktuellen Virenscanner haben sollten, und resümiert: „Nach 13 Jahren darf XP im schnellen Computerzeitalter in Rente gehen.“ Bei Windows 7 sind Updates übrigens bis 2020 von Microsoft versprochen.

Nach 13 Jahren darf XP im schnellen Computerzeitalter in Rente gehen.

Stefan Häckel

Wir haben Handlungsbedarf, aber das möchte ich öffentlich nicht sagen.

Ein Unternehmer
Anzeige
http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/2380937?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F104%2F158%2F2577999%2F2578001%2F
Besorgter Blick nach Wuhan
Auf einer Straße in Wuhan, der Heimatstadt der in Münster lebenden Jun Zhou, geleitet ein Mann in Schutzkleidung einen möglicherweise Infizierten über die Straße.
Nachrichten-Ticker