Betriebsabläufe erläutert
Ausfälle sind teuer für die Eurobahn

Ascheberg -

Wenn die Eurobahn nicht fährt, wird es für das Unternehmen teuer. Bei einem Redaktionsbesuch sprachen Mitarbeiter über eigene Fehler, vererbte Verspätungen und Betriebsabläufe.

Mittwoch, 27.07.2016, 20:07 Uhr

So ist es im verspätungsfreien Alltag auf der Schiene zwischen Münster und Lünen: Die Eurobahn steht in Davensberg auf dem Nebengleis und lässt den Intercity von Münster nach Dortmund passieren. Ist er zu spät, hat das Folgen für die Eurobahn.
So ist es im verspätungsfreien Alltag auf der Schiene zwischen Münster und Lünen: Die Eurobahn steht in Davensberg auf dem Nebengleis und lässt den Intercity von Münster nach Dortmund passieren. Ist er zu spät, hat das Folgen für die Eurobahn. Foto: hbm

Vier Mal lange Gesichter bei frühen Pendlern, weil die erste Eurobahn von Dortmund nach Münster und zurück nicht fuhr. Jedes Mal fehlte dem Unternehmen der Mann am Steuer. „Das war eine Verkettung unglücklicher Umstände“, entschuldigte Marcus Klugmann , Marketingchef von Keolis Deutschland, die mit den Eurobahnen im Hellweg-Netz unterwegs ist, den Umstand. Bei einem Besuch in der WN-Redaktion, der in folge dieses Ausfalls vereinbart worden war, verweist Pressesprecherin Danica Dorawa darauf, dass die Lokführer sich jeweils kurzfristig krank gemeldet hätten: „Die Leistung war nicht mehr zu besetzen.“ Dass von Montag bis Donnerstag immer die gleichen Kunden auf der Strecke Münster - Dortmund betroffen gewesen seien, sei erst am Ende der Kette aufgefallen. Die Vorstellung, dass immer der gleiche Lokführer ausgefallen sei, ist also falsch.

Klugmann und Dorawa erläutern, dass das Personal im gesamten Hellwegnetz unterwegs sei. Um die Arbeitszeiten und Pausen gut zu verteilen und das Personal wie tariflich vereinbart, aber auch wirtschaftlich einzusetzen, pendle niemand zwischen Münster nach Dortmund. Vielmehr gehe es von den Knotenpunkten Dortmund und Münster in unterschiedliche Richtungen. Wer aus Ascheberg gekommen sei, könne beispielsweise von Münster aus nach Bielefeld fahren. Das Unternehmen verfüge in Deutschland über 250 Lokführer. Dass vier Mal jemand auf der gleichen Strecke gefehlt habe, hänge mit einem ungewohnt hohen Krankenstand in der heißen Urlaubsphase zusammen. Klugmann bemüht sich erst gar nicht, das Problem klein zu reden. Die Ausfallquote auf der Strecke Münster - Dortmund sei seit April ein Thema und im Juni und Juli deutlich höher als üblich gewesen. Die Leitstelle des Unternehmens in Hamm habe alles versucht, aber keine Personal-Lösung gefunden. Das tut dem Duo nicht nur für die verärgerten Pendler leid, sondern auch für die Unternehmensfinanzen. „Ein Ausfall ist teurer als einen zusätzlichen Lokführer einzustellen“, sagt Klugmann. Schienenersatzverkehr anzubieten, sei häufig keine Alternative, denn die Busse auf den Straßen könnten mit der Schiene nicht mithalten. In der Regel sei der Kunde mit dem Folgezug schneller am Ziel.

Ein anderes Kapitel ist die Pünktlichkeit. Weil auf deutschen Gleisen „schnell langsam schlägt“ kann jedes Niesen eines Intercity zur Grippe für den Nahverkehr werden. Für die vergangenen beiden Monate zeigt Klugmann eine Grafik, die aussagt: 56 Prozent der Unpünktlichkeiten seines Unternehmens sind vom Fernverkehr verursacht. Läuft alles normal, passiert der IC von Münster nach Dortmund die Eurobahn in Davensberg. Ist er unpünktlich, wird es schwer die Zeiten zu halten und den Verzug aufzuholen. Wobei Pünktlichkeit unterschiedlich gemessen wird: „Bei der Deutschen Bahn ist alles pünktlich, was unter sechs Minuten zu spät liegt, wir haben nur drei Minuten, danach sind wir unpünktlich“, erklärt Klugmann. Im Ergebnis ist es für Kunden und Unternehmen gleich: Die Pünktlichkeit des RB 50 ist ein Sorgenkind.

Bei einer unabhängigen Analyse der Kundenzufriedenheit hat die erste von drei Wellen des Jahres gute (Schul-)Noten für die Eurobahn gebracht, teilweise mit einer Eins vor dem Komma. Besser werden will das Unternehmen bei den Informationen im Störungsfall. Da könnte helfen, dass die Eurobahn-Züge per App im DB-Portal zu finden sind. Der Zugradar weist aus, ob eine Fahrt pünktlich beginnt oder ob ein Zeitverzug zu berücksichtigen ist. Das ist eine Alternative zum Twitterkanal fürs Hellweg-Netz. Informationen auf den Bahnhöfen liefert dagegen die Deutsche Bahn, in Ascheberg über ihr Stellwerk.

Anzeige
http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/4188673?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F104%2F158%2F4848965%2F4848971%2F
Nachrichten-Ticker