Eine Gemeinde liest - Tag 2
Was Bienen und Karpfen vereint

Ascheberg -

Es gibt in Amerika fliegende Karpfen, weiß Ralf Thenior. Ob ihr kurzer Ausflug aus dem Wasser aber reicht, um sich mit Bienen bekannt zu machen? Die beiden Tiere bestimmten den zweiten Tag von „Eine Gemeinde liest“.

Sonntag, 14.08.2016, 18:08 Uhr

Ludger Bohnenkamp (gr. Foto) las aus dem Leben einer Imkerin, Ralf Thenior (rundes Foto) aus seinem neuen Gedichtband „Fliegende Karpfen“.
Ludger Bohnenkamp (gr. Foto) las aus dem Leben einer Imkerin, Ralf Thenior (rundes Foto) aus seinem neuen Gedichtband „Fliegende Karpfen“. Foto: hbm

Mutter Natur hat Bienen und Karpfen unterschiedliche Lebensräume zugewiesen. So fremd sich Fisch und Insekt sind, so wenig wussten Ludger Bohnenkamp und Ralf Thenior vor einigen Wochen, dass sie einmal zu einem gemeinsamen Programm beitragen würden. Das Projekt „Eine Gemeinde liest“ führte den Hobby-Imker aus Ascheberg und den Lyriker aus Herbern am Samstag zusammen. Zuerst fand sich eine schöne Runde im Garten unweit von Bohnenkamps Bienenstock an Dieningstraße zusammen, dann lauschte ein kleiner Kreis auf dem Katharinenplatz neuen Gedichten Theniors. So wurde auch gleich die ungeheure Spannbreite der Texte und Vortragenden bis zum nächsten Sonntag deutlich. In der Vielfalt von „Eine Gemeinde liest“ dürften für viele Interessenten neue Kultur-Begegnungen möglich sein.

Bohnenkamp und Thenior lesen

1/12
  • Eine Gemeinde liest, der Samstag Foto: hbm
  • Eine Gemeinde liest, der Samstag Foto: hbm
  • Eine Gemeinde liest, der Samstag Foto: hbm
  • Eine Gemeinde liest, der Samstag Foto: hbm
  • Eine Gemeinde liest, der Samstag Foto: hbm
  • Eine Gemeinde liest, der Samstag Foto: hbm
  • Eine Gemeinde liest, der Samstag Foto: hbm
  • Eine Gemeinde liest, der Samstag Foto: hbm
  • Eine Gemeinde liest, der Samstag Foto: hbm
  • Eine Gemeinde liest, der Samstag Foto: hbm
  • Eine Gemeinde liest, der Samstag Foto: hbm
  • Eine Gemeinde liest, der Samstag Foto: hbm

Ludger Bohnenkamp, Vorsitzender des Imkervereins Herbern, lässt kaum eine Gelegenheit verstreichen, sein Hobby bekannt zu machen. Am Samstag trug er die Geschichte einer Imkerin vor. Ulrike Champiomont hatte sie aus dem Leben ihrer Mutter im sächsischen Geierwalde niedergeschrieben. Es ist die Geschichte einer Frau, die früh ihren Mann verlor und darum zur Imkerin wurde. Große Armut im Umfeld führte 1929 dazu, dass die Bienenstöcke ausgeraubt wurden. Ulrike Champiomonts Mutter reagierte trotzig, wurde zur Hobby-Imkerin und beschäftigte sich über das gesamte Jahr mit den Bienen. Den Honig, damals so teuer wie Butter, gab es ungerührt. Und deswegen kommt die Autorin des Textes auch zu Bohnenkamp. Er erstellt nur für sie ungerührten Honig: „Das macht man heute nicht mehr.“ Wie heute Honig gewonnen wird, zeigte Bohnenkamp der Runde in einer Präsentation, die durch viele Nachfragen mehr als eine Stunde dauerte.

Ralf Thenior schreibt seit 1969. Wenn er liest, lassen sich seine Verse leichter verstehen. Sein Betonen von Textstellen ist Hinweis auf Interpretationsmöglichkeiten der vorgetragenen Zeilen. Ganz Profi ließ Thenior sich vom geringen Interesse auf dem Katharinenplatz nicht irritieren.

Wer unter Gedichten flache Reime versteht, wird sie im neuesten Werk „Fliegende Karpfen“ nicht finden. Ralf Thenior schreibt hier über Reisen nach Bulgarien, aber auch aus seinen Lebensräumen in Herbern und Dortmund. Etwa über Natalie, die Inhaberin eines Büdchens vis-à-vis seines Fensters in Dortmund. Ohne Natalie ist nicht nur das Büdchen leer, auch die Straße ist leer. Thenior transportiert die Nachricht mit wenigen Worten, einfühlsam, treffend und nachdenklich machend. Wie im Gedicht „Alter Mann“, das mit der Vergänglichkeit des Lebens in einem ungewöhnlichen Bild endet: Die Kiefer ist zu Brettern zersägt.

Fünf Kapitel hat das neue Werk Theniors. Eins widmet sich einem Thema, das auch der Herberner Kinderbuchautorin Jutta Richter am Herzen liegt: die Methode, wie Kindern heute in der Schule das Schreiben beigebracht wird, die ihrer Meinung nach nicht funktioniert und dringend reformiert werden müsste. „Schreiben wie Hören“ ist für Thenior und Richter ein Gräuel. Vielleicht wird das in dieser Woche öfter ein Thema, wenn Jutta Richter ihren Bücherkiosk an der Altenhammstraße öffnet, erstmals heute um 16 Uhr. Ob am Fenster gelesen oder debattiert wird, entscheiden die Gäste mit.

Thenior hat übrigens die Namensgeber seines neuen Werkes gesehen: Fliegende Karpfen. Ob ihnen auf dem Flug auch Bienen begegnet sind?

Anzeige
http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/4228793?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F104%2F158%2F4848965%2F4848970%2F
Nachrichten-Ticker