Thema: Betriebsübergabe
Zwei Chefs in einer Werkstatt

Ascheberg -

Betriebe aufzubauen, ist schon schwer genug. Sie zukunftssicher zu machen, noch schwerer. Der KFZ-Betrieb Schröer ist mit dem Einstieg des Sohnes fit für die nächsten Jahrzehnte.

Freitag, 11.07.2014, 12:07 Uhr

Als Josef Schröer sich 1986 entschlossen hat, seinen Traum von der eigenen KFZ-Werkstatt zu leben, startete er im Stil einer Fußball-Mannschaft: Schritt für Schritt. Das Grundstück wurde erworben, ein erstes Gebäude errichtet, vier Hebebühnen in Dienst genommen. Urlaub und Freizeit waren Fremdworte. Der Schreibarbeiten wurden sonntags daheim erledigt. „Wir saßen vor dem Computer und Michael ist zwischen unseren Beinen herumgekrabbelt“, schmunzelt Schröer. Vielen Kollegen ist er heute durch Sohn Michael weit voraus: Dessen Einstieg hat die Zukunft des Handwerkbetriebes gesichert. „Viele Kollegen machen sich deswegen große Sorgen“, weiß der Ascheberger KFZ-Meister aus Gesprächen. Die Zukunftsfrage ist gelöst, bevor sie sich gestellt hat.

„Unser Modell lässt sich nicht auf andere Betriebe übertragen, wenn der Nachwuchs kein Interesse hat. Das Übernehmen lässt sich nicht erzwingen“, glaubt Josef Schröer, der den Sohn früher samstags zum Schrauben mitgenommen hat. „Irgendwann in der achten Klasse habe ich gemerkt, dass dies mein Ding sein könnte“, erinnert sich Michael Schröer an den Start. Er ließ sich nach der Schule bei Color in Münster „ganz bewusst auswärts“ zum KFZ-Mechatroniker ausbilden. Die Meisterschule absolvierte er in Nordheim in Vollzeit. Neben allen technischen Dingen interessierte Michael Schröer sich besonders für die wirtschaftliche Seite, so dass er die Schule als KFZ-Betriebswirt verließ.

So wie Josef Schröer den Betrieb aufgebaut hatte, wurde der Sohn integriert: Schritt für Schritt. Heute sagt der Senior: „Michael kann mich zu 100 Prozent vertreten.“

Zwei Chefs in einem Betrieb - wie geht das? Josef und Michael Schröer haben seit dem Hineinwachsen des Sohnes keine Probleme gehabt. Vater Josef spricht vom Gegenteil: „Wir haben ein sehr harmonisches Miteinander.“ Einerseits ist der Betrieb ständig gewachsen. Wo früher vier Hebebühnen im Einsatz waren, sind es heute zehn. 15 Mitarbeiter, darunter neben den Schröers ein weiterer Meister, sind in dem Handwerksbetrieb an der Hansalinie aktiv. Andererseits werden Autos fortentwickelt, es erfordert einiges an Wissen, um alle Sorgen der Kunden ausräumen zu können. „Manches weiß ich besser, anderes Vater“, ergänzen die Schröers sich aus Sicht des Sohnes. Natürlich, räumt er ein, gibt es auch Mal Diskussionen um den richtigen Weg. Sie sind allerdings zielorientiert. Am Ende muss ein defektes Auto eben wieder zuverlässig spuren.

Obwohl neben Vater und Sohn auch Josefs Frau Hildegard im Büro mitarbeitet, sind die Firma und die Arbeit höchstens beim Mittagessen Gesprächsthema. Ansonsten läuft es so rund, dass abends andere Themen anstehen, ein Ausgleich zur Sechs-Tage-Woche möglich ist. Josef Schröer ist dankbar für die Perspektive seines Lebenswerkes: „Es ist ein wahnsinniger Vorteil, einen Nachfolger zu haben.“

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