Unternehmerfrühstück bei Klaas in Ascheberg
Vielfalt fördert die Toleranz

Ascheberg -

Fachkräftemangel und Integration werden Freunde. Zwei Jahre nachdem Unternehmen beim Gedanken Flüchtlinge zu beschäftigen, zuallererst vor bürokratischen Hürden standen und kapitulierten, ergreifen Betriebe und Flüchtlinge nun gleichermaßen sich bietende Chancen.

Mittwoch, 14.03.2018, 20:03 Uhr

Rund 125 Personen kamen gestern beim Unternehmerfrühstück in den Räumen von Kranbauer Klaas zusammen. Daniela Klaas stellte das Unternehmen vor und zeigte auf, wei Flüchtlinge beschäftigt werden können.
Rund 125 Personen kamen gestern beim Unternehmerfrühstück in den Räumen von Kranbauer Klaas zusammen. Daniela Klaas stellte das Unternehmen vor und zeigte auf, wei Flüchtlinge beschäftigt werden können. Foto: hbm

Fachkräftemangel und Integration werden Freunde. Zwei Jahre nachdem Unternehmen beim Gedanken Flüchtlinge zu beschäftigen, zuallererst vor bürokratischen Hürden standen und kapitulierten, ergreifen Betriebe und Flüchtlinge nun gleichermaßen sich bietende Chancen. Beim Unternehmerfrühstück in den Räumen der Firma Klaas stellte Daniela Klaas der 125-köpfigen Runde vor, wie der Kranbauer inzwischen zehn Flüchtlinge in Arbeit gebracht hat. „Sie sind sehr motiviert, lernbereit, engagiert, hilfsbereit, freundlich und ungeheuer dankbar“, gab sie die Firmenerfahrung wieder.

Klaas erklärte, dass es im ersten Schritt notwendig sei, den Status des Flüchtlings zu klären. Eine Aufenthalts- sei auch eine Arbeitserlaubnis. Betreut werde dieser Personenkreis vom Jobcenter in der Gemeinde, die Wege dorthin seien nicht nur räumlich kurz. Schwieriger werde es bei einer Aufenthaltsgestattung. Dann müsse mit mehr Zeit und Mühe gerechnet werden. Klaas lobte ausdrücklich die Arbeit der Ehrenamtlichen, die in die Kommunikation zwischen Flüchtlingen und Betrieben wertvolle Dienste leisteten und auch Flüchtlingen beim Organisieren aller Unterlagen helfen würden. Das Unternehmen selbst habe einen Lebenslauf-Bogen entwickelt, um die nötigen Daten zusammen zu bekommen. Als leichtesten Einstieg empfahl sie ein Praktikum.

Die 260-köpfige Mitarbeiterschaft setze sich aus inzwischen 18 Nationen zusammen. Die zehn Flüchtlinge kommen aus Syrien (vier), Pakistan (drei), Irak, Afghanistan und der Kaschmir-Region in Indien. Aus Lebensläufen der Flüchtlinge sei ablesbar, dass sie vor Krieg geflüchtet seien und nicht wegen der vermeintlichen wirtschaftlichen Sicherheit in Deutschland: „Ein Flüchtling, der mit seiner Frau und drei Kindern hier ist, hat berichtet, dass sein Haus während eines Besuchs des Onkels von einer Bombe getroffen worden ist. Die Familie hatte zwei Autos, ihr ging es wirtschaftlich gut. Er ist dankbar, dass er bei uns arbeiten darf.“

Problematisch sei das Leben in den Unterkünften, wenn arbeitende Flüchtlinge sich mit anderen Personen ein Zimmer teilten. Schwierig sei es für Azubis in der Berufsschule, die allerdings viel für sie tue. Die Verständigung im Alltag werde Stück für Stück besser.

Bei einer Runde berichteten Markus Büscher und Jürgen Fuchs ebenfalls von positiven Erfahrungen. Johannes Feller vom Sozialwerk St. Georg lobte die hohe Toleranz und Hilfsbereitschaft der Menschen in Ascheberg. Nach Informationen der Gemeinde leben aktuell 117 anerkannte Flüchtlinge mit Aufenthaltserlaubnis in der Gemeinde, dazu 136 Asylbewerber. 167 von insgesamt 251 Flüchtlingen seien über 18 Jahre alt. Von den 167 Volljährigen seien 55 in Arbeit integriert, also rund ein Drittel.

Einige Flüchtlinge sahen die Besucher des Unternehmerfrühstücks bei einem anschließenden Rundgang durch den Betrieb auch noch bei der Arbeit. Und die Vertreter des Jobcenters der Gemeinde erhielten gleich Anfragen, bei den Interesse an Arbeit für Flüchtlinge hinterlegt wurde.

Anzeige
Anzeige
http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/5591399?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F104%2F158%2F
Ein Zoo-Künstler unter Geiern
Prof. Ulrich Martini unter Geiern: Mit den lebensgroßen Nachbildungen der Aasfresser hat der frühere Fachhochschul-Dozent den Eingangsbereich zum Geier-Restaurant an der Großvogelvoliere des Allwetterzoos originell gestaltet.
Nachrichten-Ticker