Die Videowagen-Crew
Ihr Revier ist die Autobahn

Ascheberg -

Ihr Revier ist die Autobahn, ihr Tempo ist mörderisch . . . – nein, nein, vorne im unscheinbaren Passat sitzen keine Crash-Cops aus dem Fernsehen.

Samstag, 11.07.2015, 12:00 Uhr
Veröffentlicht: Samstag, 11.07.2015, 12:00 Uhr
Auch wenn  Raimund Schöpe und Günter Rüschenschmidt wie Urlauber wirken: Die beiden Ascheberger sind als Zivilisten der Polizei mit einem Videowagen auf der A 1 unterwegs.
Auch wenn  Raimund Schöpe und Günter Rüschenschmidt wie Urlauber wirken: Die beiden Ascheberger sind als Zivilisten der Polizei mit einem Videowagen auf der A 1 unterwegs. Foto: hbm

Ihr Revier ist die Autobahn, ihr Tempo ist mörderisch . . . – nein, nein, vorne im unscheinbaren Passat sitzen keine Crash-Cops aus dem Fernsehen. Günter Rüschenschmidt und Raimund Schöpe geben zwar schon einmal richtig Gas, lösen aber keine Unfälle aus. Im Gegenteil: Sie sollen hartnäckige Verkehrssünder in die Grenzen verweisen und so für mehr Sicherheit sorgen. Die beiden Ascheberger sind als Zivilisten mit einem Videowagen der Polizei Münster unterwegs.

Parkplatz Westerwinkel: Rüschenschmidt und Schöpe beobachten den Verkehr, der links an ihnen vorbeirauscht. Sie müssen nicht lange warten. Ein Fahrzeug mit Anhänger fällt dem geschulten Blick des Duos auf. Günter Rüschenschmidt weckt die 300 PS unter der Haube, allradangetrieben dauert es nur kurz, dann sitzen die beiden Autobahnpolizisten dem Gespann im Nacken. Jetzt gilt es für den Fahrer, den Abstand zu halten, er darf sich vergrößern, aber nicht kürzer werden. Dann ist das Ergebnis des Videos, das Raimund Schöpe ans Laufen bringt, nicht gerichtsfest verwertbar. 300 Meter muss Rüschenschmidt den Abstand halten. So einen Abschnitt zeichnet das Gerät auf und rechnet schnell vor: 300 Meter in 9,06 Sekunden macht 119,6 Stundenkilometer. „Mit Anhänger sind 80 Stundenkilometer erlaubt. Nach Abzug des Toleranzwertes ist er mehr als 31 Stundenkilometer zu schnell gewesen, macht 160 Euro und einen Monat Fahrverbot“, erklärt Schöpe. Eine laminierte Gedächtnisstütze mit den aktuellen Strafgeldern klemmt fürs schnelle Nachschauen unter einer Sonnenblende.

Im relativ dichten Vormittagsverkehr ist gerade kein Hasardeur unterwegs. Für solche Fälle sind Schöpe und Rüschenschmidt intensiv geschult worden. „Wir verfolgen ja keinen Opa, der Brötchen geholt hat“, weist Rüschenschmidt auf einen 14-tägigen Kursus in Geilenkirchen hin. Auf einer Startbahn steht intensives Fahr- und Sicherheitstraining an. Erst danach wird Beamten der Videowagen, mit dessen Einsatz besonders schwerwiegende Verkehrsverstöße geahndet werden sollen, anvertraut. Günter Rüschenschmidt ist 15 seiner 34 Jahre bei der Polizei fürs Polizeipräsidium Münster unterwegs, Schöpe 17 seiner 39 Dienstjahre auf der Autobahn im Einsatz. Beide sind zu 90 Prozent ihrer Arbeitszeit als Zivilisten unterwegs.

Dem Gespannfahrer präsentiert das Duo auf dem Autohof in Werne die Quittung. Dann geht es auf der anderen Seite zurück in Richtung Münster, vom Kreuz Süd wieder nach Ascheberg. Im Blick haben Schöpe und Rüschenschmidt nicht nur Tempo, Abstand und Drängeln. Beim Überholen geht immer wieder der Blick nach rechts: Telefoniert jemand, wischt er auf einem Smartphone? „Wer lange hinter einem Lkw hängt, ist verdächtig“, erklärt Rüschenschmidt. Im Auge haben beide auch die großen Rückspiegel der Lkw. Pech für einen Brummifahrer mit weißem Shirt: Der Spiegel verrät, dass er nicht angeschnallt ist. Der Passat setzt sich vor den Lkw, dieses Mal zeichnet die Heckkamera auf. Als die Matrix mit „Bitte folgen“ aufklappt, bleibt der ertappte Fahrer ruhig. „Einige werden hektisch und schnallen sich schnell an“, schmunzelt Schöpe. Zu spät, der Beweis ist gesichert.

Jenseits dieser Alltagseindrücke kann es schon einmal schneller werden. „Dann ist der Beifahrer gefordert. Der Fahrer ist mit Tunnelblick unterwegs, der Beifahrer muss das Signal zum Abbruch geben, wenn es zu heikel wird“, sagt Schöpe. Das Duo wirkt wie ein altes Ehepaar, kennt sich schon aus gemeinsamen Zeiten bei den Fußballern des TuS Ascheberg. Technisch ist der Passat zudem übrigens bei 250 Stundenkilometern abgeriegelt. Wer schneller ist entrinnt trotzdem nicht, weil Kollegen schnell zu Hilfe eilen, Abfahrten sperren und Sünder stoppen.

Der Polizeialltag auf der Autobahn passt so gar nicht zu den Crash-Cops der Marke „Alarm für Cobra 11“. Deswegen lassen ihre Frauen die beiden Beamten aus Ascheberg morgens ohne Sorgen zur Arbeit fahren.

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