Gefragter Termin
Wie aus Walnüssen Öl wird

Davensberg -

Aus Walnüssen Öl pressen – ein Termin für ein, zwei Leute? In Davensberg war jetzt das Gegenteil zu erleben.

Dienstag, 26.07.2016, 17:07 Uhr

Aufgabenteilung:  Michael Irmen verarbeitet die Walnüsse zur Öl. Seine Frau Carmen Irmen hat die gebrachten Walnüsse vorher auswogen.
Aufgabenteilung:  Michael Irmen verarbeitet die Walnüsse zur Öl. Seine Frau Carmen Irmen hat die gebrachten Walnüsse vorher auswogen. Foto: tani

Langsam bahnt sich die helle Flüssigkeit ihren Weg durch das Sieb und landet in dem silbernen Auffangbehälter. Tröpfchen für Tröpfchen und fast lautlos. Nur ein kleines melodisches Summen ist zu hören, das ab und zu von einem klackenden Geräusch unterbrochen wird. Ein silberner Spatel verursacht es. Denn hin und wieder muss Michael Irmen ein wenig nachhelfen, damit die vielen Walnusskerne durch den Trichter rutschen. Dabei hat er am Samstag alle Hände voll zu tun gehabt. Erstmals haben er und seine Frau Carmen in ihrer Walnuss-Manufaktur die Möglichkeit des Ölpressens angeboten. Die Resonanz ist außerordentlich gut gewesen.

Längere Anfahrtswege, darunter aus Werne oder Senden, sind gerne in Kauf genommen worden. Auch Ludger Bohnenkamp hat dieses Angebot nur allzu gerne wahrgenommen. Ein Pfund Walnüsse hat er von seinem Baum im Garten geerntet. Und das war noch das einfachste Stück Arbeit. „Die Sisyphusarbeit kam erst anschließend“, verrät der Ascheberger grinsend. Denn schließlich musste er erst einmal im wahrsten Sinne des Wortes eine harte Nuss knacken, um an die Walnusskerne zu kommen. „Für ein Pfund braucht man rund eineinhalb bis zwei Stunden“, erzählt er. Roswitha Schröder-Deter und ihr Mann pflichten ihm bei. Auch sie haben ungefähr so lange gebraucht, um an die Walnusskerne zu kommen. Nun sind sie alle gespannt, wie viel Öl das gibt.

Carmen Irmen steht an der Waage und nimmt die Walnüsse entgegen. Sie wiegt sie, versieht die Behälter mit Namen und Gewichtsangaben. Ludger Bohnenkamp hat ein Pfund Walnusskerne mitgebracht. „Das ergibt ungefähr 200 bis 250 Milliliter Öl“, rechnet Carmen Irmen aus. Denn der Ertrag pro Kilo Walnusskerne liegt bei 400 bis 500 ml Öl. Roswitha Schröder-Deter beobachtet, wie sich vorne an der großen Ölpresse eine beige Masse durch die silberne Öffnung presst und in einer roten Schüssel landet. „Das ist der Walnuss-Trester“, erklärt Michael Irmen. Und das ist alles andere als ein Abfallprodukt. „Nein, das lässt sich herrlich zum Kuchen- oder Brotbacken verwenden. Anstelle von Mehl und Butter“, hält Carmen Irmen einen schmackhaften Tipp bereit. Roswitha ist begeistert. Sie ist mit ihrem Mann eigens aus Bielefeld angereist, um aus ihren Walnusskernen Öl pressen zu lassen. Was sie mit dem Öl anstellt? „Na, auf jeden Fall findet das in der kalten Küche für Salate Verwendung“, sagt sie. Außerdem hat sie schon die Geschenkideen zu Weihnachten oder andere Anlässe. „Ein Fläschchen Öl von den eigenen Nüssen ist doch ein tolles und mal ganz anderes Präsent“.

Vor allem deshalb, weil es sich dabei um ein reines Naturprodukt handelt, das komplett ohne Zusatzstoffe auskommt. „Die Geschmacksrichtung ergibt sich aus den Nussarten. Manche haben milde Nüsse, andere kräftigere Sorten“, so Carmen Irmen. Mittlerweile ist der letzte Tropfen Öl aus der Charge von Ludger Bohnenkamp im Auffangbehälter gelandet. Er füllt die milchige Flüssigkeit in ein helles Glas. „Genau 250 ml“, sagt er und beäugt die Flasche näher. „Doch warum nur ist die Flüssigkeit so milchig?“ „Walnussfee“ Carmen Irmen kann helfen. Sie erklärt, dass das Walnussöl zunächst wie naturtrüber Apfelsaft aussieht. Es braucht eine Woche, damit sich die winzigen Nusspartikel absetzen können. „Erst dann hat das Walnussöl seine goldklare Farbe“, sagt sie abschließend.

Info:

Das Walnussöl muss nach dem Pressen kühl und dunkel gelagert werden. Am besten eignen sich dunkle Flaschen für die Lagerung.

Ein Fläschchen Öl von den eigenen Nüssen ist doch ein tolles und mal ganz anderes Präsent

Roswitha Schröder-Deter
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