Kläranlage Ascheberg
Trockenbecken werden geleert

Ascheberg -

Die Gemeinde Ascheberg vererdet den Klärschlamm. Jetzt ist das dritte Becken voll. Wohin damit?

Samstag, 29.07.2017, 09:07 Uhr

Mitten im Schilf des Trockenbeckens steht der Bagger mit seinem langen Greifarm. Er soll sich möglichst wenig bewegen, damit Folien und die Unterschichten nicht beschädigt werden.
Mitten im Schilf des Trockenbeckens steht der Bagger mit seinem langen Greifarm. Er soll sich möglichst wenig bewegen, damit Folien und die Unterschichten nicht beschädigt werden. Foto: hbm

Die Ascheberger Kanalisation hat ein Ziel: Die Kläranlage am Steenrohr. Das gesäuberte Wasser läuft von hier in den Emmerbach. Für den Schlamm ist ein anderer Weg vorgesehen. 2006 hat die Gemeinde sich entschieden, ihn zu vererden. Dazu wurden in der Folge fünf Trockenbecken gebaut. Als in den vergangenen beiden Jahren die ersten beiden Areale geleert wurden, landete der Inhalt auf landwirtschaftlichen Flächen. Jetzt hat sich dafür kein Abnehmer gefunden. „Der Klärschlamm wird nach aktuellem Stand wohl verbrannt werden“, erklärt Christian Scheipers von der Gemeinde Ascheberg auf Anfrage der „Westfälischen Nachrichten“.

Bakterien knabbern sich in einem Belebungsbecken durch die Hinterlassenschaften der Ascheberger. Sie vermehren sich durchs Teilen von Zellen. Mitentscheidend für den Erfolg ihres Tuns ist die passende Anzahl. So wird täglich im Durchschnitt ein 30 bis 40 Kubikmeter-Gemisch von Bakterien-Schlamm aus der Belebung in die Trockenbecken gepumpt. Sie sind mit einer Plane ausgelegt, auf der in einer Kiesschicht eine Drainage eingebaut wurde. In einer Sandschicht darüber wurde Schilf gesäet. Darauf landet der Klärschlamm. Ein Großteil des Wassers verdunstet über die Schilfblätter, die den Schlamm durch den Wind zusätzlich noch bewegen. Das beschleunigt das Verdunsten. Ein Teil wird als Sickerwasser zurück in die Kläranlage geschickt. Die Trockenbecken sind eine alternative Methode zum Pressen oder Zentrifugen der Schlammreste. Immer geht es darum, ihr Volumen zu reduzieren, um möglichst wenig entsorgen zu müssen.

Arbeiten an der Kläranlage

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  • 2006 wurden die Becken gebaut

    Foto: js
  • Das Becken vorne wurde jetzt geleert

    Foto: hbm
  • An der Kläranlage wird ein Trockenbecken geleert Foto: hbm
  • An der Kläranlage wird ein Trockenbecken geleert Foto: hbm
  • An der Kläranlage wird ein Trockenbecken geleert Foto: hbm
  • An der Kläranlage wird ein Trockenbecken geleert Foto: hbm
  • An der Kläranlage wird ein Trockenbecken geleert Foto: hbm
  • An der Kläranlage wird ein Trockenbecken geleert Foto: Maik Matern
  • An der Kläranlage wird ein Trockenbecken geleert Foto: hbm
  • An der Kläranlage wird ein Trockenbecken geleert Foto: hbm
  • An der Kläranlage wird ein Trockenbecken geleert Foto: hbm
  • An der Kläranlage wird ein Trockenbecken geleert Foto: hbm
  • An der Kläranlage wird ein Trockenbecken geleert Foto: hbm
  • An der Kläranlage wird ein Trockenbecken geleert Foto: Maik Matern
  • An der Kläranlage wird ein Trockenbecken geleert Foto: hbm
  • An der Kläranlage wird ein Trockenbecken geleert Foto: hbm
  • An der Kläranlage wird ein Trockenbecken geleert Foto: hbm

Das erste Becken wurde planmäßig erst acht Jahre nach dem Bau geleert. In dieser Woche war die laufende Nummer drei, das größte Becken, an der Reihe. Im Vorfeld hat es seit einem halben Jahr keinen neuen Klärschlamm mehr aufgenommen.

Klärwerker Ulrich Hoppe erläutert das Vorgehen: „Der eingesetzte Bagger hat einen langen Greifarm und eine sehr breite Schaufel. Uns geht es darum, dass er sich möglichst wenig in dem Becken bewegen muss.“ Schließlich sollen die Plane heil bleiben und die unteren Schichten erhalten werden. Der Bagger greift so zu, dass Schilf automatisch nachwächst und nicht neu gesät werden muss.

Das Klärschlamm-Schilf-Gemisch hat die Baggerschaufel auf einen Miststreuer gehoben. Er wird genommen, weil die Mischung so beim Abladen auf eine extra angelegte Platte noch einmal gelockert wird. Mit einem einfachen Kipper wäre nicht möglich. 92 Mal sind die Klärwerker bisher hin und her gefahren. „1300 bis 1400 Tonnen sind draußen“, rechnet Hoppe vor. Weitere 1000 Tonnen wurden im Becken aufgeschichtet. Sobald die Platte leer ist, werden sie dorthin gefahren. Wann das der Fall sein wird, ist aktuell noch offen.

Fünf fragen an Christian Scheipers

Wo liegt das Problem bei der Weitergabe des Klärschlamms?

Christian Scheipers: Da unser Schlamm nicht chemisch behandelt wird, darf er auf landwirtschaftlichen Flächen ausgebracht werden. Alle Daten liegen unter den Grenzwerten der Klärschlamm- und der Düngeverordnung. Allerdings hat der Gesetzgeber die Menge des Klärschlamms, der auf einen Hektar ausgebracht werden darf, reduziert. Da entsteht ein Problem, das nicht nur uns betrifft.

Wie äußert sich das?

Scheipers: Wir haben das Entsorgen des Klärschlamms ausgeschrieben, aber es hat sich im Gegensatz zu den vergangenen Jahren kein Entsorger gemeldet. Jetzt suche ich ein Unternehmen. Es läuft aufs thermische Verwerten hinaus. Der Klärschlamm wird vermutlich mit dem ganz normalen Hausmüll in einer Verbrennungsanlage verbrannt werden.

Das hört sich teurer an als ein Ausbringen auf Äckern?

Scheipers: Bisher haben wir 45 bis 50 Euro pro Tonne bezahlt. Jetzt müssen wir mit Kosten von 60 bis 80 Euro pro Tonne rechnen.

Steigen dann nächstes Jahr direkt die Abwassergebühren?

Scheipers: Das wird nicht direkt in die Gebührenkalkulation einfließen. Wir haben für das Entsorgen Rückstellungen gebildet. Die haben wir schon einmal angepasst und wir werden sie weiter anpassen.

Wie geht es an der Kläranklage weiter?

Scheipers: Wenn wir einen Entsorger gefunden haben, wird der Teil des Klärschlamms entsorgt, der jetzt auf der Platte zwischengelagert wurde. Dorthin wird der Rest aus dem Becken gebracht. Ihn lassen wir sicher länger liegen, weil er über die Zeit weiter Wasser verliert. Wir haben jetzt 18 bis 19 Prozent Feststoffe, es können 25 werden.

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