Donnerstag im ZDF
„Wer loslässt, hat die Hände frei“: Die Dramödie „Das Kloster bleibt im Dorf“

Am Ende ist sie ganz allein mit sich und Gott. Oder gibt es den gar nicht? Priorin Johanne (Suzanne von Borsody) hat sich gegen den Verkauf ihres Klosters gestemmt, damit in ihren Augen das Gelübde vom Gehorsam gebrochen und ist nun am hadern. Um sie herum ist es düster. Es könnte sein, dass sie stirbt.

Mittwoch, 23.09.2015, 17:09 Uhr

Idylle im Klostergarten: Schwester Johanne (Suzanne von Borsody, l.) erinnert Schwester Philippa (Gertrud Roll, r.) mit alten Fotos an ihre Vergangenheit
Idylle im Klostergarten: Schwester Johanne (Suzanne von Borsody, l.) erinnert Schwester Philippa (Gertrud Roll, r.) mit alten Fotos an ihre Vergangenheit Foto: ZDF

Von einer Komödie über vier renitente Nonnen erwartet man solche Szenen eigentlich nicht. Der ZDF-Film „Das Kloster bleibt im Dorf“, an diesem Donnerstag um 20.15 Uhr zu sehen, hat sie dennoch und mit seiner Hauptdarstellerin Suzanne von Borsody jemanden, der Tiefe herstellen kann. Der aus der Komödie eine „ Dramödie “ macht, wie sie es selbst formuliert.

Zunächst zur Geschichte: Ein vom normalen Volk entrückter Bischof will vier Nonnen aus einem Kloster befördern, um es zu verkaufen. Mit Widerstand rechnet er nicht, die Schwestern haben immerhin ganz katholisch Gehorsam geschworen. Irgendwann keimt er dann aber doch auf. Die frommen Frauen besetzen ihr eigenes Kloster, und der Bischof schickt die Mediatorin Dr. Ulrike Purscheck ( Ann-Kathrin Kramer ), um die Drecksarbeit zu erledigen.

Mit eiskaltem Lächeln und Beraterfirmen-Attitüde sagt Purscheck Sätze wie „Wer loslässt, der hat die Hände frei“ und verwickelt die Nonnen in Psycho-Spielchen. Sie ist quasi der Teufel in diesem Spiel. Am Ende würde es kaum verwundern, wenn Purscheck einen ihrer Lederstiefel abstreift und ein Pferdefuß zum Vorschein käme. Es gibt auch noch einen Pfarrer (Gustav Peter Wöhler), der den Nonnen wohlgesinnt ist. Allerdings will er einen Mops in seiner Kirchen-Wohnung halten und wird deswegen vom Bischof erpresst.

Klingt auf dem Papier etwas klamaukig, ist es aber als Film nicht. „Das Kloster bleibt im Dorf“ beschäftigt sich mit einigen ziemlich existenziellen Fragen. Etwa, ob es wirklich einen guten Gott gibt. Und was passiert, wenn das komplette Weltbild ins Wanken gerät. „Unser Film ist eine Komödie mit existenziellen Nöten“, sagt Hauptdarstellerin Suzanne von Borsody. Die Rolle der Priorin sei ihr allerdings nicht leicht gefallen. „Weil diese Johanne so weit weg ist.“

Von Borsody kommt aus einer Schauspieler-Familie. Ihre Mutter war Rosemarie Fendel, ihr Vater Hans von Borsody. „Ich bin aus Bayern , also bin ich auch katholisch. Aber ich bin keine praktizierende Katholikin“, sagt sie. „Ich glaube an Gott, egal wie man ihn, sie oder es nennt. Ich glaube nur nicht an eine weltliche Instanz, die mir zu sagen hat, was richtig und was falsch ist.“

Auch sie hadere manchmal mit dem, was in der Welt alles passiere. „Aber ich habe die Erfahrung gemacht, dass es so, wie es gekommen ist, schon richtig war.“ Im Jahr 2013 starben innerhalb weniger Monate ihre beiden Eltern. Stellt man sich nicht da auch die Frage nach Gott?

„Ich gönne ihnen den Heimgang“, sagt Suzanne von Borsody nachdenklich. „Ich glaube daran, dass wir alle nur zu Besuch sind auf diesem Planeten.“

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Der Fernsehfilm „Das Kloster bleibt im Dorf“ ist heute um 20.15 Uhr, im ZDF zu sehen.

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