Herberner in London
Nach Terrorattacke: „Angst zu haben, ist das falsche Zeichen“

Herbern -

Erst als die besorgten Fragen per WhatsApp kamen, wussten die Autermann, was bei ihrem Pfingstwochenende in London fast vor der Hoteltür passiert war.

Dienstag, 06.06.2017, 18:06 Uhr

Nele und Susanne Autermann berichten aus London.
Nele und Susanne Autermann berichten aus London. Foto: privat

Susanne Autermann aus Herbern reiste über das Pfingstwochenende mit ihrer Tochter Nele nach London. Wie sie den Terroranschlag auf der London Bridge am Samstagabend mitbekommen hat, erzählt sie in den WN.

„Samstagnachmittag waren wir noch mit einem Ausflugsboot auf der Themse unterwegs. Dort sind wir an der Tower- und London Bridge vorbei gefahren. Gegen 20 Uhr waren wir im Hotel“, erzählt Susanne Autermann. Als sie kurz vor Mitternacht von einer Bekannten über WhatsApp angeschrieben wurde, ob es ihr gut gehe und alles in Ordnung sei, hat sie erst einmal den Fernseher eingeschaltet und Nachrichten gehört.

„Ich habe nichts davon mitbekommen und war erst einmal geschockt, denn schließlich waren wir ja Luftlinie nur ein paar Kilometer vom Unglücksort entfernt“, sagt die Herbernerin. Bevor es am Sonntag zurück nach Deutschland ging, wollte Nele noch ins Britische Museum, was nur sieben Autominuten von der London Bridge entfernt liegt.

"Ich fühlte mich in keiner Minute unsicher“

Der Museumsausflug war kein Problem. Dass ein paar Stunden vorher ein Terroranschlag in der Hauptstadt passiert war, merkten Mutter und Tochter nicht. „Die Leute waren ruhig und das Polizeiaufgebot ist in London ja sowieso immens. Ich fühlte mich in keiner Minute unsicher.“ Ihre Tochter Nele hat von den ganzen Vorfällen gar nichts mitbekommen, einmal kurz nachgefragt und dann war für die Zehnjährige das Thema durch.

Islamistischer Terror in europäischen Metropolen

1/16
  • LONDON - Juni 2017: Drei Angreifer steuerten einen Van auf der London Bridge in Fußgänger. Dann griffen sie Passanten mit Messern an. Sieben Menschen starben, mehr als 50 - darunter mindestens zwei Deutsche - wurden verletzt. 21 Verletzte schweben in Lebensgefahr. 

    Foto: dpa
  • MANCHESTER - Mai 2017: Bei einem Bombenanschlag auf ein Popkonzert in Manchester werden 22 Menschen getötet. Es gibt weit über 100 Verletzte, darunter viele Kinder und Jugendliche. Ein Mann bringt am Ende eines Popkonzerts von Teenie-Star Ariana Grande eine selbstgebaute Bombe zur Explosion. Die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) reklamiert die Attacke für sich.

    Foto: dpa
  • PARIS - April 2017: Auf dem Pariser Boulevard Champs-Élysées schießt ein Islamist mit einem Sturmgewehr in einen Polizeiwagen. Ein Beamter wird getötet, zwei weitere Polizisten und eine deutsche Passantin werden verletzt. Die Polizei erschießt den Angreifer.

    Foto: dpa
  • STOCKHOLM - April 2017: Ein gekaperter Lastwagen rast in einer Einkaufsstraße erst in eine Menschenmenge und dann in ein Kaufhaus. Fünf Menschen werden getötet, 15 verletzt. Die Polizei nimmt einen Usbeken unter Terrorverdacht fest.

    Foto: dpa
  • LONDON - März 2017: Bei einem Doppelanschlag am britischen Parlament in London sind fünf Menschen getötet worden, unter ihnen der Täter. Rund 40 Menschen wurden verletzt.

    Foto: dpa
  • PARIS - Februar/März 2017: Auf dem Pariser Flughafen Orly verhindern Soldaten nur knapp einen möglichen Terroranschlag. Ein Mann will einer dort patrouillierenden Soldatin das Gewehr entreißen und wird von anderen Soldaten erschossen. Erst Anfang Februar war nahe dem Louvre-Museum ein Ägypter niedergeschossen worden, der sich mit Macheten auf eine Militärpatrouille gestürzt hatte.

    Foto: Kamil Zihnioglu
  • BERLIN - Dezember 2016: Kurz vor Weihnachten wird die Hauptstadt zum Ziel eines Terroranschlags. Zwölf Menschen sterben, als ein Anhänger der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) einen gekaperten Lkw in einen Weihnachtsmarkt steuert. Wenige Tage später wird der 24 Jahre alte Tunesier bei einer Polizeikontrolle nahe Mailand erschossen.

    Foto: Bernd von Jutrczenka
  • NIZZA - Juli 2016: Ein Attentäter rast mit einem Lastwagen auf dem Strandboulevard Promenade des Anglais in eine Menschenmenge. Mindestens 86 Menschen sterben. Der IS ist nach Angaben seines Verlautbarungsorgans Amak für den Anschlag verantwortlich.

    Foto: Andreas Gebert
  • BRÜSSEL - März 2016: Mit mehreren Bomben töten islamistische Attentäter am Flughafen der belgischen Hauptstadt und in einer Metrostation 32 Menschen.

    Foto: Olivier Hoslet
  • ISTANBUL - Januar 2016: Ein Selbstmordattentäter der Terrormiliz IS reißt im historischen Zentrum zwölf Deutsche mit in den Tod. Der Angreifer zündet die Bombe mitten in einer deutschen Reisegruppe nahe der Hagia Sophia und der Blauen Moschee.

    Foto: Philipp Laage
  • KOPENHAGEN - Februar 2015: Ein arabischstämmiger 22-Jähriger feuert auf ein Kulturcafé, ein Mann stirbt. Vor einer Synagoge erschießt der Attentäter einen Wachmann, bevor ihn Polizeikugeln tödlich treffen.

    Foto: Colourbox.de
  • PARIS - Januar 2015: Bei einem Attentat auf das Satiremagazin „Charlie Hebdo“ und einen koscheren Supermarkt sterben 17 Menschen. Die beiden Täter kommen später bei einer Polizeiaktion ums Leben. Zu dem Anschlag bekennt sich die Terrororganisation Al-Kaida auf der arabischen Halbinsel.

    Foto: Colourbox.de
  • PARIS - November 2015: Bei einer koordinierten Anschlagsserie am Stade de France, mehreren Restaurants und dem Musikklub „Bataclan“ töten IS-Anhänger 130 Menschen, Hunderte werden verletzt.

    Foto: Uwe Anspach
  • BRÜSSEL - Mai 2014: Im Jüdischen Museum erschießt ein französischer Islamist vier Menschen. Kurz darauf wird er festgenommen. Als selbst ernannter „Gotteskrieger“ hatte er zuvor in Syrien gekämpft.

    Foto: dpa
  • LONDON - Juli 2005: Vier Muslime mit britischem Pass zünden in der U-Bahn und einem Bus Sprengsätze. 56 Menschen sterben, etwa 700 werden verletzt.

    Foto: Kerim Okten
  • MADRID - März 2004: Bei islamistisch motivierten Bombenanschlägen auf Pendlerzüge sterben in der spanischen Hauptstadt 191 Menschen, rund 1500 werden verletzt.

    Foto: Barrenechea

„Das Leben geht weiter. Angst haben und diese auch noch zeigen, wäre ein falsches Zeichen, das man setzen würde. Beeindruckt hat mich die große Solidarität. So viele Freunde und Bekannte haben mich angeschrieben und nachgefragt ob es mir gut geht. Das zeigt, dass die Menschen in solchen Situationen noch mehr zusammenstehen.“

Halten solche Ereignisse von weiteren Städtereisen oder Kurzurlauben ab? „Nein. Ich hätte auch kein Problem gehabt noch länger in London zu bleiben. Es ist ein komisches Gefühl, aber damit muss die Welt wohl auch in Zukunft leben.“

Anzeige
http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/4908902?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F104%2F158%2F
Maskierte überfallen Tankstelle mit Brechstange
Die Polizei Münster bittet um Hinweise auf zwei Männer nach einem Tankstellenüberfall.
Nachrichten-Ticker