Kamila und Sara kamen vor drei Jahren ohne Deutschkenntnisse an die Profilschule Ascheberg
Deutsch im schulischen Eilverfahren

Ascheberg -

In einer Woche verlassen sie die Profilschule Ascheberg. Kamila Tocik wechselt zum St. Antonius-Gymnasium Lüdinghausen, Sara Koku beginnt in Ascheberg eine Lehre als Arzthelferin. Drei Jahre zuvor hatten sie ohne Deutschkenntnisse an die Schultür geklopft.

Mittwoch, 20.06.2018, 19:32 Uhr

Sara Koku und Kamila Tocik haben in drei Jahren an der Profilschule Ascheberg Deutsch gelernt und wissen, wie es nach dem Abschluss weitergeht. Lehrerin Jutta Hebbeler sowie Saras Klassenkameradinnen Annika Biethmann und Hannah Westhoff berichteten mit dem Duo über die gemeinsame Schulzeit.
Sara Koku und Kamila Tocik haben in drei Jahren an der Profilschule Ascheberg Deutsch gelernt und wissen, wie es nach dem Abschluss weitergeht. Lehrerin Jutta Hebbeler sowie Saras Klassenkameradinnen Annika Biethmann und Hannah Westhoff berichteten mit dem Duo über die gemeinsame Schulzeit. Foto: hbm

In einer Woche verlassen sie die Profilschule Ascheberg. Kamila Tocik wechselt zum St. Antonius-Gymnasium Lüdinghausen, Sara Koku beginnt in Ascheberg eine Lehre als Arzthelferin. Gemeinsam ist ihnen, dass sie vor drei Jahren an die Profilschule kamen und zuerst kein Wort Deutsch gesprochen haben. Während Kamila aus Polen nach Ascheberg gezogen ist, fand Sara aus Albanien über ein halbes Jahr in Bochum in Herbern ein fremdes Zuhause.

Die Profilschule vermittelt Deutsch als Fremdsprache in zwei Etappen. In der ersten Runde sind Kamila und Sara zwar schon in ihre Klassen gegangen, der wichtigste Baustein war aber ein wöchentlich zehnstündiger Deutschkursus, in dem es genauso um Altersbegriffe wie um schulische Dinge ging. „Lineal“, sagt Lehrerin Jutta Hebbeler und das Duo schmunzelt. „Das erste Jahr war schwer“, sagen die Schülerinnen gleichlautend. Aber mit dem Wachsen des Sprachschatzes begann auch das Verstehen der anderen Unterrichtsinhalte. Dass Kamila an der Schule angekommen war, zeigte ihr Wechsel von der siebten in die achte Klasse, was ihrem Wissensstand aus Polen entsprach. In dieser Phase war das Duo noch notenlos unterwegs. „Ohne Kenntnisse der Sprache ist die Leistung nicht zu bewerten“, sagt Hebbeler.

„Irgendwie haben wir uns verständigt“, berichtet Saras Schulbank-Nachbarin Annika Biethmann, die durch die räumliche Nähe zur ersten Ansprechpartnerin wurde. Wo Kamila mit Englisch eine Brücke baute, musste bei Sara anfangs mit „Händen und Füßen“ kommuniziert werden. Aber die Klasse hat sie aufgenommen, sich um sie gekümmert. „Ist doch selbstverständlich“, sagt Klassenkameradin Hannah Westhoff.

Der Deutschkursus für Anfänger war übrigens 2015 keine Angelegenheit allein für die beiden Mädchen. „Wir hatten zwischen 15 und 19 Schüler“, blickt Hebbeler nicht nur auf eine große Gruppe, sondern auch auf unterschiedliche Muttersprachen zurück. „Dazu kam eine Altersspanne von elf bis 15 Jahren“, beschreibt sie eine weitere Herausforderung.

Mit einem sprachlichen Grundgerüst ausgestattet, wurde es im schulischen Alltag ernster. „Bis zur achten Klasse kann man bei uns nicht sitzenbleiben, in der Neun ist das anders. Da zählen die Noten“, informiert Hebbeler. Kamila und Sara ist es gelungen, ihren Schnitt Stück für Stück zu steigern. An der deutschen Sprache haben sie in Werkstätten und Arbeitsgemeinschaften weitergearbeitet. Entsprechend ihrem zurückhaltenden Naturell hat Kamila etwas Sorgen, beim Sprechen etwas falsches zu sagen. Lesen und schreiben fällt beiden leichter.

Die Frage nach dem schwersten Schulfach beantworten sie nicht etwa mit Deutsch, sondern mit Gesellschaftslehre, ein textlastiges Fach. An dieser Stelle arbeitet das Kollegium übrigens intensiv an einem sprachsensiblen Unterricht. Dafür ist eine Fortbildung vorgesehen, damit Fremdsprachler im Fachunterricht noch besser abgeholt werden können.

Das Duo hat nicht nur die deutsche Sprache gelernt und muss sich in der nächsten Woche mit dem Abschluss an der Profilschule keine Gedanken mehr um den Anschluss machen. Es ist auch anderweitig angekommen. Kamila hat schon in Polen Geige gespielt und arbeitet als Schülerin der Musikschule Ascheberg weiter an ihrem Können, Sara spielt in Herbern Volleyball. „Das hat geholfen, Leute kennenzulernen“, ist sie sicher.

Die beiden Abschlussschülerinnen haben nicht nur eine neue Sprache und Kultur kennengelernt, sondern auch eine andere Schule: „In Polen hatten wir einzelne Bänke und der Lehrer stand vorne“, erinnert sich Kamila an ein klassisches Schulbild.

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