Erste Haushalte angeschlossen
Jetzt wird Glasfaser geerntet

Ascheberg -

Sie haben Leerrohre gesät, jetzt ernten die Menschen in der Osterbauer Glasfaser. Die ersten Haushalte sind angeschlossen.

Mittwoch, 08.02.2017, 20:02 Uhr

Das Notebook zeigt ein Downloadrate, von der bisher nur geträumt werden durfte, die Mediathek im Fernsehen kann nun genutzt werden: Mit den ersten Glasfaseranschlüssen in der Osterbauer ziehen Multiplikatoren und Partner Bilanz. Ulrich Wacker, Bürgermeister Dr. Bert Risthaus, Patrick Nettels von der Muenet (sitzend v.l.), Georg Freisfeld, Stefan Greive, Ewald Dornhegge, Georg Silkenbömer und Helmut Sunderhaus (stehend v.l.).
Das Notebook zeigt ein Downloadrate, von der bisher nur geträumt werden durfte, die Mediathek im Fernsehen kann nun genutzt werden: Mit den ersten Glasfaseranschlüssen in der Osterbauer ziehen Multiplikatoren und Partner Bilanz. Ulrich Wacker, Bürgermeister Dr. Bert Risthaus, Patrick Nettels von der Muenet (sitzend v.l.), Georg Freisfeld, Stefan Greive, Ewald Dornhegge, Georg Silkenbömer und Helmut Sunderhaus (stehend v.l.). Foto: hbm

Die Osterbauer ist mit ihrem Glasfaserprojekt zum Leuchtturm geworden: Was dort in den vergangenen Monaten unter der Oberfläche verlegt worden ist, dient zusammen mit dem geschlossenen Vorgehen der Nachbarschaft als Blaupause für andere Regionen. Gestern präsentierten die Projektmotoren mit Partnern bei Greive im Heubrock einen laufenden Glasfaseranschluss, in rund zwei Wochen soll die komplette Ernte eingefahren sein.

„Wenn es gut lief, hatten wir zwei MB im Download“, berichtet Stefan Greive über die engen Grenzen beim Nutzen des Internets. Mit der Glasfaser im Keller sind die Schranken gefallen. Eine Mediathek nutzen, Filme auf YouTube schauen, Online-Spiele in HD-Qualität genießen – erst jetzt öffnet sich dort die ganze Internetwelt, wo sie ohne eigenes und nachbarschaftliches Zusammenwirken nie hingekommen wäre. „Der Leidensdruck war groß“, lenkt Georg Silkenbömer den Blick darauf, dass es auch um ganz handfeste Probleme ging, denn Landwirte haben schon einmal große Datenmengen, die verschickt oder empfangen werden müssen, auf einen Stick gezogen und etwa zur Landwirtschaftskammer gebracht.

Deswegen war allen Beteiligten nach einem Besuch in Loikum klar: Es geht nur mit Glasfaser, es geht nur gemeinsam und es wird teurer als in Ortslagen. „Dann ist eine Welle entstanden, die viele Menschen in der Bauerschaft mitgerissen hat. Wir haben das Projekt gerne unterstützt. Die Arbeit verdient großen Respekt“, würdigte Bürgermeister Dr. Bert Risthaus das Vorgehen.

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► Die Osterbauer zapft die Datenautobahn in der Nähe der Teufelseiche in Davensberg an. Von dort führt ein Kabel zur Verteilstation bei Beuckmann. Die beiden Fasern zum Keller des Hauses Greive stammen von dort.

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► Auf 35 Kilometern wurden Leerrohre eingepflügt. Dazu kommen einige Kilometer mit dem Bagger.

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► Das Engagement erfolgte neben der eigentlichen Arbeit in der Freizeit oder in der Zeit, die einige Akteure sich dafür frei nahmen.

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► Wer das Internet vorab gebucht hat, kann die Telefonie nachordern. Stefan Greive etwa wechselt Zug um Zug. Das Internet läuft schon, die Telekom verabschiedet sich am Freitag endgültig.

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► In den Häusern können Router aus dem Handel verwendet werden. Zu gleichen Konditionen werden sie inklusive Service von der Muenet geliefert.

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► Telekom-Mailadressen können mitgenommen werden. Die nötigen Schritte sollten rechtzeitig eingeleitet werden.

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Vorzeigenswert wird die Glasfaser in der Osterbauer, weil niemand zurückgelassen wurde. Der Anschluss wurde bis in den letzten Winkel der Bauerschaft angeboten - dort wo Hase und Igel sich gute Nacht sagen. „Wir durften überall durch, es hat sich keiner quer gestellt“, berichtet Georg Freisfeld , dass auch Nachbarn, die keinen Anschluss wollten, das Einpflügen über ihren Acker ermöglicht hatten. Die Glasfaser hat die Osterbauer zusammen gebracht. „Alle haben mitgemacht, die älteren Leute haben Suppen gekocht oder Schnittchen geschmiert“, informiert Freisfeld. Es wehte ein Hauch von Kartoffelernte-Romantik durch Aschebergs Osten.

Was die Osterbauer losgetreten hat, beschreibt Greive mit Blick auf die Internetseite des Partners Muenet: „Als wir gestartet sind, waren wir das vierte Projekt, jetzt sind dort 44 zu finden.“ Patrick Nettels von der Muenet unterstrich den Wert der Osterbauer-Arbeiten: „Das ist der Prototyp für alle anderen Bauerschaften, ein Referenzobjekt, an dem sich alle orientieren.“

Vom Start der Arbeiten im September bis zu den ersten Anschlüssen knapp vier Monate später war es natürlich kein alleiniger Triumphzug, es gab unterwegs Schwierigkeiten, etwa beim Einblasen der Glasfaser. Aber die Multiplikatoren, also die Vordenker mit den aufgekrempelten Ärmeln, bildeten ein lernendes System. Probleme wurden ausgeräumt und so werden in diesen Tagen die Haushalte Stück für Stück angeschlossen.

Wie wertvoll die Glasfaser den Menschen im Außenbereich ist, zeigt der Preis, den sie dafür bezahlt haben: Rund 2000 Euro pro Anschluss plus Mitarbeit bei dem Projekt. Endgültig abgerechnet wird nach Abschluss der Anschlussarbeiten.

Bürgermeister Risthaus informierte auch über den Stand im Dorf: „Unitymedia soll das Glasfasernetz ausbauen. Wir haben einige kleinteilige Probleme, die vorher geregelt werden müssen. Daran wird intensiv gearbeitet. Wann das Ergebnis der Öffentlichkeit präsentiert wird, können wir auf den Tag genau nicht sagen.“

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