Politik bekennt Farbe
Ratsparteien sind uneins

Ascheberg -

Das Dorf diskutiert über die Sandstraße, nur die Kommunalpolitiker haben sich bisher zurückgehalten. Die WN haben ihre Stellungnahmen eingeholt.

Mittwoch, 08.11.2017, 20:11 Uhr

Die Sandstraße, vor einem Jahr vom Kirchturm fotografiert, sorgt aktuell für viele Diskussionen. Die Ratsparteien sind sich über Lösungsansätze für die Verkehrsprobleme nicht einig.
Die Sandstraße, vor einem Jahr vom Kirchturm fotografiert, sorgt aktuell für viele Diskussionen. Die Ratsparteien sind sich über Lösungsansätze für die Verkehrsprobleme nicht einig. Foto: Peperhowe

Das Dorf diskutiert über die Sandstraße, nur die Kommunalpolitiker haben sich bisher zurückgehalten. Die WN haben ihre Stellungnahmen eingeholt. Die einfache Frage lautete: Wie beurteilt ihre Partei die Lage auf der Sandstraße?

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Hubertus Beckmann , Die Grünen

Die Sandstraße ist die zentrale Straße Aschebergs: sie ist nicht nur zentrale Verbindungsstraße und wichtigste Einkaufsstraße, sie bildet den Schulweg für über 100 Kinder (eigene Zählung). Bündnis 90 - Grüne Ascheberg nahm eine Abschätzung der Geschwindigkeit des Durchgangsverkehres vor: 80% des Verkehrs fuhr schneller als 30 km/h, Spitzenwerte lagen bei über 50 km/h!

B90-Grüne machten sich daher für die Einführung einer Spielstraße mit regelmäßiger Geschwindigkeitskontrolle stark. In einer Spielstraße hat der Fußgänger Vorrang gegenüber allen anderen Verkehrsteilnehmern. Das würde mit einer Rolle als der zentralen Einkaufsstraße gerecht werden, und Ascheberg einen neuen, menschenfreundlichen Charme geben.

Gleiches gilt übrigens unserer Ansicht nach auch für die Davensberger Burgstraße sowie die Altenhammstraße in Herbern.

Jochen Wismann, FDP

Der Verkehr auf der Sandstraße hat in der Vergangenheit zugenommen. Die Situation hat sich damit automatisch verschärft. Eine Patentlösung zur Verbesserung der Verkehrssicherheit gibt es nicht. Mit einem zusätzlichen Lebensmittelmarkt im Ortskern wird sich die Verkehrsdichte weiterhin erhöhen. Es bleibt zu überlegen, ob ein Verkehrsgutachter hier Lösungsmöglichkeiten entwickeln kann. Eine Fußgängerzone halten wir für nicht sinnvoll. Der Schwerlastverkehr muss von der Sandstraße ferngehalten werden. Ob die angestrebte Verkehrsüberwachung Abhilfe schafft bleibt abzuwarten.

Christian Ley, SPD

Die Debatten um die Situation auf der Sandstraße in den letzten Tagen und Wochen zeigt einmal mehr, dass der im Bereichsforum gefundene Kompromiss nicht das gewünschte Ziel einer Beruhigung des Verkehrs an diesem neuralgischen Punkt erreicht hat.

Die Situation auf den Gehwegen ist oftmals unerträglich, zumal sich viele Autofahrer nicht an gültige Verkehrsregeln halten. Auch das Tempolimit wird oft überschritten. Dadurch ergeben sich viele Gefah-ren für Fußgänger, besonders aber für Verkehrsteilnehmer mit Kinderwagen, Rollstuhl oder Rollator, die zwischen den Hauswänden und den geparkten Autos nicht durchpassen und stattdessen auf die Straße ausweichen müssen. Dieser Zustand ist unhaltbar.

Hier ist die Gemeinde gefordert, zunächst einmal die gültigen Regeln durchzusetzen. Vielleicht reicht Knöllchen schreiben manchmal nicht aus, eventuell muss mal ein besonders dreister Falschparker abgeschleppt werden, damit die Leute Rücksicht auf andere lernen.

Zur dauerhaften Entlastung der Sandstraße und zur Steigerung der Attraktivität des Ortskerns gibt es mittelfristig nach Meinung der SPD-Fraktion im Rat der Gemeinde nur eine Lösung: eine partielle Sper-rung der Sandstraße für den Autoverkehr mit Umwidmung zur Fußgängerzone im Bereich zwischen der Einmündung zur Himmelstraße und der Einfahrt zum Lambertus-Kirchplatz. Parkraum steht hinter dem Katharinenplatz und im Bereich des neuen Combi-Marktes künftig ausreichend zur Verfügung.

Der somit gewonnene komplett beruhigte Ortskernbereich kann ansprechend mit Bänken und Ruhezonen gestaltet werden. Sowohl die Bäckerei Geiping als auch die Eisdiele könnten ihre Außengastronomie aufwerten und Gäste in diesen Bereich locken, die jetzt vielleicht lieber nach Lüdinghausen oder Werne fahren, um beim Eis essen und Einkaufen nicht überfahren zu werden.

Natürlich muss diese Gestaltung des Ortskerns gemeinsam mit der Ansiedlung des Combi-Marktes und des lange erwarteten Drogeriemarktes betrachtet werden. Hier warten wir wie alle Bürger sehnsüchtig auf positive Verhandlungsergebnisse der Verwaltung und einen zügigen Beginn der Umsetzung.

Volker Müller-Middendorf, UWG

Die Verkehrssituation auf der Sandstraße wurde in der Vergangenheit heftig und kontrovers von Verkehrsteilnehmern diskutiert. Senioren und Kinder wollen und sollen sich unbehindert und ungefährdet im Verkehr bewegen können, Kunden möchten geschäftsnah parken und Lieferanten hindernisfrei anliefern. Solange man kein Verständnis für den/die anderen aufbringt, kommt man hier keinen Schritt weiter.

Aus Sicht der UWG muss daher abgewogen werden, was das wichtigere Ziel ist, das es zu gewährleisten gilt. Hierbei sehen wir von der UWG den Vorrang beim Schutz der schwächeren Verkehrsteilnehmer. Ältere und Kindern sollen sich sicher und barrierefrei auf der Sandstraße bewegen können. Wenn das sichergestellt wird, können die vermeintlich stärkeren Verkehrsteilnehmer auf die neuen Gegebenheiten auch besser einstellen, das ist aus unserer Sicht durchaus zumutbar.

In räumlicher Nähe vorhandene Parkplätze können aus verschiedenen Richtungen angefahren werden, der Verkehr muss nicht zwangsläufig durch den Engpass Sandstraße geführt werden. Parkflächen an der Sandstraße, welche zu Behinderungen führen können, sollten der Nutzung entzogen werden. Das geäußerte Bedürfnis „bis vor die Ladentür fahren und dort parken zu können“ ist reine Uneinsichtigkeit, dass davon die Attraktivität der Geschäfte abhängt, zweifelhaft.

Es geht diesen Menschen wohl eher darum, sich nicht aus ihrer Komfortzone bewegen zu wollen. Das zeigt sich auch an anderer Stelle, wo Eltern ihre Kinder bis vor die KITa- oder Schultür fahren wollen, und auch dort Risiken für andere billigend in Kauf nehmen. Was sind nun die geeigneten Maßnahmen? Sowohl die Geschwindigkeitsbegrenzung auf 20 km/h als auch die Fahrbahnverengung sehen wir von der UWG als wenig wirksame und damit nicht geeignete Maßnahmen an.

Aus der fraktionsinternen Diskussion gehen die Vorschläge von Einbahnstraße über verkehrsberuhigte Zone bis zur Fußgängerzone im Bereich Einmündung Appelhofstraße bis Himmelstraße für die Sandstraße. Aus unseren Erwägungen sehen wir von der UWG die verkehrsberuhigte Zone in diesem Bereich als die beste Alternative an.

An der Sandstraße von der Einmündung Appelhofstraße bis zur Einmündung Lambertus-Kirchplatz sollten aufgrund der Gehwegbreite keine Parkflächen ausgewiesen werden. So haben Fußgänger Vorrang vor motorisierten Verkehrsteilnehmern. Der Verkehrsfluss durch die Sandstraße bleibt möglich, wenn auch deutlich verlangsamt. Der meiste Verkehr wird sich auf die umführenden Straßen verlagern, über die auch die größeren Parkflächen erreicht werden können.

Wenn sich die Verkehrsteilnehmer nun auch mit genügender Rücksicht begegnen, sollte sich die Verkehrssituation hier für alle verbessern.

Ludger Wobbe für die CDU

Die Probleme auf der Sandstraße wurden in einem Bereichsforum über Monate sehr ausführlich und intensiv beraten. Hier waren Fachleute, Vertreter der Behörden, die Bewohner des Ortskerns und Kommunalpolitiker vertreten.

In diesem Forum hat man sich für verschiedene Maßnahmen ausgesprochen, wie Geschwindigkeitsreduzierung auf 20 km/h und Einengungen auf der Sandstraße.

Die CDU spricht sich gegen eine Einbahnstraßenregelung aus; ebenso gegen eine abschnittsweise Vollsperrung für eine Fußgängerzone.

Dies würde nur zur Verlagerung des Verkehrs führen, hin zu anderen Straßen, z.B. zur Konermannstraße mit den zwei anliegenden Kindergärten. Außerdem fahren die Autofahrer in einer Einbahnstraße erfahrungsgemäß schneller als auf einer Straße mit Gegenverkehr. Zudem würde dies die Situation für den Einzelhandel erheblich verschlechtern und damit den Ortskern schwächen.

Ein Problem, eigentlich im gesamten Ortskern, stellen nach Ansicht der CDU die Dauerparker zu den Einkaufszeiten dar. Dieses Problem sollte umgehend angefasst werden. Hier sind Regelungen denkbar, wie Parken mit Parkscheibe für 2 Stunden, um z.B. Arzt- und Frisörbesuche zu ermöglichen.

Die CDU-Fraktion wird für die nächste Bau- und Planungsausschusssitzung (28.11.2017, 18.00 Uhr) einen Antrag vorlegen mit dem Ziel, die Parksituation im gesamten Ortskern von einem Gutachter betrachten zu lassen; ebenso die Frage nach einer möglichen Regelung, bei der alle Verkehrsteilnehmer (Fußgänger, Radfahrer, Pkw ) die Sandstraße auf dem mittleren Abschnitt gleichberechtigt benutzen dürfen.

Ziel muss sein, für die schwachen Verkehrsteilnehmer auf der Sandstraße mehr zu tun.

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